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Düren: Streetscooter: Dürener Neapco-Werk setzt auf flexible Produktion

Düren : Streetscooter: Dürener Neapco-Werk setzt auf flexible Produktion

Wenn Dr. Jürgen Liermann nach vorne blickt, dann dürfte der Dürener Automobilzulieferer derzeit alles richtig machen. „In der E-Mobilität sehen wir die Zukunft“, sagt der Direktor für besondere Projekte, der gemeinsam mit Neapco-Finanzchef Dr. Martin Esser dafür zu sorgen, dass im April am Dürener Standort die Produktion der Streetscooter anlaufen kann. „Die Batterie wird eine Übergangstechnologie sein. Mit der Brennstoffzelle werden die Autos umfassend elektrisiert“, ist sich Liermann sicher.

Die logische Konsequenz: Die Kooperation mit Streetscooter, die batteriebetriebene Kleinlaster vorwiegend für die Post produzieren, umfasst nicht nur die reine Montage, sondern auch die Zusammenarbeit auf der Komponentenseite. „Es gibt aber auch weitere Unternehmen, die mit uns Antriebswellen für die E-Mobilität entwickeln“, betont Liermann.

Wenn also im April ganz offiziell die Produktion der Streetscooter am Dürener Standort beginnt, wird damit quasi die Zukunft eingeläutet. „Wir freuen uns, Bestandteil dieses Umbruchs zu sein“, sagt auch Esser, zumal der Umbruch damit verknüpft ist, „dass erstmals in 50 Jahren Autos in Düren produziert werden“. Dafür hat man bei Neapco rund ein Drittel der Flächen freigeräumt. Das interne Zentrallager wurde abgerissen und verlegt, Abteilungen wie der Prototypenshop und Testing umstrukturiert.Möglich wurde das auch, weil eine Produktionslinie aufgegeben werden konnte.

Auf der 120 Meter langen Fertigungsstraße wurden in Spitzenzeiten bis zu 800.000 Getriebegehäuse für Ford produziert, zuletzt waren es nur noch 30 000 Gehäuse. Das war wenig rentabel. Stattdessen investiert Neapco nun in flexiblere Produktionsanlagen — allein in diesem Jahr rund neun Millionen Euro. Das hilft bei der Strategie, unterschiedliche Komponenten für unterschiedliche Fahrzeuge anbieten zu können. Und könnte letztlich auch helfen, genauso flexibel beim Umstieg von der Verbrennungstechnik hin zur Elektromobiltät den höheren Anforderungen der Hersteller gerecht zu werden.

20 Neapco-Mitarbeitern

Mit einer Kernmannschaft von 20 Neapco-Mitarbeitern, die seit Ende 2017 geschult werden, sollen die ersten Streetscooter zusammengebaut werden. Das Ziel: Bis Ende 2018 sollen dann 170 Mitarbeiter die Produktion auf 75 Prozent hochfahren. Maximal möglich sind in einer Schicht 10.000 Fahrzeuge im Jahr. Gestellt werden die Mitarbeiter zu je einem Drittel von Neapco, der eigens gegründeten Service GmbH und von Leiharbeitsfirmen.

All diese Komponenten — die schlankere und flexiblere Produktion, die Bereitstellung von Flächen für Streetscooter und die Abgabe von Mitarbeitern — soll in Verbindung mit der inzwischen vom Eigentümer modernisierten Halle kurzfristig zu einem anderen wichtigen Ergebnis für Neapco führen: endlich wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Liermann: „Wir haben unsere Budgeterwartungen für 2017 übertroffen, aber dennoch Verlust gemacht. 2018 wollen wir wieder in den Gewinnbereich kommen.“ Das wäre ein Jahr früher als vorgesehen. „Die Auftragsbücher sind voll. Unsere Auslastung liegt derzeit bei 85 Prozent“, ist auch Neapco-Finanzchef Martin Esser zuversichtlich, das ehrgeizige Ziel erreichen zu können, denn: „Arbeitsplätze sichert man nicht allein durch Standortgarantien, sondern durch Gewinne.“