Schüler der Grundschule Albertus Magnus lernen Erste Hilfe

Nörvenich: Viertklässler der Grundschule Albertus Magnus lernen Erste Hilfe

Wahrscheinlich antworten die Viertklässler der Gemeinschaftsgrundschule (GGS) Albertus Magnus in Nörvenich nur selten so schnell, so einstimmig und so laut auf eine Frage, wie auf diese: „Und welche Nummer ruft ihr dann an?“ — „112!“ Wie aus der Pistole geschossen rufen sie die Notrufnummer, aber das ist noch die leichteste Aufgabe.

Nach einem ganzen Schultag rund um die Erste Hilfe sind die 24 Kinder für alles gewappnet — vom Wespenstich im Mund bis zur Ohnmacht.

Zwei Elternpaare von Schülern der GGS hatten sich extra freigenommen, um den Pilotkurs „Erste Hilfe in Grundschulen“ durchzuführen. Initiiert wurde er von Dr. Barbara Kowalzik vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Sie betonte, dass damit das Rad nicht neu erfunden wurde: „Hilfsorganisationen fangen im Kindergarten- und Grundschulalter mit Erste-Hilfe-Kursen an, aber meistens fehlt dabei die Herzdruckmassage. Uns war wichtig, Beides zu kombinieren.“ Eine Evaluierung in Form einer Unterrichtsstunde soll in einem halben Jahr zeigen, wie viel davon hängengeblieben ist.

Rettungsassistentin und Krankenschwester Manuela Borsdorff erklärte den Kindern, was zu tun ist, wenn sich jemand sich verbrennt, wie Verbände angelegt werden und was sie bei Nasenbluten machen sollen. Einige der Schüler erzählten ihr, dass sie in letzterer Situation den Kopf in den Nacken legen. Das sei früher empfohlen worden, korrigierte Borsdorff, mittlerweile raten Mediziner aber davon ab. Ganz im Gegenteil: Wenn der Kopf nach vorne gebeugt wird, kann das Blut abfließen und wird nicht geschluckt. Ein kaltes Tuch im Nacken kann dafür sorgen, dass sich die Blutgefäße schließen.

Eindeutig spannender waren für die 4a aber die Verbände. Kaum ein Handgelenk, Arm oder Bein war nach der Einheit bei Manuela Borsdorff nicht fachmännisch umwickelt. Ihr Ehemann Oliver Borsdorff war zuständig für die stabile Seitenlage. Auf einer Matte in der Turnhalle übten die Schüler die Handgriffe und zeigten, dass sie nicht nur Gleichaltrige in die Seitenlage bringen können, sondern dass das auch mit Borsdorff gelang.

Keine Hemmungen

Zeitgleich stand im Vorraum der Turnhalle die Herzdruckmassage auf dem Programm. Notarzt Dr. Ralf Kowalzik war direkt von seiner Nachtschicht in die Schule gekommen, hatte aber angesichts der quirligen Viertklässler keine Gelegenheit, müde zu werden. Kaum dass sie die Trainingspuppen entdeckten, machten sich die Ersten schon ans Werk. Kowalzik musste hier und da noch den Druckpunkt korrigieren, die Handhaltung verbessern oder ein paar Tipps geben, aber Hemmungen hatten die Nachwuchshelfer keine.

Die vierte Einheit des Vormittags gestaltete Dr. Barbara Kowalzik. Die Fachärztin für Allgemeinmedizin ging mit den Kindern durch, welche Infos wichtig sind, wenn sie einen Notruf absetzen. Die W-Fragen hatten die Schüler genau so schnell drauf, wie das korrekte Verhalten bei einem Wespenstich. Da konnten einige schon aus eigener Erfahrung berichten. Trotzdem war es für die meisten das erste Mal, dass sie sich mit erster Hilfe beschäftigten.

Die neunjährige Jana Siepen erzählte stolz, dass sie schon vorher den Puls fühlen konnte. Alles andere übte sie zum ersten Mal. „Meine Mama wurde gerade operiert, deshalb habe ich ihr schon gesagt, dass ich weiß, was zu tun ist, wenn sie mal ohnmächtig wird“, sagte Jana. Genau das, nämlich die Kinder nicht zum Weggucken zu erziehen, sondern zum Helfen zu befähigen, ist laut Schulleiterin Christa Braun das Ziel des Projektes: „Ich bin mir sicher, dass sie auf ihre Weise helfen werden.“

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