Düren: Schulkinder setzen Lachse in der Rur frei

Düren: Schulkinder setzen Lachse in der Rur frei

Die zehnjährige Leonie schnappt sich begeistert ihr kleines Sieb und ihren Eimer, in dem sich unzählige kleine Lachse tummeln. „Es hat total Spaß gemacht, die Lachse aufwachsen zu sehen“, erzählt sie und lässt vorsichtig einen kleinen Fisch nach dem anderen ins Wasser der Rur gleiten.

Gemeinsam mit ihren Schulkameraden aus der Klasse vier der Grundschule Obermaubach hat sie an einem Lachsprogramm des Kreisfischereivereins Düren teilgenommen. Insgesamt viermal war sie mit ihrer Klasse im Bruthaus in Obermaubach. Dabei konnten die Kinder den ganzen Entwicklungsprozess der Lachse begleiten, weiß Gewässerwart und Bruthausleiter Hermy Hermanns: „Sie haben vom Ei-Stadium über das Schlüpfen bis zur ersten Fütterung und letzten Kontrolle vor 14 Tagen alles beobachten können. Außerdem haben sie für die Lachse eine Patenschaft übernommen.“

Bruthausleiter Hermy Hermanns füllt Leonies Eimer mit kleinen Lachsen.

Betreut wurden 30 228 Eier von zurückgekehrten Lachsen, aus denen in den letzten Monaten etwa 3000 Fische herangewachsen sind. Lachse kommen normalerweise zu dem Ort zurück, an dem sie sich auf die Reise zum Meer gemacht haben. Mittlerweile jedoch seien die sogenannten Rückkehrer immer weniger geworden — zu oft versperren vom Menschen gebaute Wehren den Weg. Und so musste auch bei den Eiern für die Schulklassen nachgeholfen werden. „Die Fische kommen nur bis zur Rurdorfer Wehr, da wurden sie eingesammelt und in einer Kontrollstation in Eresée in Belgien versorgt, bis ihre Eier reif genug waren und wir sie abholen konnten“, sagt Hermanns. Er verteilt die kleinen Fische aus einem Wasserbecken von seinem Laster in die Eimer der Kinder.

Denen macht die Arbeit mit den Tieren sichtlich Spaß. Der zehnjährige Florian erzählt seinem Freund Aaron auf dem Weg zum Wasser begeistert, wie er all seine Fische nennen wird: „Einer wird auf jeden Fall Blubb heißen.“ Aber auch das Freilassen der Fische will geübt sein: „Die Kinder sollen die Fische seitlich von sich ins Wasser lassen und dann einen Schritt nach vorne gehen, damit sie nicht aus Versehen auf die Tiere treten“, führt Hermanns aus.

Damit auch sicher ist, dass das Wasser der Rur für die Lachse sauber genug ist, durften die Grundschüler zu Beginn Wasserproben nehmen. „Sie haben zum Beispiel Eintagsfliegen- oder Köcherlarven entdeckt, das ist ein Zeichen für gute Wasserqualität und bedeutet gleichzeitig, dass Fischfutter im Fluss ist“, weiß Andrea Herkenhöner vom Umweltbildungsprojekt FINNE (Fischwelt in NRW neu entdecken).

Die Mitarbeiter von FINNE unterstützten die Kinder dabei, auch die Lebewesen neben den Lachsen kennen- und schützen zu lernen. Die Wetterkonditionen hätten nicht besser sein können, aber auch von Regen lasse man sich nicht abhalten: „Das Wetter von oben ist eigentlich egal, aber bei Hochwasser könnten wir zum Beispiel nicht in die Rur“, sagt Herkenhöner.

Leonies Eimer ist mittlerweile leer. „Ich fand es super, aber die Fische haben so gewackelt, das war komisch. Daran habe ich mich aber schnell gewöhnt“, erzählt sie und stellt sich in die Schlange, um sich neue Fische zu holen.

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