Düren/Luchem: So schön kann ein Gewässer sein...

Düren/Luchem: So schön kann ein Gewässer sein...

„Seid mal ganz, ganz leise und macht die Ohren weit auf. Und dann achtet jeder auf Geräusche!” Jeder der etwa zwei Dutzend „Wichtel” unter Leitung von Karin Hellmann hat sich im Hang des Wehebachs am Ortsausgang von Luchem vor der Autobahnbrücke ein ruhiges Plätzchen ausgesucht, spitzt die Ohren, wie es Claudia Goormann gefordert hat.

Und jeder zählt für sich, wie viele unterschiedliche Geräusche er wahrnimmt. Goormann leitet die Wasserschule des Wasserverbandes Eifel-Rur (WVER) und hat die „Gewässerkiste” im Gepäck. Deren Inhalt wird den Vier- bis Sechsjährigen dabei helfen, den Lebewesen im Wehebach auf die Spur zu kommen.

Im Merzenicher Kindergarten hatte Karin Hellmann die „Wichtel” zuvor mit den vier Elementen vertraut gemacht. „Mit Wasser haben wir angefangen, Erde und Kohle von Rheinbraun bekommen.”

Claudia Goormann hat die „Gewässerkiste” für Kindergärten und Grundschulen zusammengestellt - zur Vorbereitung auf ihre Bachführungen. Inhalt neben Fachbüchern und Spielanleitungen: Thermometer, Senkblei, Bälle, Lupe, Kescher, Pinsel und vieles mehr. „Fast alles recht einfache Materialien, die sich jeder zu Hause auch selber machen kann”, sagt die „Lehrerin”

„Na, was habt ihr denn außer dem Bachwasser noch gehört”, will Goormann von den Kleinen wissen. „Vögel. Und Wind in den Blättern der Bäume.” Auf Fahrzeuggeräusche von der nahen Autobahn und der Landstraße haben die Kinder überhaupt nicht geachtet.

Schon schnappt sich Claudia Goormann das Senkblei aus der Kiste. „Was mache ich damit?” Allgemeines Schulterzucken. „Damit bestimme ich die Wassertiefe.” Dann hält sie das Thermometer in den Wehebach. „13 Grad.” Wahrlich nicht zum Baden...

Als nächstes das Experiment mit den Bällen: Anna setzt einen rechts, Claudia den anderen links auf eine Wasserkrone. Sofort schwimmen sie davon. Dabei lässt der Rechte den Linken schnell hinter sich. „Wisst ihr warum”, will Claudia Goormann wissen. „Richtig: Weil die Strömung da stärker ist. Außerdem ist das Wasser da seichter, und es sind dort mehr Steine im Weg.”

„Gibt es hier denn Wale und Krokodile”, leitet Claudia Goormann zum Thema Lebewesen über. „Nein, nur kleine Tiere. Fische und vielleicht Frösche”, vermuten die Kinder. „Und wie atmen Fische? Im Wasser gibt´s doch gar keine Luft.” „Die haben doch Kiemen”, belehren die Kleinen die „Lehrerin”.

Und dann wird´s richtig ernst: Jeder „Wichtel” schnappt sich ein Gefäß, denn nun sollen die Lebewesen im Wehebach entdeckt und bestimmt werden. „Wo können denn Tiere sein”, fragt Claudia Goormann, als sie merkt, dass die Kleinen ziemlich ratlos in ihren Stiefeln durch den Bach waten. Keinen blassen Schimmer...

„Hebt mal ein paar Steine hoch”, gibt Goormann einen Tipp. Gesagt - getan. Mit dem Pinsel streifen die Kinder anschließend auf Anhieb einige Tiere ab, andere den Dreck, um darin dann nach Lebewesen zu fahnden.

Dann kommen Lupe und Bildtafeln zum Einsatz, um zu bestimmen, um welche Tiere es sich handelt. Und so staunen die Kleinen nicht schlecht, als sie bald Fliegen, Larven, Mücken und einen Bachflohkrebs erkennen. Und im Dreck hat sich eine Köcherfliegenlarve versteckt...

Zum Schluss wird auch noch das „Gewässerrad” ausprobiert. „Damit will ich euch zeigen, wie man aus Wasser Energie gewinnen kann”, hält Claudia Goormann die Kinder auch nach fast zwei Stunden locker bei der Stange. Zwischendurch lässt sie noch ein wenig von der Bedeutung des Wassers für die Dürener Industrie einfließen...

Claudia Goormann: „Viele Kinder verbringen ihre Freizeit vor dem Fernseher oder am Computer. Sie spielen nicht mehr am Bach vor der Haustüre, erleben die Natur nicht mehr hautnah durch eigenes Erforschen und Entdecken. Natur kennen sie fast nur noch durch visuelle und virtuelle Informanten. Meine Gewässerkiste soll Lehrern wieder Mut machen, mit ihren Schülern raus zu gehen und gemeinsam zu forschen.”

Wer nicht wisse, wie schön ein Gewässer sein kann, werde auch kaum die Notwendigkeit erkennen, etwas für das Wasser als Lebensspender und -symbol zu tun.”

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