Düren: Sicherheit im Straßenverkehr: Herr Kommissar leistet bühnenreife Arbeit

Düren: Sicherheit im Straßenverkehr: Herr Kommissar leistet bühnenreife Arbeit

Willi Schmitz ist ein Polizist wie aus dem Bilderbuch. Zu seinem Schnauzbart trägt er demonstrative Gelassenheit zur Schau, er spricht lupenreines Platt und geizt nicht mit Lebensweisheiten, die er unters Volk bringt.

„Keine Bewegung ohne Verpflegung“ lautet beispielsweise ein Spruch, den er sich genüsslich auf der Zunge zergehen lässt, bevor er sich seinem nächsten Lieblingsthema widmet: der Zubereitung eines schönen, zweiten Frühstücks. Willi Schmitz ist so etwas wie ein Kommissar-Klischee im Streifendienst. Doch bei aller Gemütlichkeit hat er einen ziemlich guten Draht zu Kindern. Und wenn es ums Thema Verkehrssicherheit geht, macht dem Polizisten niemand so schnell etwas vor. Wenn Willi Schmitz etwas sagt, hören alle zu. Es mag daran liegen, dass der Kommissar eine Handpuppe ist, die gerade bei kleinen Zuschauern der Verkehrspuppenbühne groß rauskommt.

Spielerischer Zugang

Willi Schmitz leistet bühnenreife Arbeit, zuletzt in der Echtzer Grundschule. Dort war die Verkehrspuppenbühne der Polizei zu Gast. Während Willi Schmitz und sein tierischer Begleiter — Hund „Wuschel“ — auf der Bühne die Erstklässler auf spielerische Art und Weise über die Gefahren im Straßenverkehr informierten, hatten auch die Hauptkommissare Uli Braun und Walter Kurth ihre Finger im Spiel. Die beiden Polizisten sind es schließlich, die die Figuren zum Leben erwecken. Auch das 45-minütige Stück haben sie selbst geschrieben. Als die Uniformen von „grün“ auf „blau“ umgestellt wurden, hat Walter Kurth eine Nähmaschine mit auf die Dienststelle geschleppt — und Willi Schmitz eine neue Uniform verpasst. Hose, Jacke, Mütze: Alles ist in Handarbeit entstanden. Für die Konfektionsgröße des Kollegen war in der Kleiderkammer nichts vorhanden. Aber ein Aushängeschild der Polizei muss schließlich auch korrekt gekleidet sein.

„Unser Kollege Schmitz ist einer der ersten Kontakte, den Kinder mit den Angeboten der Verkehrssicherheitsberatung haben“, erklärt Uli Braun. Von Vorschulkindern bis hin zu Senioren bietet die Verkehrssicherheitsberatung der Polizei viele Angebote und Kurse an, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen (Infokasten) und das Bewusstsein für Gefahren im Straßenverkehr zu schärfen. Jede Aktion ist dabei auf eine Ziel- und Altersgruppe zugeschnitten. „Wie in einem Uhrwerk greifen viele Zahnräder ineinander“, erklärt Hauptkommissar Reiner Fallkowski von der Verkehrssicherheitsberatung das Präventionskonzept. Die Verkehrspuppenbühne ist nur ein kleines, aber ein wichtiges Zahnrad. Dass die Kinder dabei Spaß haben, mitlachen und „Wuschel“ mit lauten Rufen davon abhalten, einfach auf die Straße zu laufen, ist Teil des Konzepts. Willi Schmitz ist ein Polizist, der nicht den Zeigefinger erhebt. Er setzt auf Überzeugungsarbeit — und seinen Charme.

Während die Beamten im Frühling und im Sommer an Schulen die Radfahrausbildung begleiten, ist in der dunklen Jahreszeit die Puppenbühne in den Grundschulen auf Tournee. Alle Erstklässer im Kreisgebiet lernen Willi Schmitz und seine Kollegen kennen — und oft auch schätzen. „Wir haben es bislang immer geschafft, dass uns die Kinder zuschauen“, sagt Walter Kurth und lacht. Die Polizei-Puppen schaffen es, Zuschauer auf eine sehr emotionale Weise anzusprechen — und die Kinder werden Teil des Geschehens, lernen wichtige Regeln kennen. Brauchen Fahrradfahrer einen Helm? Was muss man beachten, wenn man über die Straße geht? Wieso gibt es Ampeln? Willi Schmitz kennt die Antworten — und verrät sie gerne.

Die Arbeit mit den Puppen ist für Uli Braun und Walter Kurth Alltag — und dennoch nicht alltäglich. Seit vielen Jahren schon sind sie unterwegs, ihr Handwerk haben sie bei einem speziellen Lehrgang gelernt. Puppenspiel ist schließlich kein Kinderspiel.

Ebenfalls auf dem Spielplan der Verkehrssicherheitsberatung steht das sogenannte Bordsteintraining, bei dem Kinder auf die Teilnahme am Straßenverkehr vorbereitet werden. Ansprechpartner ist stets der Bezirkspolizist, der bei Terminen Unterstützung von seinen Kollegen der Verkehrssicherheitsberatung bekommt. „Viele Kinder kennen den Straßenverkehr vor allem als Mitfahrer im Auto“, weiß Reiner Fallkowski. Als Fußgänger ändere sich aber nicht nur die Perspektive. Die Polizisten bieten auch Elternabende an Kindergärten und Schulen an, um beispielsweise über den sicheren Schulweg und den Umgang mit Kindersitzen zu informieren. „Gerade die Eltern sind als Vorbild gefragt“, sagt Reiner Fallkowski. Drei Mal im Jahr komme vielleicht die Polizei zu Besuch, an 220 Tagen sind Erzieher und Lehrer Ansprechpartner, doch an 365 Tagen im Jahr haben die Eltern maßgeblichen Einfluss auf das Verhalten der Kinder, rechnet er vor.

Das Engagement der Polizei setzt sich über die Radfahrausbildung und Mofa-Kurse bis hin zu Angeboten für junge Motorrad- und Autofahrer fort. „Wir reagieren auch auf Entwicklungen“, erklärt Reiner Fallkowski. Als die Unfälle mit E-Bikes zunehmen, entwickelte die Verkehrssicherheitsberatung Kurse und Infoabende. Für neue Motorradfahrer und Wiedereinsteiger gibt es ebenfalls Angebote. Auch die Demografie haben die Polizisten im Blick: Ein Fahrsicherheitstraining für Senioren erfreut sich großer Beliebtheit. Wie bei den Vorstellungen der Puppenbühne bleibt kaum ein Platz frei.

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