Düren: Sexueller Übergriff auf junge Frau bleibt ungesühnt

Düren : Sexueller Übergriff auf junge Frau bleibt ungesühnt

Über ein Jahr lang musste ein 46 Jahre alter Mann aus Nideggen mit einer schweren Anschuldigung leben. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn wegen sexueller Nötigung angeklagt. Am 3. Juni 2014 war eine inzwischen 22-jährige Frau am helllichten Tag sexuell belästigt worden.

Im Netz der Ermittler blieb der 46-Jährige hängen, weil er mit dem Phantombild „gewisse Ähnlichkeiten“ hatte. Das 22-jährige Opfer der sexuellen Belästigung entlastete den Angeklagten aber im Gerichtssaal. Sie sei überzeugt, den wirklichen Täter bei einer Gegenüberstellung wieder zu erkennen.

Die 22-Jährige war als Fußgängerin in Richtung Bahnhof unterwegs, weil sie ihren Pkw auf einem Parkplatz an der Lagerstraße abgestellt hatte. Einige Hundert Meter wurde sie von einem unbekannten Mann verfolgt, der sie kurz vor Erreichen ihres Wagens von hinten packte, ihr einen Arm um den Hals legte, ihr mit der anderen Hand in die Schamgegend griff und sie offenbar in ein Gebüsch ziehen wollte. Die junge Frau wehrte sich jedoch heftig und schrie um Hilfe, so dass der Täter flüchtete. Zuvor hatte sie jedoch sein Gesicht mit zahlreichen kleinen Narben sehen können, so dass sie ein paar Tage später wichtige Hinweise zur Herstellung des Phantombildes geben konnte.

Nach Veröffentlichung dieses Fotos gab es mehrere Hinweise, nach denen auch der jetzige Angeklagte als Tatverdächtiger infrage kam. Der psychisch angeschlagene Mann, der wegen Depressionen seit 2012 berufsunfähig ist, war darüber so verzweifelt, dass er mit Suizid drohte und vorübergehend in die LVR-Klinik eingewiesen wurde. Nach seiner Entlassung rekonstruierte er seinen eigenen Tagesablauf am fraglichen Tag. So konnte er beweisen, dass er gegen 11 Uhr beim Straßenverkehrsamt ein Fahrzeug abgemeldet hatte und gegen 13 Uhr wieder in Nideggen war. Der Mann beteuerte, weder zu Fuß noch mit dem Auto in der Dürener Innenstadt gewesen zu sein. Vor Gericht blieb offen, ob die Polizei damals den entlastenden Hinweisen nachgegangen war.

Das Gericht unter Vorsitz von Richterin Christine Pinkpank sprach den 46-Jährigen frei, weil er offenbar Opfer einer Verwechslung geworden ist. Dieses Urteil entsprach im Übrigen den Plädoyers der Staatsanwältin und des Verteidigers.

(hp)