Düren: Soziales Engagement in konkreter Form

Düren : Soziales Engagement in konkreter Form

Ein Leben zwischen Düren und Kapstadt — für den jungen Dürener Philipp Eismar ist das die Realität. Es gibt Freunde, die halten den 23-Jährigen für verrückt. Dabei hat er sich nur seinen größten Wunsch erfüllt: Er will Menschen helfen zu helfen.

Wie er das angestellt hat? Ganz einfach — mit einer Tätigkeit als Volunteer in Afrika, einer ordentlichen Portion Geduld und viel Fleiß. Ein wenig Risikobereitschaft und Mut gehören wohl auch dazu. Heute aber hat Philipp Eismar es geschafft. Der junge Dürener hat seine eigene Hilfsorganisation ins Leben gerufen. Ein Projekt, das in Düren besonders ist. Aber was ist eigentlich ein Volunteer?

Vom Volunteer zum Gründer einer eigenen Hilfsorganisation: Der Dürener Philipp Eismar vermittelt Freiwilligenarbeit in Südafrika und unterstützt vor Ort Projekte wie ein Kinder- und Seniorenheim, aber auch ein Fußballteam.

Es gibt eine Vielzahl von Hilfsorganisationen aus aller Welt. Viele davon arbeiten mit dem so genannten Volunteering, der Arbeit mit Freiwilligen, die sich für ein Soziales Jahr in einem Entwicklungsland entschieden haben. Die Volunteers arbeiten dann in einer sozialen Einrichtung vor Ort. Auch der heute 23-jährige Philipp Eismar hat sich nach seinem Fachabitur an der Nelly-Pütz Schule für diesen Weg entschieden. Die Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann hat er abgebrochen, weil er wusste: Der fehlende Menschenkontakt macht ihn auf Dauer nicht glücklich. Also ging es für ein Jahr nach Kapstadt.

Nach seiner Rückkehr aus Afrika im Sommer 2013 begann er, seine eigene Hilfsorganisation namens „IFFEAD — International Foundation for Education and Development“ aufzubauen. Allerdings gründete er IFFEAD nicht alleine. Mit an Bord ist eine langjährige Bekannte und mittlerweile gute Freundin, Esther Butenschön.

Dabei begann alles nur mit einer spontanen Idee auf dem 21. Geburtstag. „In der Nacht entschloss ich mich kurzerhand dazu, ein Jahr als Volunteer nach Südafrika zu gehen“, erläutert Eismar. Warum ausgerechnet Afrika? Weil ihn Nelson Mandela fasziniert hat und ihn das Land interessierte. Eine entsprechende Organisation war auch rasch gefunden, und nachdem die Zusage 14 Tage später im Briefkasten lag, gab es für den zielstrebigen Dürener kein Zurück mehr: „Ich brauche die Herausforderung. Routine ist überhaupt nichts für mich.“

Eismar erklärt auch, dass seine Entscheidung nicht bei allen Leuten auf Verständnis traf. „Ich hatte einige Bekannte, die mir diese Sache schlecht machen wollten und mich für verrückt hielten, weil ich ohne Lohn dort gearbeitet habe.“ Im Juli 2012 ging es los in Richtung Kapstadt, wo Eismar als freiwilliger Helfer im Kinderheim „Durbanville Children‘s Home“ mit 39 anderen Volunteers 144 Kinder betreute. Nach fünf Monaten schaffte er es sogar als Assistent in die Heimverwaltung. Dort war er die Verbindung zwischen den Freiwilligen und dem Kinderheim. Er kümmerte sich um Dienstpläne und brachte ein wenig „deutsche Ordnung“ in das System, wie er schmunzelnd verrät.

„Einige Volunteers fielen dann unangenehm auf und wurden aus dem Kinderheim verwiesen. Knackpunkt an der Sache war, dass die Jugendlichen von ihren Hilfsorganisationen nur wenig Hilfe erfuhren. Das hat mich damals sehr aufgeregt. Da kam das erste Mal die konkrete Idee, eine eigene Organisation zu gründen“, erklärt Eismar. Schließlich fand er in Esther Butenschön, die ebenfalls schon lange den Wunsch der Entwicklungshilfe hegte, eine Verbündete. Die Idee von IFFEAD wurde im Mai letzten Jahres so konkret, dass es im August 2013 gemeinsam zu einem Fachanwalt für Non-Profit-Organisationen nach Frankfurt ging. Seit Januar 2014 ist die Hilfsorganisation von Philipp Eismar und Esther Butenschön offiziell beim Amtsgericht Düren eingetragen. Mittlerweile sind die beiden mit IFFEAD schon so weit, dass sie eigene Volunteers nach Südafrika schicken, die dort für die Organisation eintreten.

