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Vossenack: „Strippkes-Trekker” spielen „kleinen Prinz”

Vossenack : „Strippkes-Trekker” spielen „kleinen Prinz”

Vom tödlichen Biss der Giftschlange getroffen, sackt der kleine Prinz im Stroboskoplicht in sich zusammen.

Reglos liegt er, fernab seines Heimatplaneten, mit dem Gesicht zum Boden im irdischen Wüstensand - der Vorhang fällt. War es das? Die Zuschauer des Marionettentheaters „De Strippkes-Trekker” im Vossenacker Franziskus-Gymnasium halten inne. Kein Laut durchbricht die andächtige Stille.

Erst, wenn die Strippenzieher nach 90 Minuten hervortreten und sich verneigen, erschallt Applaus. Die Aufführung von Antoine de Saint-Exupérys „Der kleine Prinz” war ein großer Erfolg.

Seit mehreren Jahren schon gehört das Stück zum Repertoire des Ensembles, wurde von immer neuen Schülern und Bewohnern des Internates gespielt. „Punsch-Prinz” nennt man die weihnachtliche Aufführung des Stückes liebevoll.

Zu alkoholfreien Getränken gibt es selbst gebackene Plätzchen. Futter für den Geist gab es mit Saint-Exupérys moderner Fabel jedoch auch. Reichlich. Zurück zum Ende: Kann der kleine Prinz einfach so sterben, nachdem wir ihn bei seiner Reise durch die Welt der menschlichen Oberflächlichkeit und Missstände begleitet haben?

„Ich kann diesen Leib nicht mitnehmen”, will uns der kleine Prinz trösten, „er ist zu schwer.” Von seinem Planeten aufgebrochen, um einen Freund zu suchen, reist er umher und trifft auf zahlreichen Kleinststernen auf Menschen - Spiegelbilder der Gesellschaft, die trotz der vergangenen 60 Jahre nichts an ihrer Aktualität verloren haben.

Sei es der gelehrte Geograph, der die Welt beschreibt, ohne jemals Zeit gehabt zu haben, seinen Schreibtisch im Elfenbeinturm zu verlassen und sich die Welt anzuschauen, oder der Säufer, der sich jeden Tag aufs neue zuschüttet um zu vergessen, dass er sich schämt, weil er säuft. Ein Geschäftsmann, der auf einem anderen Planeten die Sterne zählt und zu Gold machen will, verkörpert Profitgier und Egoismus.

Diese Negativliste kann fortgesetzt werden... Einzig im Fuchs erkennt der kleine Prinz einen Freund, weil dieser auch hinter die Dinge schaut. „Wenn Du mich zähmst, werden wir einander brauchen”, sagt der Fuchs, denn nur wer sich mit dem anderen vertraut mache, könne den wahren Kern erkennen, Verantwortung übernehmen.

„Man sieht nur mit dem Herzen gut”, weiß der Fuchs. „Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.” So kann der kleine Prinz auch seine körperliche Hülle auf der Erde zurücklassen: Das Wesentliche, die Erinnerung an ihn, ist im Herzen eingeschlossen.

Für jeden, der sich die Mühe gemacht hat, zu zähmen und Verantwortung zu übernehmen und sich nicht der verlockenden Oberflächlichkeit hinzugeben.