Jahresbericht des Vereins „basta!“: Sexuelle Gewalt im Internet nimmt deutlich zu

Jahresbericht des Vereins „basta!“ : Sexuelle Gewalt im Internet nimmt deutlich zu

„Wir gehen davon aus“, sagt Irene Lüttgen, „dass es in jeder Schulklasse im Schnitt zwei Kinder gibt, die schon einmal unmittelbar mit dem Thema sexuelle Gewalt konfrontiert waren.“ Lüttgen ist von Beruf Lehrerin und engagiert sich seit vielen Jahren im Vorstand des Vereins „basta! – gegen sexuellen Missbrauch an Jungen und Mädchen“.

Der Verein wurde vor 27 Jahren gegründet und hat seitdem nichts an Aktualität und Relevanz verloren. „Das Thema sexueller Missbrauch“, sagt Vorstandsmitglied Mechtild Bölting, „hat sich zunehmend in die digitale Welt verlagert. Es komme beispielsweise immer häufiger vor, dass im Internet freizügige Bilder verschickt würden. Bölting: „Cybermobbing mittels sexueller Inhalte ist mittlerweile ein sehr häufiges Thema.

Es gibt Studien, die belegen, dass alle Jugendlichen in Klasse acht schon einmal Erfahrungen mit sexueller Gewalt im Internet gemacht haben. Das ist erschreckend.“ Besonders wichtig ist der „basta!“-Vorstandsfrau in dem Zusammenhang, dass sexueller Missbrauch im Internet sexuellem Missbrauch im Allgemeinen rechtlich unbedingt gleichzusetzen sei. Bölting: „Da darf es keinen Unterschied geben.

Die Folgen für die Opfer sind bei Beidem verheerend.“ Oft seien die Reaktionen auf sexuelle Übergriffe im Netz erst Monate später erkennbar, ergänzt Bölting. „Die Jugendlichen bekommen Alpträume und Angstzustände, schulische Leistungen lassen rapide nach. Und wie sich das Erlebte am Ende auf die eigene Sexualität der Jugendlichen auswirkt, wird sowieso erst Jahre später deutlich.“

Aufklärungsarbeit

Und wo genau setzt die Arbeit von „basta!“ an? Der Verein bietet regelmäßige Elternabende sowie Fortbildungen für Pädagogen an und bietet Präventionsangebote in Kindergärten Schulen sowie für Menschen mit Behinderungen an. Darüber hinaus gibt es regelmäßig Selbstbehauptungskurse für Kinder und Jugendliche und Theaterstücke, die sich mit dem schwierigen Thema auseinandersetzen. „Das Theater ist für unser Anliegen ein sehr gutes Medium“, sagt Claire Drube, dritte „basta!“-Vorstandsfrau. Die Kinder und Jugendlichen seien sehr offen und aufmerksam.

Drube: „Und sie kommen in der Regel wirklich gut mit den Schauspielern ins Gespräch und stellen gute, offene Fragen.“ Außerdem seien die Lehrer eingebunden und würden auf diese Weise auch noch mehr für das wichtige Thema sensibilisiert. „Zu guter Letzt“, ergänzt Drube, „können wir mit dem Theater sehr viel Jugendliche erreichen.“ Im vergangenen Jahr hat der Verein rund 1000 junge Menschen im gesamten Kreis Düren informiert. Dabei geht es beispielsweise um Fragen nach dem Recht am eigenen Bild, aber auch daran, wie man sich auch im Internet gegen Übergriffe wehren kann.

Darüber hinaus hat „basta!“ mittlerweile ein großes Netzwerk an Beratungsstellen, mit den Jugendämtern und Schulen aufgebaut. Mechtild Bölting: „Außerdem haben wir ein Beratungstelefon eingerichtet, dass rund um die Uhr besetzt ist.“ Im Schnitt gäbe es zwei Anrufe im Monat. „Das klingt erst einmal nicht viel“, sagt Bölting. „Aber fast immer rufen die Leute dann an, wenn andere Beratungsstellen geschlossen sind, die Not sehr akut ist und die Menschen dringend Hilfe brauchen. Und die bekommen sie dann bei uns auch.“

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