Spannende Einblicke bei der Pulverlack-Fabrik CWS in Merken

CWS in Merken : Lack mit einer Konsistenz wie Mehl

Für Dieter Fuecker war es fast ein Heimspiel, auf jeden Fall aber ein Ausflug in die eigene Vergangenheit. Der Dürener hat 1959, also vor genau 60 Jahren, bei der Firma CWS im Dürener Stadtteil Merken seine Ausbildung als Starkstromelektriker begonnen. Am Montag ist er im Rahmen einer „Aboplus“-Tour unserer Zeitung noch einmal an seine alte Wirkungsstätte zurückgekehrt.

CWS sind die Initialen von Conrad Wilhelm Schmidt, der die Lackfabrik 1864 gegründet hat. Heute wird der Betrieb mit rund 200 Mitarbeitern am Standort Düren in fünfter Generation von Hans Helmuth Schmidt geführt. Neben dem Hauptsitz in Merken hat CWS noch Niederlassungen in den USA, Polen und Dänemark. Dort arbeiten auch etwa 200 Menschen. Seit 19 Jahren hat sich CWS mit einem Jahresumsatz von mehr als 80 Millionen Euro auf die Herstellung von Pulverlacken spezialisiert, in diesem Bereich gehört das Unternehmen europaweit zu den Marktführern.

Maßgeschneiderte Produkte

„Unser Anspruch ist es“, erklärte Geschäftsführer Dr. Peter Frese, „für unsere Kunden technisch anspruchsvolle, maßgeschneiderte Pulverlacke anzufertigen, die genau an den Wünschen unserer Kunden orientiert sind.“ Um dieses Ziel zu erreichen, habe das Unternehmen einen sehr hohen technischen Anspruch. Frese: „Wir stellen in unserem Schwesterunternehmen Atcoat die Bindemittel her, die für die Produktion von Pulverlacken benötigt werden. Außerdem haben wir am Standort Merken auch einen großen Bereich Forschung und Entwicklung.“

Spannende Einblicke von der Produktion bis zum fertigen Produkt gab es bei der Firma CWS. Foto: ZVA/Sanadra Kinkel

Aber was sind Pulverlacke nun eigentlich genau? Das erfuhren unsere Leser bei einem spannenden Firmenrundgang mit Prokurist Rüdiger Strunz und Laborleiter Stefan Plum. Pulverlacke werden in einem Sprühverfahren aufgetragen und das möglichst dünn, beispielsweise in Schichten, die nur 0,1 Millimeter dick sind. Eingesetzt werden sie vor allem in der Industrie, aber auch bei Landmaschinen, Gartengeräten, Keramik, Glas und Metallwaren. Rüdiger Strunz: „Wir haben rund 2500 unterschiedliche Rezepturen für 2500 verschiedene Pulverlacke.“ Das, ergänzte der Prokurist, seien aber nicht 2500 verschiedene Farben, sondern vielmehr 2500 unterschiedliche Produktanforderungen. „Manche Kunden wollen Pulverlacke, die bedruckt werden können, andere solche, auf denen man möglichst keine Fingerabdrücke sieht, und wieder andere legen Wer darauf, dass die Lacke möglichst witterungsbeständig sind.“ Ein Hersteller von Bibliotheksmobiliar, nannte Strunz ein weiteres Beispiel, habe sich besonders rutschfesten Lack gewünscht, damit die Bücher stehen bleiben.

Produziert wird in Merken auf elf Produktionslinien gleichzeitig. Die Mitarbeiter arbeiten in einem Drei-Schicht-System rund um die Uhr. „Die Herstellung von Pulverlacken“, erklärte Strunz sehr anschaulich, „funktioniert eigentlich wie Backen.“

Gründlich mischen

Zuerst müssen die verschiedenen „Zutaten“, unter anderem Polyester, Bindemittel und Pigmente, gemischt werden. Anschließend entsteht nach dem Erhitzen eine so genannte Pulverlackschmelze, die auf einem gekühlten Band zur Mühle transportiert wird. Dort wird der Pulverlack zuerst gebrochen und anschließend ganz fein gemahlen. Bevor das Produkt endgültig zu den Kunden geht, durchläuft es noch eine gründliche Qualitätskontrolle auf dem Firmengelände in Merken. Dort gibt es beispielsweise eine Maschine, die lang anhaltende, direkte Sonneneinstrahlung und Dauerregen simulieren kann.“

Zum Schluss des interessanten Rundgangs hatten die Teilnehmer der Aboplus-Tour die Gelegenheit, selbst einen Flaschenöffner mit Pulverlack, der eine mehl-ähnliche Konsistenz hat, zu überziehen, und zwar mit solchem in der Farbe „Red Bull Racing Blue“, die vom gleichnamigen Formel-1-Auto bestens bekannt ist. Nach dem Sprühvorgang wurden die Flaschenöffner für zehn Minuten bei 180 Grad gebrannt – danach waren sie sofort einsatzfähig. „Auch das“, erklärte Rüdiger Strunz, „ist ein sehr großer Vorteil unseres Produktes: Es gibt kaum Trocknungszeiten, die lackierten Produkte können sofort weiterverwendet werden.“

Und Dieter Fuecker? Der hat sich über seinen selbst lackierten Flaschenöffner richtig gefreut, vor allem, weil er einen ganz ähnlichen dabei hatte, den er 1959 zum Beginn seiner Lehre bekommen hat. „Damals musste ich ein F einstanzen, damit klar war, dass es meiner war. Und jetzt habe ich wieder einen. Das freut mich sehr.“ Überhaupt sei der Besuch seines Ausbildungsbetriebes „einfach nur schön“ gewesen. „Die ganzen Erinnerungen waren plötzlich wieder da. Mit hat das unglaublich viel Spaß gemacht. Und es war sehr interessant zu sehen, wie diese Firma sich entwickelt hat.“

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