Düren: Sanierungsstau? Es gibt in Düren noch viel zu tun

Düren: Sanierungsstau? Es gibt in Düren noch viel zu tun

Es kommt eher selten vor, dass Mieter ihre Vermieter zu einem Stück Kuchen einladen. Genau das aber hat die Mietergemeinschaft „An der Rur“ getan. Zum einen wurde der Abschluss der Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten der Wohnanlage an der Rütger-von-Scheven-Straße gefeiert.

Aber mindestens ebenso wichtig für die 120 Mitgliedshaushalte: „Wir haben unser Ziel, sozialverträgliche Mieten für alle Mieter zu gewährleisten, erreicht“, bilanziert Willem Caenen von der Interessenvertretung.

Lange Jahre hatten sich die zum Teil alteingesessenen Bewohner über unhaltbare Zustände beschwert. Im Jahr 2011 übernahm die Deutsche Invest Immobilien (DII) die fast 300 Wohnungen — und kündigte schnell ein umfassendes Sanierungsprogramm an. Die Bestandsmieter, von denen etwa die Hälfte Leistungen aus den sozialen Sicherungssystem beziehen, befürchteten einen Verdrängungsprozess.

„Heute können wir von einem Glücksfall reden“, sagt Caenen. Die Wohnungen seien saniert und modernisiert, kein Mieter habe ausziehen müssen. Für die Mietergemeinschaft unterstreicht das den Erfolg der in den vergangenen Jahren geleisteten Arbeit. Bei jedem Treffen mit der neuen Eigentümerin stand das Thema der zukünftigen Miethöhe weit oben auf der Tagesordnung. Mit am (Verhandlungs-)Tisch saßen oft auch die Stadt Düren. Die Mietergemeinschaft arbeitete mit dem Büro für Gemeinwesenarbeit und Soziale Stadtentwicklung der Evangelischen Gemeinde zusammen.

„Wir haben bis zum heutigen Tag jede Verabredung gehalten und werden dies auch in Zukunft tun“, verspricht Thomas Settelmayer, Leiter des Immobilienmanagements der DII. Bei Neuvermietungen reichen die Preise, die einst bei durchschnittlich 3,80 bis 4,50 Euro lagen, an sieben Euro heran, im Schnitt liegt der Mietzins pro Quadratmeter bei 5,80 Euro. Die Mieten für Bestandsmieter sind noch bis Ende Juni bei 5,50 Euro „gedeckelt“. Danach soll die Erhöhung auf jährlich maximal drei Prozent begrenzt werden. Bürgermeister Paul Larue sprach von einer „gewaltigen Investition in diese wichtige Lage“ und zeigte sich erfreut, dass den Mietern „ein Bleiben im Stadtquartier ermöglicht wurde“,

„Wirtschaftliches Handeln ist mit sozialem Handeln in Einklang zu bringen“, dankt Baudezernent Paul Zündorf der DII dafür, dass sie „auf Miete, die ihr rechtlich zugestanden hätte, verzichtet hat“. Das Modell „Rütger-von-Scheven-Straße“ dürfe ruhig zur Blaupause für das gesamte Stadtgebiet werden. Denn es gibt noch viele Häuser und Wohnungen, die auf eine Modernisierung warten.

Rund 74 Prozent aller Gebäude in der Stadt sind vor der ersten Wärmeschutzverordnung 1979 entstanden und nicht barrierefrei. „Es ist eine große Herausforderung, diesem Sanierungsstau zu begegnen“, blickt Zündorf besonders auf den Norden der Stadt und umliegende Stadtteile.

Sozialverträgliche Modernisierung des Bestandes auf der einen — die Schaffung höherwertigen neuen Wohnraums auf der anderen Seite: Mit diesem Konzept soll die Stadt Düren fit für die Zukunft gemacht werden, um attraktiv und erschwinglich zugleich zu bleiben. Besonders in der Innenstadt soll die Zahl der barrierefreien Wohnungen zunehmen, mit neuen Wohngebieten sollen finanzstärkere Familien und Bürger an die Rur gelockt werden. Bezahlbarer Wohnraum für sozial schwächere Mieter sei derzeit zwar noch „ausreichend“ in der Stadt vorhanden. „Wir werden die Entwicklung aber sorgfältig im Auge behalten“, sagt Paul Zündorf mit Blick auf notwendige Modernisierungsmaßnahmen und damit einhergehende Mieterhöhungen.

Der an der Rütger-von-Scheven.Straße gefundene Mietkompromiss wird auch von der Jobcom des Kreises Düren und vom Dürener Sozialamt mitgetragen. „Es ist sinnvoll, eine geringfügige Überschreitung der Mietobergrenze zu akzeptieren, wenn gleichzeitig wegen der energetischen Sanierung die Nebenkosten stark gesenkt werden“, rechnet Jobcom-Leiter Karl-Josef Cranen vor.

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