Strukturwandel bereitet Vereinigten Industrieverbänden in Düren Sorgen

Versammlung in Schloss Burgau : Strukturwandel bereitet Industrieverbänden Sorgenfalten

Dass mit dem britischen Finanzexperten, Autoren und Journalisten David Marsh ein ausgewiesener Kenner in Brexit-Fragen zur Jahreshauptversammlung der Vereinigten Industrieverbände von Düren, Jülich, Euskirchen und Umgebung kommen würde, war von langer Hand geplant.

„Dass der Zeitpunkt für den Vortrag bei uns so ideal sein würde, war nicht vorauszusehen, das hätte auch ganz anders laufen können“, freute sich am Mittwochabend VIV-Vorsitzender Hans-Helmuth Schmidt auf Schloss Burgau über die Brisanz, die das Thema auch dieser Tage noch hat.

David Marsh ist Brite, mit einer Deutschen verheiratet, lebt in Großbritannien, hat eine Wohnung in Berlin und ist beiden Ländern privat wie beruflich sehr verbunden. Der 66-Jährige erzählte auf Deutsch mit britischem Akzent, dass er die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt habe – aus reiner Neugierde. „Ich möchte das System testen, schauen, wie das abläuft und wie lange es dauert“, erklärte er mit verschmitztem Grinsen.

Marsh sagte, er gehöre zu den „Remainers“, die für einen Verbleib Großbritanniens in der EU gestimmt haben. Trotzdem habe er Verständnis sowohl für die eine als auch die andere Seite und würde sich wünschen, dass mehr seiner Landsleute die Meinung der Gegenpartei verstehen oder respektieren würden. Tatsächlich fühle es sich aber in Großbritannien fast wie ein Bürgerkrieg an. Deshalb war seine Botschaft als Festredner bei der VIV-Veranstaltung: „Wir sitzen alle im gleichen Boot.“

Die großen Herausforderungen, wie beispielsweise die Digitalisierung, seien in Großbritannien wie in Deutschland gleich. Für kritisch hält er vor allem, dass die Auswirkungen des Brexit zurzeit nicht spürbar seien. „Wir gehen durch eine Krise, ohne sie wirklich zu erleben. Das ist eine zwecklose Zeit, in der wir die Krise weder bewältigen, noch sie als Chance nutzen können.“

Ebenfalls eine Zeit des Übergangs, wenn auch keine so krisengeschüttelte, liegt hinter den Vereinigten Industrieverbänden. Seit dem vergangenen Mai ist Hans-Helmuth Schmidt neuer Vorsitzender, im August stieg Dr. Stefan Cuypers als Geschäftsführer ein. Das neue Duo an der Spitze hat seine Aufgaben nicht zu einfachen Zeiten übernommen. Schmidt: „Was uns bewegt sind Veränderungen. Der konjunkturelle Aufschwung, das gute Wachstum der letzten Jahre, hat sich in eine Seitwärtsbewegung verändert. Das ist besonders in der Automobilindustrie spürbar.“ Besonders aber der Strukturwandel beschäftigt die Industrie. „Wir machen uns große Sorgen, wie die Dürener Industrie den Strukturwandel bewältigen wird“, sagte Schmidt und unterstrich die Bedeutung einer reibungslosen und zukunftsweisenden Zusammenarbeit zwischen Politik und Industrie. Speziell hofft Schmidt auf Unterstützung bei der Verbesserung der Infrastruktur sowie bei der Schaffung von Arbeitsplätzen.

(wel)