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Maskenpflicht zum Schulstart: Sinnvoll, aber auch psychisch belastend

Maskenpflicht zum Schulstart : Sinnvoll, aber auch psychisch belastend

Noch zwei Tage, und in Nordrhein-Westfalen enden die Sommerferien, und die Schulen kehren zum Regelbetrieb zurück. Aber kann das wirklich funktionieren? Und kann es überhaupt so etwas wie „normalen Schulbetrieb“ geben, wenn überall im Schulgebäude, auch während des Unterrichts, Gesichtsmasken getragen werden müssen?

Dr. Werner Hickel, Schulleiter des Dürener Rurtal-Gymnasiums, bringt es auf den Punkt: „Meine Kollegen und ich freuen uns sehr auf den Schulstart. Auch wenn der Verlauf des nun beginnenden Schuljahres aufgrund der Pandemie noch nicht absehbar und das durchgehende Tragen eines Mund-Nase-Schutzes ungewohnt und mitunter auch beschwerlich sein wird, ist es zunächst einfach schön, unsere Schüler – selbstverständlich unter Einhaltung sämtlicher Hygieneregeln – wieder in der Schule begrüßen zu können.“

„Wir fahren auf Sicht“, sagt Dirk Sieven, stellvertretender Leiter des Franziskus-Gymnasiums in Vossenack. Grundsätzlich sei das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes sicher notwendig und sinnvoll. „Aber wir machen uns schon Sorgen, ob unsere Schüler das sechs Stunden durchhalten.“ Es gäbe viele Anrufe von Eltern, die wissen wollten, ob ein Plastik-Gesichtsschild ausreichend sei. „Das ist es aber natürlich nicht.“ Die Verantwortlichen des Franziskus-Gymnasiums versuchen, möglichst viel Unterricht im Freien stattfinden zu lassen. Normalen Sportunterricht wird es nicht geben, weil Turn- und Schwimmhallen weiterhin geschlossen sind. Was dem stellvertretenden Schulleiter Sorge bereitet, ist der Busverkehr zur Schule. „Die Busse sind sehr voll und es gibt auch nur jeweils einen Bus morgens und mittags. Daran können wir leider nichts ändern.“

An der St.-Angela-Schule in Düren finden die Einschulungsfeiern der neuen Fünftklässler am Mittwoch in sehr abgespeckter Form im Park statt. „Das hat sich bei den Entlassfeiern bewährt“, sagt Schulleiter Olaf Windeln. „Aber natürlich ist es schade, dass es nur kleine Feiern geben kann.“ Auch Sport- und Musikunterricht wird an der Angela-Schule im Freien stattfinden. „Wir werden auch mehr Pausen machen als normalerweise“, ergänzt Windeln. „Sonst wird die Maskenpflicht für die Kinder unerträglich.“ Windeln ist froh, dass es ab Mittwoch zumindest Ansätze eines normalen Schulbetriebs geben wird. „Mir machen aber die steigenden Infektionszahlen große Sorgen“, sagt er. „Und am meisten Angst habe ich vor einem erneuten Lockdown.“

Auch Dr. Arno Schneider, Leiter des Dürener Burgau-Gymnasiums, hält die Maskenpflicht für problematisch. „Was das psychisch mit den Schülern macht, können wir heute nur ahnen. Normaler Schulunterricht wird kaum möglich sein.“ Trotzdem spürt Schneider bei seinen Kollegen viele Energien. „Wir arbeiten an einem Konzept, um die infolge von Corona beeinträchtigte Vermittlung von Inhalten nachzuholen und ein Stück Normalität in den Unterricht zurückzuholen.“

Christian Häntsch, Leiter der Goltstein-Schule in Inden, ist dagegen erleichtert, dass eine Maskenpflicht  an den Schulen durchgesetzt wird. „Ich bin heilfroh, dass endlich eine Entscheidung getroffen wurde, die für alle Beteiligten gilt“, sagt er. Dass er dies aus einer großen emotionalen Belastung heraus sagt, wird schnell deutlich, als er den Tod des Mannes einer Kollegin erwähnt, der auf die Folgen von Covid-19 zurückzuführen sei. „Wir können nicht einfach weitermachen, als ob das Coronavirus nicht existiert. Wir müssen auf die Gesundheit aller Beteiligten achten.“ Weil Schule nun mal ein System darstelle, in dem viele Menschen „aufeinander knallen“ und sich nicht unbedingt vorher absehen lasse, wie sich die Lage entwickele, müsse für den Schutz gesorgt sein.

Abgesehen von der Mund- und Nasenmaske, die im Unterricht getragen werden muss, werden die Corona-Schutzmaßnahmen auch in anderer Form spürbar. Eine Durchmischung der Klassen soll vermieden werden, ebenso werden die Pausen in unterschiedlichen Schichten durchgeführt. Trotz allem kann die Hauptschule eine Eingangsklasse empfangen. Es wird für jeden eine süße Begrüßung geben – Infomaterial und eine kleine Tüte mit einem Sandbrötchen.

Auch Christiane Clemens, Schulleiterin des Mädchengymnasiums in Jülich, freut sich auf das kommende Schuljahr: „Es ist schön, wenn die Schule wieder anfängt zu leben.“ Die letzten Tage der Ferien waren geprägt von großer Vorbereitung. So wurden Genehmigungen des Gesundheitsamts, um den Mittagstisch zu organisieren, eingeholt, Stundenpläne erstellt und für jede Stufe ein eigener Pausenhofbereich eingerichtet. Außerdem gibt es verschiedene Eingänge in die Schule, sodass man sich nicht begegnen müsse. Die Vorgaben des Schulministeriums seien die „Grundlage für das Feintuning“ gewesen, beschreibt Clemens, die sich von der Landesregierung gut unterstützt fühlt.

So wurde das bisher verfolgte Einbahnstraßenprinzip verworfen und dagegen eingetauscht, stets auf der rechten Seite der Flure zu laufen. „Wir hatten das Maskentragen bereits vor den Ferien auf den Gängen eingeführt“. Die Entscheidung das Tragen der Maske verpflichtend zu regeln, sei deshalb keine allzu große Umstellung. Eine Begrüßungsfeier für die Fünftklässlerinnen fällt hingegen aus. Stattdessen werden die drei neuen Klassen versetzt von ihren jeweiligen Klassenlehrerinnen begrüßt.