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Dürener Sponsorenlauf und Spende: Rurtal-Schüler zeigen sich solidarisch mit Geflüchteten

Dürener Sponsorenlauf und Spende : Rurtal-Schüler zeigen sich solidarisch mit Geflüchteten

Mit großem Engagement unterstützt der Rotary Club Düren Geflüchtete aus der Ukraine. Jetzt bekam er eine Spende des Rurtal-Gymnasiums – und aus den Vereinigten Staaten.

Manche Spende kommt überraschend: Nachdem der Leiter des Rurtal-Gymnasiums, Dr. Werner Hickel, seinem Bruder vom Engagement der Schule für Geflüchtete aus der Ukraine berichtet hatte, meldete der Förderverein kurze Zeit später den Eingang einer Summe in Höhe von 4000 Euro. Absender war die Abteilung der Unternehmensberatung in New York, in der Hickels Bruder arbeitet. Garniert war die Zuwendung von einer Karte mit Fotos der Spender und einem Friedensgruß in Blau und Gelb.

Die Schüler des Gymnasiums waren schon vor den Sommerferien aktiv. Genauer: Sie begaben sich beim Spendenlauf im Juni auf unterschiedliche Strecken. Mehr als 4000 Kilometer legten die 480 Schülerinnen und Schüler dabei zurück – der entfernteste Start erfolgte in Zerkall. Zu den Startpunkten gelangten sie in Sonderwaggons der Rurtalbahn.

Jetzt wurden 80 Prozent des erlaufenen Geldes – der Rest fließt in die Arbeit der Schülervertretung – dem Rotary Club Düren überwiesen. Konkret: Die Rotarier, die sich seit dem Beginn des Ukrainekriegs auf vielfältige Weise für Menschen aus der Ukraine in Düren einsetzen, erhielten für ihre unermüdliche Arbeit 7700 Euro. Weitere 2000 steuerte der Förderverein der Schule aus der US-Spende hinzu.

Solidarität aus New York: Der Bruder des Rurtal-Gymnasium-Schulleiters Dr. Werner Wickel sammelte in seiner Firma für die Dürener Ukrainehilfe und sandte einen Friedensgruß.
Solidarität aus New York: Der Bruder des Rurtal-Gymnasium-Schulleiters Dr. Werner Wickel sammelte in seiner Firma für die Dürener Ukrainehilfe und sandte einen Friedensgruß. Foto: Patrick Nowicki

Dass dieses Geld herzlich willkommen und vor allem auch dringend benötigt wird, machte Dr. Bertram Barden deutlich, der beim Ausbruch des Ukrainekriegs Präsident der Dürener Rotarier war: „Der finanzielle Bedarf ist enorm.“ In enger Zusammenarbeit mit der Stadt schuf der Club zunächst eine Flüchtlingsunterkunft in Mariaweiler, deren meiste Bewohner inzwischen in Wohnungen vermittelt werden konnten. Lediglich eine Familie sei noch dort, berichtet Barden. In Spitzenzeiten seien dort 66 Personen untergebracht gewesen.

Aktuell unterstützt der Club die Unterkunft am Ellernbusch. Etwa bis zu 200 Personen finden dort Platz. Nach wie vor sind die meisten Geflüchteten Mütter mit ihren Kindern. Sorgen bereitet den Rotariern die Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt. „Es wird immer schwieriger, Betroffene zu vermitteln“, berichtet Barden.

Das Engagement des ehrenamtlich tätigen Vereins endet nicht dort. Zahlreiche Mitglieder und ihre Familien haben auch selbst Geflüchtete aufgenommen oder stehen ihnen als Paten zur Seite. Seit März arbeitet die aus der Ukraine stammende Diana Prudkova als Ansprechpartnerin für die Menschen aus den Kriegsgebieten. Finanziert wird ihre Stelle ebenso wie der Deutschkurs, der in Ergänzung zu den Integrationskursen angeboten wird und qualifizierten Geflüchteten den einfacheren Weg zu einem Job oder eine Ausbildung ebnen soll. Darüber hinaus beteiligt sich der Club an der Finanzierung des von Vera Legner ehrenamtlich gesteuerten Kleinbusses.

Für den aktuellen Präsidenten des Rotary Clubs Düren, Dürens ehemaliger Bürgermeister Paul Larue, reißt die Arbeit also nicht ab. Er selbst pflegt enge Kontakte zu Dürens Partnerstadt Stryj im Westen der Ukraine. „Die meisten Geflüchteten aus dieser Region und aus Kiew sind wieder zurückgekehrt, nachdem die Kämpfe dort abgeebbt sind“, berichtet Larue. Anderen Ukrainern ist die Rückkehr in die Heimat noch nicht möglich, weil dort Kämpfe toben.

Internationale Vorbereitungsklassen

Dass sich auch das Rurtal-Gymnasium um Betroffene aus der Kriegsregion verdient macht, kommt nicht von ungefähr. An der Schule bestehen zwei internationale Vorbereitungsklassen mit jeweils bis zu 18 Schülern. „Etwa die Hälfte kommt inzwischen aus der Ukraine“, berichtet Dr. Werner Hickel, der mit weiteren Zuzügen rechnet. Das Konzept der Schule sieht vor, dass in den internationalen Klassen intensiv Deutsch gelernt wird und die Schüler dort regelmäßig am Unterricht der Regelklassen teilnehmen. „Damit haben wir in der Flüchtlingssituation im Jahr 2015 gute Erfahrungen gemacht“, sagt der Schulleiter.

Außer Larue und Barden bedankte sich auch Dr. Johannes Lambertz im Namen der Rotarier. Dass der Dürener Club mit dem Spendenlauf des Rurtal-Gymnasiums bedacht wurde, lag laut Hickel auf der Hand: „Hier wissen wir, dass das Geld auch unmittelbar vor Ort eingesetzt wird und ankommt.“ Die ebenso überraschende wie erfreuliche Spende aus den Vereinigten Staaten komme nun obendrauf.