Schlachthof Düren: Polizei räumt Tierschützer vom Frenken-Gelände

Hundertschaften angerückt : Polizei räumt besetzten Schlachthof

Polizei räumt besetzten Schlachthof in Düren

Mit einem Großaufgebot hat die Polizei am Montagnachmittag die Besetzung des Dürener Schlachthofes beendet. Insgesamt 32 Tierschützer waren am Sonntagabend gegen 23 Uhr in den weitgehend mit hohen Mauern und Stacheldraht geschützten Betrieb an der Dürener Paradiesstraße eingedrungen.

Die Aktivisten wollten mit ihrer Aktion, die von der Polizei als „Landfriedensbruch“ eingestuft wird, gegen das „massenhafte Töten von fühlenden Wesen“ demonstrieren, heißt es in einem im Internet verbreiteten Bekennerschreiben. Der Massenkonsum tierischer Produkte trage erheblich zur Klimakrise bei und verbrauche Unmengen an Wasser und Energie, stellten die linksautonomen Aktivisten fest.

Proteste auf dem Schornstein

Der Dürener Schlachthof war im Dezember 2017 deutschlandweit in die Schlagzeilen gekommen, nachdem eine Gruppe namens „Soko Tierschutz“ dort miserable Zustände aufgedeckt hatte. Die Videos von zwei eingeschleusten Mitarbeitern wurden in der ARD gezeigt. Im Anschluss an die ausgelöste Debatte kündigte der Betrieb umfangreiche Änderungen an. Unter anderem führte das Veterinäramt des Kreises Düren eine tierärztliche Dauerüberwachung des Betäubungsprozesses für die Schlachttiere ein.

Am frühen Nachmittag hat die Polizei begonnen, die angeketteten Aktivisten zu lösen. Foto: Patrick Nowicki

Gut ein Dutzend Aktivisten hatte sich am Montag an die Anlieferungsrampe des Betriebs gekettet, weitere waren auf das Dach des Schlachthofes geklettert, besetzten einen seit Jahren stillgelegten Kamin in rund 18 Metern Höhe oder ketteten sich an Lüftungsrohre auf dem Dach. Vor dem Gebäude versammelten sich am Mittag etwa 25 Unterstützer aus dem Hambacher Forst.

Auch wenn die Polizei es am Montag nicht bestätigen konnte, haben zumindest einige der Schlachthofbesetzer mit größerer Wahrscheinlichkeit am Ausbildungscamp für radikale Tierrechtsaktivisten teilgenommen, das seit Donnerstag im Hambacher Forst läuft. Auf dem Programm standen Kletterübungen und Schlösserknacken, am Sonntagabend sollte gar ein Workshop „Schlachthöfe besetzen“ stattfinden. Wenige Stunden später setzten die Schlachthofbesetzer das soeben Erlernte dann offensichtlich in die Tat um: Der praktisch Teil des Ausbildungscamps begann.

Das Gelände an der Paradiesstraße wurde abgeriegelt, der Betrieb eingestellt. Foto: dpa/Henning Kaiser

Mittlerweile gehört es fast zur Folklore der Besetzung des Hambacher Forsts, dass Ausbildungscamps dort Polizeieinsätze provozieren. Kaum ein sogenanntes Skill-sharing-Camp, das in den vergangenen Jahren nicht mit Gleisblockaden, Baggerbesetzungen oder anderen Stör-Aktionen zu Ende gegangen war. Bei den Skill-sharing-Camps lernen die Teilnehmer, Blockaden zu bilden, Braunkohlebagger oder Gebäude zu besetzen, Ladendiebstähle zu begehen und vegan zu leben. Die Besetzung des Hambacher Forst ist nicht grundsätzlich ein Klimaschutz-, sondern primär ein anarchistisches Projekt.

Kein Kapitalismus, keine Staaten

Deswegen ist das übergeordnete Ziel der Besetzer und aller dort stattfindenden Ausbildungscamps die Abschaffung des Kapitalismus‘ und die Abschaffung von Staatengebilden. Die Sicherheitsbehörden rechnen die Waldbesetzer daher dem linksextremen Spektrum zu, das vom Verfassungsschutz beobachtet wird, auch im Hambacher Forst. In dem Bekennerschreiben, der Schlachthofbesetzer steht: „Wir kämpfen für eine herrschaftsfreie Welt, in der weder menschliche noch nichtmenschliche Tiere ausgebeutet, missbraucht und verwertet werden.“

Nach Informationen unserer Zeitung gibt es in der bürgerlichen Unterstützerszene der Linksextremisten Menschen, die im Kreis der Waldbesetzer wiederholt auch den Dürener Schlachthof als Ziel potenzieller Sabotageakte vorgeschlagen hatten. Dass es im Rahmen des Camps für radikale Tierrechtsaktivisten also zu einer Besetzung dort kam, ist insofern keine Überraschung.

Schlachthofbetreiber Bernhard Frenken stellte den Betrieb am Montag weitgehend ein. Die Tiere, die am Morgen zur Schlachtung angeliefert werden sollten, wurden nach Angaben eines Mitarbeiters an andere Betriebe umgeleitet. Die Fleischverarbeitung aber lief weiter.

Während sich fünf Frauen bereits in den frühen Morgenstunden der Polizei gestellt hatten, dauerte es bis zum Mittag, ehe die Anlieferungsrampe geräumt werden konnte. 13 weitere Aktivisten wurden festgenommen und zur Identitätsfeststellung ins Aachener Polizeipräsidium gebracht, wo die dort angesiedelte „Ermittlungsgruppe Hambach“ die weiteren Untersuchungen übernimmt.

Um die Aktivisten vom Schornstein zu holen, musste erst eine Teleskopbühne aus Gummersbach angemietet werden, so dass sich der Einsatz in die Länge zog. Als alle Versuche gescheitert waren, die Tierschützer auf dem Verhandlungsweg zur Aufgabe zu bewegen, holte die Polizei zunächst die zehn Demonstranten vom Dach, die sich im Bereich der Lüftungsrohre angekettet hatten, danach wurden die Schornsteinbesetzer einer nach dem anderen in Gewahrsam genommen und nach Aachen gebracht. Gegen 15.30 Uhr war der Einsatz beendet.

Die Personalien einiger Besetzer konnten festgestellt werden. Viele der entsprechenden Männer und Frauen durften bereits das Revier verlassen. Unter ihnen waren auch zwei Jugendliche, die von den Beamten an das zuständige Jugendamt übergeben wurden.

Mehr von Aachener Zeitung