Nideggen-Rath: Schrill, schräg und die „schönste Frau der Welt“

Nideggen-Rath: Schrill, schräg und die „schönste Frau der Welt“

Annemie Krawtschak ist eine echte Traumfrau. Ohne Zweifel. Sie ist wunderschön, intelligent — und einfach unwiderstehlich! Und erst dieser Aufzug: knatschpinker Mantel, mit Flamingos bedruckte Schuhe, Brille im Stil der Siebziger und eine knallblonde Kurzhaarfrisur. Zum Dahinschmelzen! Annemie ist eben ein richtig guter Fang. Und so stehen die Männer Schlange bei der Putzfrau. Zumindest in Annemies Kopf. Und nur dort.

Denn es gibt da noch ein klitzekleines Problem: Die Männerwelt weiß gar nichts von ihrem Glück. Stören tut das Annemie Krawtschak, die selbst ernannte schönste Frau der Welt, recht wenig. „Millionen Männer lieben mich…“ ist nicht nur ihr Lied, nein, es ist ihr Lebensmotto.

Die 34-jährige Anika Morgenschweis verkörpert auf der Bühne die schrille Putzfrau. Foto: Weinberger

Wenn Annemie sich aber aus ihrem Dress schält, steckt dahinter — oh, Wunder — eine ganz normale Frau: Die 34-jährige Anika Morgenschweis verkörpert die schrille und schräge Putzfrau auf den Karnevalsbühnen der Region. Die gebürtige Sankt Augustinerin hat es der Liebe wegen nach Nideggen-Rath verschlagen. Ihren Freund hat Anika Morgenschweis noch immer. Und das ist der größte Unterschied zwischen ihr und ihrer Rolle. Denn die beiden verbindet viel: „Alles, was Annemie sagt und verkörpert, ist auch in meinem Kopf“, erklärt die 34-Jährige. „Ich würde diese Dinge nie aussprechen, dafür ist ja Annemie da.“

Ihr Weg auf die Bühne war vorgezeichnet. „Entertainment hat mir immer großen Spaß gemacht“, erklärt Anika Morgenschweis. Die gelernte Reiseverkehrskauffrau war Animateurin im Robinson Club, spielte drei Jahre lang in einer Piraten-Show im Heide Park Soltau, machte Stand-up-Comedy. Genug war der Ratherin das aber nicht. Der Karneval reizte. Und da kam der Vorstellabend des Regionalverbands Düren 2011 gerade recht: Sie präsentierte ihre Figur Annemie Krawtschak — und überzeugte auf ganzer Linie. „Für die Session 2011/2012 kamen dann einige Anfragen“, berichtet die Karnevalistin. Auf den Bühnen der Region, aber auch im Sauerland sorgte sie als Putzfrau für Lachsalven.

Dabei ist Annemie Krawtschak gar keine typische Karnevals-Type. Kölsch spricht sie nur gebrochen. Aber sie punktet mit Kuriosem aus dem Alltag, mit Schlagfertigkeit und Spontanität. Die Rede alleine reicht ihr aber nicht. Sie singt auch. Oft, laut — und gut. „Ich mache auf der Bühne das, was mir Spaß macht“, betont die 34-Jährige. „Und dazu gehört eben auch das Singen.“ Und sie hat auf den Brettern noch eine Grundregel: „Das Publikum wird von Annemie immer auf eine nette, witzige Tour einbezogen“, erklärt sie. „Ich will mit den Leuten lachen, nicht über sie.“ Unter die Gürtellinie geht's nie.

Wie wertvoll es sein kann, auch im Karneval seinen eigenen Weg zu gehen, zeigt sich in dieser Session: Anika Morgenschweis hat schon viele Auftritte hinter sich. Außerdem bewarb sie sich mit ihrer Figur beim Westdeutschen Rundfunk — und überzeugte auch dort. Am kommenden Sonntag wird Annemie Krawtschak in der Show „Rampensäue 2013“ über die Fernsehbildschirme flimmern. „Dort aufzutreten ist großartig und kann Gold wert sein“, freut sich die Karnevalistin.

Sie hat vom WDR eine „Wildcard“ erhalten, startet außer Konkurrenz. „Rampensau des Abends“ kann sie nicht werden. Aber vielleicht wird sie ja die Traumfrau unzähliger Männer vor den Bildschirmen. Zweifel daran hat Annemie nicht..

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