Nideggen: Stadt Nideggen wuchert langsam grün zu

Nideggen: Stadt Nideggen wuchert langsam grün zu

Breite Wanderwege werden allmählich zu Trampelpfädchen, Sonnenblumen kämpfen mit großen Wildkräutern um die Vorherrschaft, Ruhebänke werden von Pflanzen umrankt. An der Stadtmauer des mittelalterlichen Städtchens Nideggen ranken sich mehr Sträucher, Brennnessel, Wildpflanzen aller Art empor.

Nideggener Bürger schimpfen. Es ähnele, ärgern sie sich, einem Schildbürgerstreich, wenn eine Grasfläche - wie in der Anlage am Martin-Aschenbroich-Weg zu sehen - nur am Rand gemäht wird. Die große Innenfläche wächst lustig weiter.

In der neuen Anlage am Zülpicher Tor, da wo der Bücherschrank steht, setzt sich auf den neuen Terrassen mannshoch das Unkraut durch. Auf den Nideggener Friedhöfen wuchert auch der Wildwuchs. Die Pflanzen in den Anlagen des Schulzentrums breiten sich in der Ferienzeit ungebremst aus.

Willi Förster, Ur-Nideggener, 76 Jahre alt, macht seinem Ärger Luft: „Es ist traurig, wie es in der Stadt aussieht. Ich kann mich nicht erinnern, dass unsere Anlagen und Parks in Friedenszeiten jemals so ausgesehen haben.”

Ulrich Laube, Wander- und Wegewart des Eifelvereins, Ortsgruppe Nideggen, sieht das ähnlich. „Nideggen, die grüne Stadt! Wir wollen Touristen hier haben, die kann man aber mit so viel Grün nicht anlocken”, unterstreicht er seine Meinung.

Bürgermeisterin von Nideggen, Margit Göckemeyer, und ihr Mitarbeiter Peter Esser, verantwortlich für die Liegenschaften der Stadt, begründen den Zustand der Anlagen in und um Nideggen mit fehlendem Geld. Peter Esser verweist darauf,dass die Vorschriften für ihr Handeln „von oben” kämen.

„Wir machen jetzt schon Dinge, so genannte freiwillige Leistungen, die wir eigentlich nicht machen dürfen”, sagt er, „weil sie unter die Einsparmaßnahmen fallen, denen die Stadt schon seit 2001 mit dem Einsetzen des Nothaushaltes unterliegt.” Seit 2011, ergänzt die Bürgermeisterin, sei die Stadt dem 1. Stützungspakt beigetreten, der die Stadt zu ungewöhnlichen Sparanstrengungen zwinge.

Bleibt die Frage: Was machen denn die Mitarbeiter, die bisher mehr oder weniger regelmäßig die Anlagen gepflegt haben? Die einfache Antwort: Sie verrichten Arbeiten, die bisher von Fremdfirmen ausgeführt wurden, aufgrund der Sparmaßnahmen aber von diesen nicht mehr ausgeführt werden dürfen.

Trotzdem zeigen sich die Bürgermeisterin und ihr Mitarbeiter zuversichtlich. Esser verspricht, dass die Anlagen in absehbarer Zeit wieder in vertretbaren Intervallen gepflegt würden. Göckemeyer hofft auf die Eigeninitiative der Bewohner, von der es schon viele positive Beispiele gebe. „Ich wäre froh”, wagt sie einen Blick in die Zukunft, „wenn alle Bürger ihren Pflichten nachkommen würden.”

Es fehle im Gegensatz zu anderen Stadtteilen ganz stark die Koordination, ein Ortskartell, das die Leistungen bündele und die Aktivitäten in die richtigen Bahnen leite. Im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten, sagte Esser abschließend, werde der Grundpflegestandard aufrecht erhalten.