IFFEAD vermittelt Freiwillige an seine Projektstellen in Südafrika wie Kinderheime oder Schulen. IFFEAD organisiert für die Bewerber Flug, Aufenthalt, Unterkunft und Einsatzort. „Die Arbeit mit den Freiwilligen ist schön, wir sind wie eine kleine Familie, und ich selber bin auch regelmäßig vor Ort“, so Eismar. Gute Vernetzung, Sorgfalt und Unterstützung der Volunteers. Das sind die Grundsätze der beiden IFFEAD-Gründer. Denn auch Heimweh plagt jeden Volunteer irgendwann einmal. „Deshalb ist es wichtig, gerade in solchen Situationen, eine enge Bindung zu den Freiwilligen zu haben.“

In den Gesprächen wird häufig das Gefühl thematisiert, überhaupt nicht gebraucht zu werden. Auch Eismar kennt dieses Problem, hält aber entschieden dagegen: „Man darf dort keine Sonderbehandlung erwarten. Man ist da, um zu helfen und es wird erwartet, dass man etwas mitbringt, nicht dass man bedient werden muss.“ Letztlich geht es bei IFFEAD nämlich auch um die Förderung und Weiterentwicklung der Freiwilligen. „Ich möchte den Leuten helfen zu helfen“, so Eismar.

Allerdings wird man auch nicht ohne Vorwissen nach Kapstadt geschickt. Nach der Bewerbung stehen persönliche Gespräche und Seminare an, um die Freiwilligen auf die Zeit in Afrika vorzubereiten. „Wir machen das, um die Freiwilligenarbeit in Südafrika zu verbessern und den Menschen dort zu helfen.“

Neben dem Volunteering baut das Konzept der Dürener Hilfsorganisation auch auf eigene Projekte in Kapstadt. Das reicht von Fußballtrikots oder dem Anlegen eines Gemüsegartens bis hin zur Unterstützung beim Bau von Häusern in den Townships. Zurzeit hat IFFEAD fünf Projektstellen in Südafrika. Dazu gehören das Kinderheim „Durbanville Children‘s Home“, wo 144 Kinder leben. Die zweite Projektstelle ist das Seniorenheim „Plumstead Rusoord“. Außerdem hat IFFEAD sich zum Ziel gesetzt, die Gemeindearbeit in den Townships von Kapstadt zu stärken. Das wird konkret in „Mitchells Plain“ angegangen. Die Einwohner des Townships sollen in die Realisierung von Projekten einbezogen werden, um eigenständig tragfähige Projekte langfristig auch ohne Hilfe von außen etablieren zu können.

Eine weitere Projektstelle ist der Kindergarten „Farmers Crèche“. Der im ländlichen Raum gelegene Kindergarten ermöglicht den Farmern dort ihrer Arbeit nachzugehen. Auf Grund mangelnder Finanzierung durch den Träger war ein Erhalt dieser Einrichtung nur durch die Arbeit der Volunteers möglich. In den verschiedenen Projektstellen können jeweils unterschiedlich viele Volunteers aus vielen verschiedenen Organisationen und Ländern arbeiten. Zurzeit bietet IFFEAD 40 Volunteer-Plätze an, wovon zehn bereits belegt sind.

Ein wichtiges Projekt ist weiterhin die Fußballmannschaft „Durbanville Eagles“. IFFEAD nutzte die große Rolle des Fußballs in der Region, um die Kinder von der Straße zu holen. Weltweit steht Fußball für Integration, Fairness und Teambildung. Er vereint insbesondere junge Menschen, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe und sozialem Status. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es jedoch in Südafrika kaum nutzbare Sportplätze. Trikots, Fußballschuhe oder Tore sind für die ärmere Bevölkerung eine Seltenheit, so dass ein strukturiertes Training und offizielle Spiele oft ein unerfüllter Traum bleiben. Deshalb haben Eismar und Butenschön Trikots gesponsert, auf denen nun das Stadtwappen Dürens prangt. Sport ist aber nicht überall ein wirksames Hilfsmittel. Die unterschiedlichen Projektstellen bedingen unterschiedliche Anforderungen an Freiwillige und die benötigten Hilfestellungen. „In den Townships ist es beispielsweise besonders wertvoll, wenn mit handwerklicher Unterstützung gegeben wird“, sagt Eismar. Was man auf keinen Fall machen dürfe, sei in die Erziehung einzugreifen.

Eismar und Butenschön wollen es nicht bei den bisherigen Projektstellen belassen. Die beiden Gründer arbeiten an einer Expansion und wollen Vermittlungsbüro in Großbritannien und Brasilien. Eine Zweigstelle in Südafrika existiert bereits. Hauptsitz von IFFEAD ist nach wie vor Huchem-Stammeln, der Wohnort Eismars. Zurzeit arbeitet IFFEAD mit vier festen Mitarbeitern, die rund um die Welt agieren.

Aber nicht nur global, sondern auch lokal wird etwas getan. In Düren hat Eismar anlässlich des Nelson Mandela Days eine Kooperation mit mehreren Dürener Seniorenheimen ins Leben gerufen. Dabei geht es darum, für 67 Minuten Jung und Alt zusammenzubringen und etwas Gutes zu tun. Nelson Mandela hatte 67 Jahre seines Lebens den Zielen einer humanen, gerechten und freien Gesellschaft in Südafrika gewidmet. Am Gedenktag würdigen Menschen seine Lebensleistung, in dem sie 67 Minuten lang etwas im Sinne dieser Ziele unternehmen.

Was Philipp Eismar und Esther Butenschön auf jeden Fall von sich behaupten können ist, in Düren ein wegweisendes Projekt ins Leben gerufen zu haben. Mit IFFEAD, das anfangs nur so etwas wie eine fixe Idee war, haben sie ihr soziales Engagement in konkrete Formen gepackt.

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