Polizei stürmt Wohnung in Düren: Schrecksekunden in den frühen Morgenstunden

Polizei stürmt Wohnung in Düren : Schrecksekunden in den frühen Morgenstunden

Der Schreck saß Donnerstagmittag noch tief: Gegen 4 Uhr morgens hat ein Sondereinsatzkommando der Polizei eine Dachgeschosswohnung an der Josef-Schlegel-Straße gestürmt.

Nachbarn in dem Haus wurden dabei aus dem Schlaf gerissen. Als sie in den Flur traten, sahen sie Polizisten, die sie umgehend zurück in die Wohnung schickten. Später erfuhren sie, dass die Polizei zwei mögliche islamistische Gefährder in Gewahrsam genommen und dabei Festplatten, Handys und Computer sichergestellt hat. Viel konnten die Menschen in der Nachbarschaft nicht erzählen. Der 21-jährige mutmaßliche Gefährder hat die Wohnung erst zum Juli bezogen, sein ebenfalls von der Polizei mitgenommene Wohngefährte zog erst vor wenigen Tagen hinzu. Die 52 Quadratmeter große Wohnung im Dachgeschoss war frei geworden, weil sie einer Familie mit zwei Kindern zu klein geworden war. Sie zog zwei Etagen tiefer. „Wir haben nur einen lauten Knall gehört“, erzählt die zweifache Mutter, „weil meine Mutter auch hier im Haus wohnt, habe ich gedacht, ihr sei etwas passiert. Und meine Mutter fürchtete, mit uns sei etwas nicht in Ordnung.“ Gekannt habe sie die beiden Männer nicht. „Die haben sich auch nicht vorgestellt, als sie eingezogen sind. Einen habe ich ab und zu im Flur gesehen. Mehr nicht.“

Auch der Mann, der in dem gleichen Haus eine Bäckerei mit türkischen und deutschen Spezialitäten betreibt, will einen der beiden neuen Nachbarn nur hin und wieder gesehen haben. „Ich kenne den Mann, der ihnen die Wohnung vermittelt hat. Der hat mir auch erzählt, dass jemand Neues ins Dachgeschoss zieht. Mehr weiß ich aber nicht.“ Die Männer seien absolut unauffällig gewesen. „Aber man kann ja auch nicht in die Köpfe von Menschen gucken.“

Wolfgang Spelthahn (CDU), Landrat und Chef der Kreispolizeibehörde, hat am Mittwochnachmittag von dem geplanten Polizeieinsatz erfahren. Die Kreispolizei war in die Einsätze nicht involviert. Spelthahn: „Ich habe über die üblichen Behördenkanäle von der geplanten Razzia erfahren. Weil höchste Vertraulichkeit herrschte, haben wir den Einsatz innerhalb der Behörde auch nur mit extrem wenigen Menschen kommuniziert.“ Spelthahn spricht von einem „absolut professionellen und reibungslosen Einsatz“, und er betont auch: „Ich hatte nie Grund zu der Befürchtung, dass die Menschen in Düren gefährdet seien.“ Zu möglichen anderen Razzien im Kreis Düren sagt der Landrat nur so viel: „Es hat dort Untersuchungen gegeben, wo die beiden Männer als Trockenbauer gearbeitet oder Bezugspunkte hatten.“ Laut Spelthahn haben die beiden Männer in den vergangenen 14 Tagen unter intensiver Beobachtung gestanden.

Dass die Menschen im Kreis Düren sich grundsätzlich Sorgen wegen Terrorgefahr machen müssen, will Spelthahn nicht bestätigen. „Meine ganz persönliche Meinung, und das sage ich jetzt ausdrücklich nicht als Behördenchef, ist, dass die Nähe Dürens zur größten Stadt in NRW, nämlich Köln, Fluch und Segen zugleich ist.“ Es sei bekannt, dass mögliche Straftäter manchmal versuchten, dem Dunstkreis einer großen Stadt zu entkommen, weil sie der Meinung seien, dort besser untertauchen zu können.

Wie sich der 21-jährige Deutsche radikalisiert hat und ob ein Zusammenhang zu einer Dürener Moschee besteht, wird derzeit von der Polizei untersucht.

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