Schüler des Gymnasiums Kreuzau machen eine literarische Europareise

Kreuzauer Schüler schreiben ein Buch : Spannende Reise zu den eigenen Vorurteilen

Wenn Celina Hirthe, Josefine Sowada, und Tue Minh Bue nächstes Jahr Abitur machen, verbindet die drei Schülerinnen des Gymnasiums Kreuzau eine Besonderheit, die ihnen niemand nehmen kann: Gemeinsam mit 18 anderen Schülern haben sie ein Buch geschrieben.

Seit vielen Jahren gibt es an der Schule eine Arbeitsgemeinschaft „Kreatives Schreiben“, seit drei Jahren nimmt das Gymnasium regelmäßig an der Schreibwerkstatt der „Lit.Eifel“ teil. „Beim ersten Mal“, erzählt Jennifer Baranek, „haben wir unsere Geschichte und Illustrationen zu einem großen Buch zusammengestellt, das es aber nur hier in der Schule gibt. Beim zweiten Mal haben wir einen Film gedreht.

Jetzt ist zum ersten Mal ein richtiges Buch entstanden, das die Leute auch kaufen können.“ Die Jugendlichen, die an der dreitägigen Schreibwerkstatt teilgenommen haben, wurden von der Autorin Claudia Hoffmann und dem Künstler Jan Hillen unterstützt. Von den Profis gab es auch bestimmte Vorgaben, die die Geschichte erfüllen sollte.

Anknüpfend an das Europäische Kulturerbejahr 2018 und den von der EU-Kommission initiierten Wettbewerb „Road Trip Project“, bei dem Jugendliche tatsächlich eine Europareise gewinnen können, sollte jeder Autor die Anreise seiner Hauptfigur, die den Wettbewerb fiktiv gewonnen hatte, vom Heimatort zum Start des Road Trips in Berlin beschreiben. Dort angekommen, traten dann jeweils zwei der Protagonisten die gemeinsame Weiterreise an, die jeweiligen Autoren schrieben das nächste Kapitel gemeinsam. Und schließlich sollte auf der Reise in das am Polarkreis gelegene finnische Rovaniemi – eine europäische Kulturerbestätte – besucht werden, wo sich jeweils zwei Zweierteams treffen und die Geschichte eine besondere Wendung nehmen sollte.

Unterschiedliche Wege

Den letzten Teil der Reise unternahmen die vier dann gemeinsam – und erzählten davon auch zu viert. Eine weitere Vorgabe lautete: „Räumt mit einem Vorurteil auf – einem, das Ihr selbst bewusst oder unbewusst mit Euch tragt oder mit dem Ihr Euch auf Euer Reise konfrontiert seht.“ „Mir hat das Thema gleich gefallen“, sagt Celina Hirthe (18). „Von dem ‚European-Road-Trip-Projekt’ hatte ich vorher noch gar nichts gehört. Das klang sehr spannend. Außerdem ist das Thema Reisen natürlich grundsätzlich interessant.“

Die Jugendlichen haben in den Geschichten der Kreuzauer Schüler ganz unterschiedliche Wege von Berlin nach Finnland genommen. Josefine Sowada (17): „Uns war es wichtig, dass die Geschichte möglichst realistisch ist.“ Und genau deswegen ist Josefines Hauptfigur über Polen nach Finnland gereist. „Mein Vater stammt aus Polen“, erzählt die Schülerin. „Ich kenne dieses Land und konnte es deswegen auch gut beschreiben.“ Trotzdem, ergänzt Tue Minh Bue (17), hätten alle auch sehr viel recherchiert.

„Wir haben zum Beispiel wirklich geprüft, wie lange Züge unterwegs sind oder wann Busse abfahren. Das ist alles sehr authentisch.“ Grundsätzlich, erzählen die Schülerinnen, sei Schreiben etwas, bei dem man seiner Kreativität freien Lauf lassen könne. Jennifer Baranek (18): „Das ist etwas, wozu man im normalen Schulalltag kaum Gelegenheit hat, macht aber sehr großen Spaß.“

Im Rahmen der Schreibwerkstatt haben die 19 Schülerinnen und zwei Schüler an nur drei Tagen 278 Seiten zu Papier gebracht und ihre Geschichten auch noch entsprechend illustriert. Claudia Hoffmann und Jan Hillen zeigten sich sehr angetan von dem Ideenreichtum und der Qualität der entstandenen vier Geschichten und lllustrationen. Die diesjährige Werkstatt in Kreuzau sei etwas ganz Besonderes gewesen und die Jugendlichen dürften „wirklich stolz sein auf diese fabelhafte Gemeinschaftsarbeit“. Celina Hirthe ergänzt, dass alle auch noch zu Hause an ihren Geschichten geschrieben hätten. „Und das Miteinander hat wirklich gut funktioniert. Wir hatten sehr viel Spaß.“

Tue Minh Bue nennt noch einen anderen Aspekt: „Es ist wirklich ein gutes Gefühl, ein Buch in der Hand zu halten, auf dem der eigene Name bei den Autoren aufgeführt ist. Buch-Autorin kann ich jetzt auf meiner To-do-Liste für das Leben schon einmal abhaken.“ Auch Schulleiter Wolfgang Arnoldt ist ganz begeistert von dem Buch seiner Schüler. „Ich konnte erst kaum glauben, das an nur drei Tagen ein 278 Seiten starkes Werk entstanden ist. Ich habe das Buch an nur einem Wochenende gelesen. Es ist einfach toll.“

(kin)
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