Seit 55 Jahren als Nikolaus unterwegs

Als Nikolaus unterwegs : Konrad Schnitzler macht seit 55 Jahren Kinder glücklich

Konrad Schnitzler aus Winden macht seit 55 Jahren Kinder in der Weihnachtszeit glücklich. Er ist als Nikolaus unterwegs.

Eine Begebenheit wird Konrad Schnitzler vermutlich nie vergessen. „Mama und Papa vertragen sich nicht mehr. Deswegen wohnt die Mama auch nicht mehr hier“, hat einmal ein kleines Mädchen zu dem heute 80-jährigen Zimmermeister gesagt. „Das ist mir sehr nah gegangen“, sagt Schnitzler. „Und ich habe noch oft an dieses Kind gedacht.“

Konrad Schnitzler hat das kleine Mädchen getroffen, das sich so fest in sein Gedächtnis gebrannt hat, bei einem seiner zahlreichen Nikolausauftritte getroffen. Überhaupt sind es die unzähligen Begegnungen mit den Jungen und Mädchen, die den zweifachen Vater und Opa immer noch weitermachen lassen – obwohl er mittlerweile schwer krank ist. „Nikolaus zu sein“, sagt Schnitzler, „ist fast so etwas wie eine Berufung für mich. Und es ist mein allerschönstes Hobby. Ich hoffe, dass ich noch ein bisschen weitermachen kann.“

Dass Schnitzler Kinderaugen als Nikolaus zum Leuchten bringt, hat seinen Ursprung am Martinstag 1963. „Ich bin zum Martinsfeuer in Winden gegangen und habe dort meinen Vorgänger getroffen“, erzählt Schnitzler. „Das war Josef Plattes, von dem ich selbst als Kind als Nikolaus beschert worden bin. Als der mich gefragt hat, ob ich sein Nachfolger werden will, habe ich sofort Ja gesagt. Und es war die absolut richtige Entscheidung.“ Warum er nicht lange überlegen musste, das Amt des Nikolaus‘ zu übernehmen, weiß Schnitzler gar nicht mehr so richtig. „Ich glaube, mir war von Anfang an klar, dass das unglaublich viel Spaß macht.“

In den vergangenen fünfeinhalb Jahrzehnten war Schnitzler als Heiliger Mann in den Kitas in Winden und Üdingen unterwegs, bei diversen Vereinsweihnachtsfeiern und Weihnachtskonzerten, aber vor allem auch bei ungezählten privaten Nikolausfeiern. Wie oft er Jungen und Mädchen erstaunt und glücklich gemacht hat, hat er nie gezählt. „Ich weiß es wirklich nicht“, sagt er. „Aber es hat Jahre gegeben, da war ich im gesamten Kreis als Nikolaus gefragt. Sogar in der Jülicher Zuckerfabrik bin ich einmal aufgetreten.“ Wichtig war Schnitzler dabei, nie den religiösen Hintergrund von Weihnachten und dem Tag des Heiligen Nikolaus’ aus den Augen verlieren. Deswegen trägt er beispielsweise auch ausrangierte Priestergewänder bei seinen Aufritten. „Ich bin kein Weihnachtsmann“, betont Schnitzler. „Der Weihnachtsmann ist eine Erfindung. Das möchte ich auch nicht sein.“

Der passionierte Hobby-Nikolaus ist davon überzeugt, dass die Kinder sich in den vergangenen 55 Jahren verändert haben. „Sie sind weniger ängstlich“, sagt er. „Ich denke, das liegt daran, dass die Eltern und Großeltern weniger Druck ausüben als früher. Und das finde ich schön.“ Nur einmal habe ein kleines Mädchen sich geweigert, ihm die Hand zu geben. „Das war bei der Begrüßung“, erzählt der rührige Mann. „Am Schluss bin ich noch einmal zu ihr hingegangen. Ich wollte auf keinen Fall, dass die Kinder wegen meines Auftritts Angst vor dem Heiligen Mann bekommen. Und da hat sie mich angelächelt und mir doch die Hand gegeben.“

Es war und ist dem Windener Nikolaus immer ein Anliegen, mit den Kindern ins Gespräch zu kommen. „Ich lese eine Weihnachtsgeschichte vor, es wird etwas gesungen. Manchmal bekomme ich auch kleine Zettelchen von den Eltern, auf denen steht, wofür ich die Kinder loben soll und was nicht so gut war.“ Ob die Ermahnungen des Nikolauses etwas nützen, kann Schnitzler nicht beantworten. „Das weiß ich nicht“, sagt er und lächelt. „Ich habe die Mütter und Väter das nie gefragt. Ich möchte den Kindern eine gute Zeit bereiten und sie nicht erziehen, jedenfalls nicht vorrangig.“ Übrigens haben Schnitzlers eigene Kinder nie gemerkt, dass ihr Papa als Nikolaus in der Vorweihnachtszeit unterwegs ist. „Ich habe mich niemals zu Hause umgezogen“, sagt er. „Und meine Kinder haben auch an den Nikolaus geglaubt.“

Schwere Krankheit

Als bei Schnitzler vor vier Jahren eine schwere Krankheit diagnostiziert wurde, hat ihn ein damals 15-jähriger Junge als Nikolaus vertreten, der auch bereit ist, ihn irgendwann einmal ganz zu beerben. „Ich finde es schön, dass diese Tradition weiter geht“, sagt Konrad Schnitzler, „aber solange es meine Gesundheit noch zulässt, möchte ich auf jeden Fall in den beiden Kindergärten weiter als Nikolaus aktiv sein.“

Denn neben der für ihntraurigen Geschichte des kleinen Mädchens, dessen Eltern sich nicht mehr vertragen, gibt es auch viele schöne und fröhliche Nikolaus-Anekdoten.

„Die sind ganz eindeutig in der Mehrheit“, sagt Konrad Schnitzler und schmunzelt. „Einmal sollte ich einen kleinen Jungen tadeln, weil der immer die Zunge rausgestreckt hat. Seinen Eltern, aber auch fremden Menschen auf der Straße. Und wissen Sie, was der mir geantwortet hat? Er hat gesagt, seine Zunge müsse eben ab und zu einmal Luft schnappen.“