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Düren: Stadt Düren plant Kostenübernahme für Tauben

Düren : Stadt Düren plant Kostenübernahme für Tauben

Täglich fährt Jakob de Vries von Niederau nach Düren. Bei schlechtem Wetter nimmt er den Bus, meist ist er aber mit dem Roller unterwegs und transportiert einen schweren Eimer mit Futter. Sein Weg führt ihn ins Bürgerbürogebäude.

Dort fährt er im obersten Stockwerk eine schmale Klappleiter aus der Decke, erklimmt sie mitsamt dem Eimer, stemmt eine große Klappe auf und betritt das Dach des Gebäude. Da oben steht für die Stadttauben ein Container als Taubenschlag. De Vries kümmert sich um die Tiere, deren Futter, Unterkunft und Gesundheit. Das macht der 67-Jährige seit neun Jahren ehrenamtlich, Ausgaben für das Futter finanzierte Ratsfrau und Initiatorin des Taubenschlags Heidemarie Meier-Grass aus eigener Tasche — 150 Euro monatlich. 120 Euro für das Futter und 30 für eine Versicherung für Jakob de Vries.

Damit soll bald Schluss sein. Nicht mit der Taubenfürsorge, sondern mit der privaten Finanzierung. Damit nach dem bald anstehenden Ende ihrer politischen Karriere das Projekt von Seiten der Stadt finanziert wird, hat Meier-Grass einen Antrag gestellt, dem der Bauausschuss schon stattgegeben hat. Nach Empfehlung des Ausschusses sollen bis zu 500 Euro — abhängig vom Bedarf — gezahlt werden. Die Entscheidung des Rates bleibt noch abzuwarten.

Von dem Geld soll neben Futter und Arzneimittel für die Vögel auch die Versicherung für de Vries, seine Fahrtkosten und eine Aufwandsentschädigung bezahlt werden. „Ich möchte, dass der Mann seine Arbeit endlich mal honoriert bekommt“, betont Meier-Grass. Er leiste einen wertvollen Beitrag zur Aufenthaltsqualität in der Innenstadt und habe als Taubenzüchter die nötige Professionalität, die kein Laie mitbrächte. Die Taubenpopulation so effektiv einzudämmen und gesund zu halten, sei bei anderen Anbietern um ein Vielfaches teurer, ist sie überzeugt.

20 Jungtiere pro Jahr

Wie erfolgreich die Arbeit von de Vries in den vergangenen Jahren war, belegt sie gern an einem Beispiel: 2009 hätten sich Beschwerden von Passanten gehäuft, die sich von den Tauben belästigt fühlten. An eine ungestörte Außengastronomie sei auf dem Marktplatz nicht zu denken gewesen, so Meier-Grass. Jakob de Vries ergänzt: „Ich habe mich damals an einem Abend auf das Dach gestellt und die Tauben auf den umliegenden Dächern gezählt. Ich kam auf 130.“ Heute sind es etwa 50 Tauben, die er regelmäßig beobachtet. Die Dächer und Gehwege seien nicht mehr mit Vogelkot gesprenkelt, und die Außengastronomie floriere, sagt Meier-Grass, da die Tiere satt seien und deshalb keine Fußgänger in der Einkaufsstraße belästigen.

Jakob de Vries kontrolliert die Vermehrung der Tiere, indem er die Eier mit Attrappen ersetzt und pro Taubenpaar im Jahr nur ein Ei ausbrüten lässt. Damit gibt es jährlich nur rund 20 Jungtiere, und bei denen achtet der Züchter auch auf das Aussehen. „Ich will keine usseligen Tauben, nach denen kein Kind schaut. Deshalb lasse ich die Eier ausbrüten, aus denen weiße oder bunte Taube schlüpfen“, erklärt er.

Dass der 67-Jährige sich mit viel Herzblut nicht nur um seine eigenen Tauben, sondern auch um die städtischen kümmert, merkt man ihm gleich an. „Ich bin Taubenzüchter durch und durch. Das ist schon fast fanatisch“, sagt er ehrlich. Trotzdem lässt er offen, wie lange er sein Engagement fortführen möchte: „So lange Frau Meier-Grass das macht, mache ich‘s auch.“ Was danach komme, müsse man mal sehen, schränkt er ein.