Safer Internet Day: Dürener Cyber-Polizist erzählt

Aktionstag für Web-Sicherheit : Wenn das Internet zum Tatort wird

Anfang Januar machte ein großer Datenklau Schlagzeilen: Hunderte Politiker und Prominente wurden Opfer eines Hackerangriffs. Einer, der darin auch etwas Positives sieht, ist Holger Weinhold. Er ist bei der Dürener Kreispolizeibehörde Cyber-Polizist – oder weniger salopp formuliert: Er ist spezialisiert auf Computer-Kriminalität.

Weinhold sagt: „Das Abgreifen von Daten ist Alltag. Dass das mal Promis trifft, hat den Vorteil, dass es aufmerksam macht.“ Dieser Fall habe viele Menschen wachgerüttelt, zu viele hätten aber immer noch nicht verstanden, dass sie genau so leicht zum Opfer werden können und dass sie ihre Daten im Internet schützen müssen, um das zu verhindern.

Den heutigen internationalen Aktionstag „Safer Internet Day“ möchten Holger Weinhold, seine Kollegen von der Kriminalprävention und dem Opferschutz sowie die Verbraucherzentrale Düren dafür nutzen, die Bürger zu sensibilisieren, sie auf Risiken hinzuweisen und ihnen hilfreiche Alltagstipps an die Hand zu geben.

Weinholds Spezialgebiet, die Computer-Kriminalität, ist ein weites Feld. Es reicht vom Abgreifen persönlicher Daten über Fakeshops, die per Vorkasse bezahlte Ware nicht versenden, bis hin zu Mobbing und Stalking im Netz oder sexualisierter Gewalt über das Internet. Eigentums- und Gewaltkriminalität sowie sexualisierte Gewalt sind die drei größten Deliktfelder im Bereich der Computerkriminalität. Die Polizei spricht in diesem Zusammenhang von den „Tatmitteln“ Internet und E-Mail.

Wenn Weinhold eine Anzeige auf den Tisch bekommt – aufgegeben entweder vor Ort bei der Polizei oder über das Internet bei der Online-Wache – dann fängt er mit den Ermittlungen an. Er sammelt Beweise und ist deshalb froh, wenn die Geschädigten, falls sie Schriftkontakt mit dem Täter hatten, die Korrespondenz gespeichert haben, wenn sie Fotos oder Screenshots gemacht haben. Für die digitale Spurensuche stehen dem Ermittler polizeiliche Werkzeuge zur Verfügung, über deren Funktionsweise Weinhold nichts verraten möchte. Nur so viel: „Jeder hinterlässt im Internet Spuren.“ Abgesehen von diesen Wegen stehen Weinhold aber noch viel leichter zugängliche zur Verfügung: „Es ist unglaublich, was Leute über Soziale Medien von sich preisgeben.“ Über Facebook, Instagram, Snapchat & Co. können aber nicht nur Ermittler Rückschlüsse für ihre Arbeit ziehen, sondern eben auch Kriminelle.

Wer glaubt, die jüngeren Generationen würden verantwortungsvoller mit ihren Daten im Netz umgehen als ältere, weil sie mit dem Internet groß geworden sind, der irrt. Weinholds Kollege Andreas Frings hat im Gegenteil das Gefühl, dass sie unbekümmerter und damit einhergehend unvorsichtiger im Umgang mit dem Netz sind. Aber ein Blick auf die ältesten Generationen zeigt: Auch wer das Internet nicht aktiv selber nutzt, ist dort zu finden. Täter durchsuchen beispielsweise das Telefonbuch online nach alt klingenden Vornamen, um Opfer für den Enkeltrick zu finden. Die Erkenntnis „Meine Daten sind im Netz, obwohl ich es selbst nicht bin“, habe schon bei so manchem Senior zu einem Aha-Effekt geführt, weiß Dietmar Schorn vom Kommissariat für Kriminalitätsprävention und Opferschutz.

Erst vor wenigen Tagen war er gemeinsam mit Hildegard Dapper, Leiterin der Beratungsstelle von der Verbraucherzentrale in Düren, bei einem Seniorennachmittag, um über das Thema zu informieren. „Das Internet können Sie aus keinem Lebensbereich raushalten“, machte Schorn auch dort klar. So auch nicht aus der Nachlassverwaltung. In Zeiten von digitalen Bildern, Online-Verträgen, Einkäufen im Internet und Sozialen Netzwerken lohnt sich eine weitsichtige Planung, damit mit den eigenen Daten im eigen Sinne verfahren wird.

Was alles zum so genannten digitalen Nachlass gehört und welche Vorkehrungen zu treffen sind, erklärt die Verbraucherzentrale am morgigen Mittwoch ab 15 Uhr in einem kostenfreien Vortrag in ihren Räumen, Wilhelmstraße 19. Anmeldungen unter 02421/2570401 oder per E-Mail an dueren@verbraucherzentrale.nrw.

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