Düren: Sicherheit im Netz: Schülerinnen lassen sich zu „Smart-Usern“ ausbilden

Düren: Sicherheit im Netz: Schülerinnen lassen sich zu „Smart-Usern“ ausbilden

Emma ist zehn Jahre alt und schreibt schon seit einiger Zeit auf WhatsApp mit einem 17-jährigen Jungen. Der Junge schreibt immer häufiger und möchte unbedingt, dass Emma ihm ein Foto schickt. Emma fühlt sich regelrecht bedrängt, sie hat Angst vor ihrem Chat-Partner. Sie will keine Nachrichten mehr von ihm bekommen, hat aber keine Ahnung, was sie tun kann.

Emma und die Geschichte mit dem 17-jährigen Jungen auf WhatsApp sind völlig frei erfunden, aber mit ganz ähnlichen Problemen haben Luzy Magdalena Hilger (13) und die anderen „Smart User“ der Dürener Angela-Schule regelmäßig zu tun. In jedem Schuljahr können sich Schülerinnen der achten Klasse melden, um an der dreitägigen Ausbildung, die auch am Wochenende stattfindet, teilzunehmen. „Smart User“ (siehe Themeninfo) ist ein Programm, das sich gezielt mit Anmache im Internet auseinandersetzt. „Es ist überhaupt nicht witzig, wenn jemand im Netz bedroht, beleidigt und angemacht wird“, sagt Lena Blumenthal (14). „Wir wollen den Kleineren klar machen, dass es mutig ist, wenn man in so einem Fall für sich und andere Hilfe holt. Mit Petzen hat das absolut nichts zu tun.“

Mechtild Bölting ist pädagogische Mitarbeiterin der St.-Angela-Schule in Düren. Foto: Sandra Kinkel

Lena und die anderen „Smart User“ haben sich und ihre Arbeit in allen fünften Klassen der Schule vorgestellt. „Manchmal“, sagt Katharina Schwartz (14), „ist es einfacher, mit anderen Jugendlichen zu sprechen als mit Eltern oder Lehrern.“

Wenn Eltern erfahren würden, dass man bei Facebook oder auf WhatsApp regelmäßig mit älteren Jungs chatten würde, würde das in den meisten Fällen Ärger bedeuten. „Bei uns“, sagt Katharina, „stoßen die Kinder zunächst einmal auf offene Ohren. Wir verurteilen niemanden, wir versuchen nur zu helfen.“

Betreut wird das Projekt von Mechtild Bölting, der pädagogischen Mitarbeiterin der Schule. „Es ist schwer zu sagen, ob in Zeiten von Internet und Smartphone mehr gemobbt wird als früher“, sagt sie. „Tatsache ist aber, dass Mobbing im Internet viel offensichtlicher ist. Und es hat eine stärkere Wirkung, weil viel mehr Jugendliche es mitbekommen.“

„WhatsApp-Gruppen“, ergänzt Katharina, „sind ein großes Problem.“ In den meisten Klassen gäbe es mehrere solcher Gruppen. „Manchmal bilden sich sogar WhatsApp-Gruppen, die sich gezielt gegen eine Person richten“, erzählt die Schülerin. „Deswegen versuchen wir, mit den Fünft-Klässlern auch feste WhatsApp-Regeln zu erarbeiten.“ Darin steht zum Beispiel, dass zwischen 21 Uhr abends und sieben Uhr morgens keine „WhatsApp“-Nachrichten geschickt werden sollen und man sich nicht im Chat streiten soll.

„Ein großes Thema“, sagt Sindiss Jaafary (15), „sind auch Kettenbriefe, die immer wieder in Umlauf geraten. Darin wird den Kindern sogar gedroht, dass sie umgebracht werden, wenn sie die Briefe nicht weiterschicken. Und die Mädchen haben dann richtige Angst.“ Angst, die dazu führt, dass die Briefe eben doch weitergeschickt werden. „Und das“, sagt Katharina, „soll man auf keinen Fall tun. Wenn man selbst schon Angst hat, soll man doch nicht auch noch anderen Kindern Angst machen, indem man den Brief weiter verteilt.“

Gut, wenn man sich auskennt

Sindiss und den anderen „Smart Usern“ macht die Arbeit jede Menge Spaß. „Es ist schön“, sagt Lizy, „wenn man jüngeren Schülern etwas erklären kann. Ich bin aber auch selbst an dem Thema interessiert. Nur, weil man vielleicht schon 14 Jahre alt ist, heißt das ja nicht, dass man im Netz nicht mehr angemacht wird. Und da ist es auf jeden Fall gut, wenn man sich auskennt.“

Übrigens stellen die „Smart User“ ihre Arbeit beim Elternabend an ihrer Schule vor, auch beim „Girl‘s Day“ haben sie über das Projekt informiert.

Und auch Emma, die Probleme mit ihrem 17-jährigen Chat-Partner hat, könnten sie helfen. „Wichtig ist“, sagt Sophia Leyens (15), „den anderen sofort zu blockieren, damit er einem keine Nachrichten mehr schicken kann.“ Und Dana Zeyß ergänzt: „Fotos sollte man Leuten, die man nicht kennt, nie schicken. Und wenn man sich mit einem Chat-Partner treffen will, sollte man zu dem Termin nie alleine gehen. Auf keinen Fall.“