Düren: Schrotthändler klagen über zu viel Arbeit und zu geringen Verdienst

Düren: Schrotthändler klagen über zu viel Arbeit und zu geringen Verdienst

„...392, 393, 394.” Ein wenig ungläubig schaut Kfz-Meister Gerd Saengersdorf in die blaue Mappe, in der jedes verschrottete Auto vermerkt ist. Allein die Mappe des vergangenen Monats hat ihn jede Menge Arbeit gekostet - 394 Wagen hat er verschrottet. Zum Vergleich zieht er den Ordner vom März 2008 aus dem Regal. Mit dem Zählen ist er schnell fertig: 44 Fahrzeuge waren es vor einem Jahr.

Gerd Saengersdorf seufzt. Über mangelnde Auftragslage kann er sich nicht beschweren. Doch während die Große Koalition sich fleißig auf die Schulter klopft und Autohändler sich über volle Auftragsbücher freuen, zeigt Saengersdorf für die Verlängerung der Abwrackprämie wenig Begeisterung.

„Ich hätte es lieber gesehen, wenn das Programm jetzt ausgelaufen wäre”, sagt der Kfz-Meister trotz voller Auftragsbücher. Als Grund führt er vor allen Dingen die Preise für Schrott an, die drastisch gesunken sind. „Im vergangenen Sommer habe ich noch 200 Euro für die Tonne Schrott bekommen, jetzt gehe ich aus dem Geschäft plus minus Null raus.” Und das ist längst nicht die einzige Mehrbelastung für das Unternehmen.

Der Hof ist längst zu klein für die vielen Fahrzeuge. 300 Wagen kann Saengersdorf in seinem Betrieb lagern, die Kapazitäten sind schon längst erschöpft. Kunden abweisen will er natürlich auch nicht, und so hat er inzwischen drei weitere Flächen für je 50 bis 70 Autos angemietet, aber die sind auch bald voll. Weitere Plätze in der Nähe gibt es keine. „Vielleicht muss ich bald dann eine halbe Stunde oder sogar länger fahren”, klagt Saengersdorf.

Klagen kommt den meisten Autohändlern in diesen Tagen nicht in den Sinn. Die Auftragsbücher sind voll, die Nachfrage nach Neuwagen um bis zu 25 Prozent gestiegen. „Es ist immer noch kräftig, vor allem bei den Kleinwagen”, sagt Verkaufsberater Uwe Jung. An ein von vielen prognostiziertes Verkaufsloch glaubt er nicht.

Genau wie Aribert Wooning, Geschäftsführer eines Dürener Autohauses: „Das kann ich mir nicht vorstellen. Die Leute kaufen ihr Auto jetzt einfach etwas früher, der Bedarf wird aber auch in ein paar Jahren weiterhin groß sein. Vor allem bei den Kleinwagen sind wir gut aufgestellt.”

Wesentlich geringer ist der Bedarf mittlerweile bei den Gebrauchtwagen. „Das macht oft keinen Sinn”, betont Wooning. Denn neben der stattlichen Prämie von 2500 Euro legen etliche firmen noch Boni für Neuwagenkäufe drauf. „Im Vergleich zum Kauf eines Jahreswagens oder Autos mit Tageszulassung ist der Unterschied dann nur noch gering”, erklärt der Geschäftsführer.

Gerd Saengersdorf glaubt hingegen fest an eine Flaute und bangt um Arbeitsplätze. „Ich habe einen neuen Mechaniker eingestellt, weil wir jetzt so viel zu tun haben. Wenn bald wieder weniger Autos verschrottet werden, muss ich ihn vielleicht wieder entlassen.”

In einem sind sich sowohl Schrotthändler als auch Autoverkäufer einig: Es ist ein wenig ruhiger geworden. „Die Käufer sind jetzt entspannter”, sagt Aribert Wooning. Das hat auch Gerd Saengersdorf bemerkt: „Momentan verarbeiten wir sechs bis sieben Autos pro Tag, vor der Verlängerung und Umstellung auf die Online-Anmeldung waren es täglich 36 Wagen.”

Und trotzdem ist Gerd Saengersdorf selbst alles andere als entspannt. „Seit sechs bis sieben Wochen absolviere ich einen Achtzehn-Stunden-Tag, sonntags erledige ich zusätzlich den ganzen Papierkram.”

Eine andere Einnahmequelle ist ihm derweil ganz weggebrochen. Früher hat Gerd Saengersdorf die alten Autos ausgeschlachtet und die Einzelteile gewinnbringend verkauft. Auch das ist jetzt anders. „Getriebe und Motoren werden wir gar nicht mehr los”, sagt der Kfz-Meister und zeigt auf den Lagerraum, in dem sich eben Motoren und Getriebe türmen. Einzig Ersatzteile wie Türen und Stoßstangen in den diversen Autofarben gehen noch gut.

Die zählt Gerd Saengersdorf erstmal nicht durch. Mit 394 kommt er nämlich da bei Weitem nicht hin.