Merzenich/Niederzier: Seniorenbeauftragte: Im Einsatz gegen die Einsamkeit

Merzenich/Niederzier: Seniorenbeauftragte: Im Einsatz gegen die Einsamkeit

In Merzenich und Niederzier gibt es schon, was Dürener Politiker sich für ihre Stadt noch wünschen: Seniorenbeauftragte. Sie kümmern sich um die Belange der der älteren und immer älter werdenden Menschen. „Der demografische Wandel ist eine der Hauptaufgaben der Zukunft“, sagt Michael Staab, der Seniorenbeauftragte von Merzenich, der vorher viele Jahre mit Jugendlichen gearbeitet hat.

Heute widmet er 75 Prozent seiner Arbeitszeit der älteren Generation. Im Grunde genommen liegen Jugendsozialarbeit und Seniorenarbeit gar nicht so weit auseinander: Es geht darum, sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeiten zu bieten, Ressourcen zu aktivieren, Gemeinschaft zu fördern, Spaß zu haben und ein Netz zu weben, das Menschen in schwierigen Situationen auffangen kann.

In Niederzier hat man sich schon 2006 auf Anregung des damaligen Bürgermeisters Hartmut Nimmerrichter für diesen Weg entschieden und einen Verein für Seniorenarbeit gegründet. „Den Ruhestand sehen viele Menschen heute als Chance, das Leben neu zu gestalten. Die Rentner von heute wollen aktiv sein, viele wollen sich einbringen“, weiß Eva Jaek.

Die Seniorenbeauftragte ist so etwas wie das Bindeglied zwischen dem Verein und der Verwaltung und steht den ehrenamtlich arbeitenden Senioren mit Rat und Tat zur Seite. In Merzenich sind die Aufgaben von Michael Staab ähnlich gelagert, einen Verein gibt es dort aber nicht. Die Senioren haben sich zur „Freizeitgemeinschaft 55+“ zusammengeschlossen.

Über die Seniorenarbeit sollen in den Gemeinden Netzwerke entstehen. „Solche, die auch dann greifen, wenn es einem Menschen mal nicht so gut geht“, erklärt Michael Staab. „Wir wollen so Alterseinsamkeit vorbeugen und entgegenwirken“, ergänzt seine Kollegin Eva Jaek. Und dieses Ziel ist in der Nachbargemeinde vergleichbar.

„Viele Beziehungen verlaufen sich im Alter. Manche Menschen sind weniger in Vereinen aktiv, die Kinder sind weggezogen. Vielleicht ist die Partnerschaft zerbrochen oder der Ehepartner verstorben“, zeichnet Michael Staab ein mögliches Bild. In der Gemeinschaft entwickele sich gegenseitige Verantwortung und wenn es jemandem schlecht gehe, werde das schnell registriert.

Ziel seiner Seniorenarbeit ist es, „einen zwanglosen Raum“ zu schaffen und Angebote für eine aktive Freizeitgestaltung. Zwanglos sollte der Raum sein, um den Bedürfnissen zu entsprechen. „Viele ältere Menschen wollen sich nicht verpflichten“, weiß Staab. Verpflichtungen hätten schließlich schon weite Teile des Lebens geprägt.

Die Gruppen sind bunt gemischt: Alteingesessene und Zugezogene, Männer, Frauen, Singles, Paare, verwitwete Personen. Manche Menschen fühlen mit sich 70 noch „zu jung“, um sich einer Gruppe anzuschließen. Andere fühlen sich dort schon früher wohl. „Wichtig ist es, früh anzufangen, sich ein soziales Netzwerk aufzubauen“, sagt Staab. Es bleibt den Menschen überlassen, ob sie Angebote wahrnehmen oder aktiv mitmachen.

Es gibt Angebote für die, die noch fit sind, und ruhigere Aktionen. Die Seniorenbeauftragten sind aber keine Animateure. Die Ideen kommen meist von den Senioren. So haben in Merzenich einige Senioren begonnen, Internet- und Computerkurse anzubieten. Ausflüge, Wanderungen, Spieletreff, Radtouren, Theaterbesuche und anderes mehr stehen regelmäßig auf dem Programm.

Auch in Niederzier ist die Bandbreite groß, reicht von Klöppeln über Sport bis hin zu Generationsübergreifenden Aktionen. „Damit wollen wir Grenzen zwischen den Menschen abbauen“, erklärt Eva Jaek. Und indem frühzeitig Verbindungen geschaffen werden, sollen Toleranz und Akzeptanz auf- und Vorurteile abgebaut werden.

Wichtig sei es für Seniorenbeauftragte, auch zwischen den Zeilen lesen zu können. Eva Jaek spricht von vielen „Kleinigkeiten“, die sich bei engem Kontakt leichter regeln lassen.

Angebote für Feiertage

„Ich denke, dass eine solche Arbeit in vielen Orten an Bedeutung gewinnt. Künftig ist es vielleicht nicht mehr nur in den Großstädten angebracht, auch Angebote für Feiertage zu schaffen“, sagt Eva Jaek. Sie kann sich gut vorstellen, dass vergleichbar mit der Jugendarbeit, die „aufsuchende Seniorenarbeit“ an Bedeutung gewinnt. „Vor allem dort, wo die Nachbarschaftshilfe nicht mehr funktioniert.“ Auch in der Ausbildung von Sozialarbeitern müsste die Seniorenarbeit künftig eine größere Rolle spielen.

Viele Probleme werden bei den Aktionen mit den Sozialarbeitern ganz nebenbei besprochen. Krankheit und Tod zum Beispiel, aber auch finanzielle Herausforderungen mit kleinen Renten. Die älteren Bürger, aber auch deren Angehörige suchen immer wieder das Gespräch mit den Seniorenbeauftragten.

Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen werden thematisiert, aber auch die Wohnsituation im Alter, der eventuelle Umzug in ein Heim. Wo die Seniorenbeauftragten selbst nicht weiterhelfen können, wissen sie Kontakte zu entsprechenden Beratungsstellen zu vermitteln. „Es ist wichtig, Ansprechpartner vor Ort zu haben. So wird die Scheu, Kontakt aufzunehmen, gemindert“, ist Eva Jaek überzeugt.

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