Düren: Selbsthilfe als Quelle für Veränderungen

Düren: Selbsthilfe als Quelle für Veränderungen

Einer kaum bekannten Aufgabe gehen Kirstin Fuß-Wölbert und Jakob C. Terhaag als Ehrenamtler nach. Die beiden arbeiten in ihrer Freizeit als Patientenvertreter. Ihr Beruf beziehungsweise ihre Nähe zu Selbsthilfegruppen spielen dabei eine nicht unwesentliche Rolle.

Kirstin Fuß-Wölbert, 55 Jahre alt, arbeitet als hauptberufliche Fachkraft in der Selbsthilfekontaktstelle des Paritätischen in Düren.

Die Funktion der Patientenvertreterin übernimmt sie seit 2004 im Zulassungsausschuss. Berufen wurde sie vom Koordinierungsausschuss der insgesamt vier Organisationen — das sind der deutsche Behindertenrat, die Bundesarbeitsgemeinschaft der Patientenstellen, die Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen und der Bundesverband der Verbraucherzentralen —, in deren Verantwortlichkeit die Berufung liegt.

Zudem ist sie im gemeinsamen Bundesausschuss, Unterausschuss „Psychotherapie“ auf Bundesebene als sachkundige Bürgerin aktiv. Jakob C. Terhaag ist 61 Jahre alt und Eisenbahner im Ruhestand. Er ist als Patientenvertreter im Zulassungsausschuss seit 2013 tätig.

Im Zulassungsausschuss, der in der Regel einmal pro Monat in Köln tagt, geht es unter anderem um die Zulassung von Ärzten auf der Ebene des Regierungsbezirks Köln. Die Patientenvertreter haben eine beratende Funktion zu den sogenannten Sonderbedarfen und zu den „Ermächtigungen“ von Krankenhausärzten.

Fuß-Wölbert: „Als Beispiel für Sonderbedarfszulassungen: Im Kreis Düren gibt es 100 Internisten, und alle Stellen sind besetzt. Allerdings bemerken wir, dass fachgebietsbezogen weitere Stellen notwendig wären, etwa auf dem Gebiet der Rheumatologie.“ Diese Beobachtung geben Fuß-Wölbert und Terhaag weiter, nicht selten erwirken sie mit derartigen Beiträgen, dass zusätzliche Stellen geschaffen werden.

Bei Ermächtigungen erhalten Ärzte im Krankenhaus die Erlaubnis, ambulant auf diesem Gebiet zu behandeln. Diese Erlaubnis wird alle zwei Jahre geprüft. Rund 1200 Ärzte sämtlicher Fachrichtungen gibt es im Regierungsbezirk Köln, die an Kliniken arbeiten, aber auch ambulant Patienten versorgen dürfen. Als Patientenvertreter wirken im Regierungsbezirk Köln derzeit nur vier Personen mit, neben den beiden Dürenern ist es eine Person aus Hürth und eine aus Köln. Fuß-Wölbert: „Es wäre aber schön, wenn es mindestens doppelt so viele wären.“

Eine wichtige Quelle für Veränderungen und Verbesserungen im Gesundheitssystem stellen die Selbsthilfegruppen dar. Jakob C. Terhaag leitet die Selbsthilfegruppe Clusterkopfschmerz in Düren, Kirstin Fuß-Wölbert kann aufgrund ihrer hauptberuflichen Tätigkeit einen Einblick in sämtliche Selbsthilfegruppen werfen. Fuß-Wölbert: „In den Selbsthilfegruppen geht es immer auch um eine gewisse Unzufriedenheit.“ Aus dieser Unzufriedenheit entwickelt sich Kritik am System.

Das Beispiel fehlender Fachärzte ist nur eines von vielen. Im gemeinsamen Bundesausschuss geht es um die Anerkennung von Leistungen seitens der gesetzlichen Krankenkassen, etwa die Verordnung von Medikamenten, medizinischen Hilfsmitteln oder Psychotherapie. Terhaag: „So ging es vor einiger Zeit um die Zulassung eines bestimmten Geräts zur Nervenstimulation, das man bei Clusterkopfschmerz zu Hause selbst anwenden könnte.“

Nicht selten tritt diese spezielle Form des Kopfschmerzes in der Nacht auf, genau dann, wenn keine Arztpraxis geöffnet ist. Jakob C. Terhaag: „Wir konnten erfolgreich aufzeigen, dass das Gerät besser beim Patienten zu Hause aufgehoben ist als beim Arzt in der Praxis.“

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