Düren: Skelette und Mauerreste unter dem Parkplatz der Marienkirche gefunden

Düren: Skelette und Mauerreste unter dem Parkplatz der Marienkirche gefunden

„Vielleicht ist einem der Bauarbeiter ein Bierkrug hingefallen, und er hat die Scherbe dann einfach mit in die Wand gemauert. Uns jedenfalls hilft sie, die Mauer, die wir freigelegt haben, als mittelalterliche Mauer zu identifizieren“, erzählt der Archäologe Dr. Andreas Vieten. Denn der gewellte Fuß des Kruges lasse sich der Siegburger Keramik des 16. Jahrhunderts zuordnen.

In Vietens Metier spielen Zufälle und Glück eine große Rolle. Gefunden hat Vieten die Scherbe gegenüber von der Gaststätte „Zum Franziskaner“ an der Victor-Gollancz-Straße. Dort will die Kirche laut Pfarrer Hans-Otto von Danwitz einen Parkplatz bauen — vorher wurde das Areal bis zu einer Tiefe von 50 Zentimetern untersucht.

Welche Räume die mittelalterlichen Mauern hinter der heutigen Marienkirche umgeben haben, erzählt die Scherbe leider nicht. Aber Archäologen sind es gewohnt, nicht jede Geschichte sofort vollenden zu können. Viele Dürener haben ihnen Pläne und Fotos gebracht, die bei der Puzzlearbeit helfen.

Wie erwartet, hat das Grabungsteam Mauern der Kirche des alten Franziskanerklosters freigelegt. Dort, wo heute die Marienkirche steht, gab es bereits seit 1459 ein Gotteshaus, die Franziskaner gründeten dort ihrerzeit ein Kloster. Der Kreuzweg befand sich auf dem heutigen Hoesch-Parkplatz.

Straßennamen voller Geschichte

Das Kloster wurde der Heiligen Maria Magdalena von Bethanien geweiht, die damit auch die Namensgeberin der anliegenden Straße „In Bethanien“ ist. Zwischen Kirche und Peschschule erinnert die „Franziskanerstraße“ noch heute an das Kloster.

Zu dem Kloster gehörten auch zwei Friedhöfe. Einen haben die Experten nun hinter der Marienkirche entdeckt. Das beweisen die Funde von zwei Schädeln und einem Armknochen, die überwiegend am Fundort verbleiben. Der zweite Friedhof müsste unter dem Hoesch-Parkplatz liegen. Knochen sind aber nur noch dort zu finden, wo in späterer Zeit keine unterkellerten Gebäude errichtet wurden.

Neben der Apsis haben die Altertumsforscher einen Anbau freigelegt. „Viele sagen, das sei die Sakristei gewesen“, erklärt Vieten. Aber in keinem Plan finde sich dafür ein Beleg. Noch so eine unvollendete Geschichte also. Bekannt ist, dass das Kloster und die Kirche 1533 bei einem Brand zerstört, dann aber wieder neu aufgebaut wurden. 1831 wurde aus der Klosterkirche die Pfarrkirche St. Marien, die nach dem Luftangriff auf Düren 1944 in Trümmern lag. Und auch von dieser Zerstörung finden sich Spuren in den freigelegten Gemäuern der neueren Zeit.

Bei den Grabungen entdeckte das Team auch alte Gewölbekeller aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Die Bauweise mancher Teile lässt laut Vieten auf ärmliche Bedingungen schließen. Eine Öffnung in einer Mauer deute auf einen Schacht hin, durch den Kohle in einen Keller geschüttet worden sein könnte. Es könnte sich bei den Mauern um Wirtschaftsgebäude des Krankenhauses handeln, dass 1862 im aufgegebenen Klostergebäude eingerichtet und 1944 zerstört wurde.

Funde mit Vlies schützen

Der Archäologe hatte gehofft, vielleicht auch den Sockel eines Kreuzes zu finden, das auf Zeichnungen von Wenzel Hollar zu sehen ist, der im Jahr 1634 den ersten vollständigen Plan der Stadt Düren zeichnete. „Leider konnten wir diesen nicht entdecken“, sagt Vieten.

Bevor der Platz nun zum Parkplatz wird, sollen die historischen Funde mit einem Vlies geschützt werden, damit sie unter dem Parkplatz erhalten bleiben.

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