Düren: Sommertour im Stadtmuseum: Von der Sternwarte zur Schießpulverfabrik

Düren: Sommertour im Stadtmuseum: Von der Sternwarte zur Schießpulverfabrik

Die letzte Etappe der DZ-Sommertour führt ins Stadtmuseum Düren. 20 Leser blicken auch hinter die Kulissen. Manches Dokument der Zeitgeschichte lässt dem Betrachter das Wasser im Munde zusammenlaufen: Nach der „Gänseleber in Madeira“ gab es für die Honoratioren „Ostender Steinbutt an Butter und Kartoffeln“, „Rehrücken mit feinem Gemüse umgeben“, „Französische Markthühnchen an Kartoffelschnitzern“ und zum Dessert „Salat — Eingemachtes — Gefrorenes“ nebst „Käse und Obst“.

Der 17. Januar 1907 war ein Tag der Freude in Düren: Dank einer Stiftung des Industriellen Eberhard Hoesch wurde das Stadttheater eröffnet, eine Speisekarte des Festakts kann im Stadtmuseum bestaunt werden. Auf der Bühne wurde am gleichen Tag „Der Freischütz“ serviert, vor annähernd 700 Gästen. Die kleine Stadt an der Rur hatte Format, davon zeugen viele Ausstellungsstücke.

Zu einer nicht alltäglichen Führung hatte die DZ in Kooperation mit dem Stadtmuseum am Freitag 20 Leser eingeladen. Nein, ein opulentes Buffet wie bei der Eröffnung des Stadttheaters hatten die Ehrenamtler aus verständlichen Gründen nicht aufgefahren, dafür gab es viele Einblicke in die Arbeit hinter den Kulissen eines Museums. Es wären Häppchen, die durchaus den Appetit anregten und die Teilnehmer der letzten DZ-Sommertour zu vielen Nachfragen und angeregten Gesprächen veranlassten.

Gleich zu Beginn gab es eine kurze Geschichtsstunde: Von der ersten Idee über die Vereinsgründung bis hin zur Vorbereitung der ersten Ausstellung im Jahr 2009 ließ der Vorsitzende Bernd Hahne die Entwicklung des noch jungen Vereins und des Stadtmuseums Revue passieren.

Anschließend teilte sich die Gruppe: Auf dem Programm standen ein Rundgang durch die aktuelle Ausstellung „Dürens Goldene Jahre, 1871 bis 1914“ samt ausführlicher Erläuterungen zum Hintergrund der ausgestellten Stücke und ein Abtauchen in den Keller des Stadtmuseums, in dem mittlerweile fast 2500 Exponate darauf warten, selbst einmal Teil einer Ausstellung zur Stadtgeschichte zu werden.

Die Mitarbeiter des Museums verdeutlichten dabei, wie Museumsarbeit aussieht, welche akribische Recherchearbeit geleistet wird, um eine Ausstellung vorzubereiten. Das beginnt mit dem genauen katalogisieren beispielsweise einer gespendeten Büste bis hin zum Aktenstudium im Stadt- und auch im Landesarchiv.

Schritt für Schritt entsteht derzeit im Stadtmuseum ein Bildarchiv für historische Aufnahmen (das Museum hat Zugriff auf mehr als 1500 historische Postkarten) und ein Zeitzeugen-Archiv mit protokollierten Interviews. „Für jedes Talent und jedes Zeitkonto haben wir eine sinnvolle Beschäftigung“, lud Bernd Hahne alle Menschen, die sich für die Geschichte der Stadt interessieren, ein, einmal an einem offenen Treff oder einer Bilderbetrachtung teilzunehmen.

Ein echter Hingucker und Magnet war ein Modell der Stadt, das Josef Winterhagen angefertigt hat. Vorlage war ein Stadtplan von Wenzel Hollar aus dem Jahr 1634. Hollar tat, was ein für seine Internet-Dienste bekanntes Unternehmen mehrere hundert Jahre später wieder aufleben ließ: Er wanderte durch die Straßen der Stadt und fertigte umfassende Skizzen an, aus denen er seinen detaillierten Stadtplan erstellte.

Es gab überhaupt einiges zu entdecken im Stadtmuseum. Wussten Sie, dass es an der Ecke Aachener Straße/August-Klotz-Straße einmal eine Sternwarte gab? Dass einmal ein Marsch zu Ehren des Stadtparks komponiert wurde? Oder dass es in Düren mal eine Schießpulverfabrik gab?

„Von vielen Unternehmen, die Jahrzehnte in Düren existiert haben, finden sich nur noch Spuren“, bedauerte Bernd Hahne, der unter anderem bei der Aufarbeitung der Dürener Industriegeschichte noch viel Nachholbedarf sieht. Ein Beispiel sei die Dürener Pulvermühle, die 1881 gegründet wurde und Sprengstoffe für den Bergbau herstellte.

Offenbar gab es auch eine eigene Forschungsabteilung. Bei einer Explosion im Mai 1914 starben acht Menschen. „Mich würde interessieren, ob und in welchem Umfang auch vor dem Ersten Weltkrieg schon für das Militär produziert wurde“, sagt Hahne. Er ist damit schon mitten in der nächsten Ausstellung, die derzeit vorbereitet wird, und sich der Weltkriegsjahre 1914 bis 1918 annimmt.

Bis Weihnachten soll aber noch ein Begleitbuch zur aktuellen Schau erscheinen. „Das ist weitaus mehr als ein Ausstellungskatalog“, sagte Bernd Hahne, der ein „opulentes Werk“ verspricht. Wer einmal hinter die Kulissen des Museums geblickt hat, ahnt, dass es noch viel mehr Geschichten zu erzählen gibt, dass so manche Vitrine noch hätte gefüllt und manche Ausstellungstafel hätte beschriftet werden können. Bernd Hahne: „Wir stoßen bei unserer Arbeit vor allem an eine Grenze: Die Ausstellungsfläche reicht nicht aus.“

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