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Rur-Renaturierung: WVER plant Abriss des Köttenicher Wehrs

Renaturierung der Rur bei Huchem-Stammeln : Wasserverband plant den Abriss des Köttenicher Wehrs

Mit Blick auf die Zukunft der Rur hat der  nach ihr benannte  Wasserverband Eifel-Rur (WVER) ein  erklärtes Ziel: Der in der 50er und 60er Jahren weitgehend begradigte Fluss soll wieder ein naturnahes Erscheinungsbild erhalten und durchgängig für Fische werden - ganz so, wie es auch die Europäische Wasserrahmenrichtlinie verlangt. Dafür ist aber noch viel  zu tun. 2021 soll das Köttenicher Wehr abgerissen werden.

Immer noch befinden  sich  zwischen Obermaubach und der niederländischen Grenze 42 Querbauwerke, die zwar die Fließgeschwindigkeit verringern, aber auch verhindern, dass zum Beispiel die in den vergangenen Jahren auch im Raum Düren ausgesetzten Lachse den Weg zurückfinden können. Eines der größeren Hindernisse ist das etwa ein Meter hohe Köttenicher Wehr in Höhe Huchem-Stammeln. Daran ändert auch die seinerzeit seitlich am Wehr angelegte Fischtreppe nichts. „Die Barbe würde normalerweise die Rur 30 Kilometer rauf und runter schwimmen, aktuell beschränkt sich ihr Lebensraum aufgrund der Querbauwerke aber nur auf weniger als zwei Kilometer“, verdeutlicht Diplom-Biologin Dr. Antje Goedeking vom WVER .

Basierend auf einem früheren Projekt hat der WVER daher begonnen, die Renaturierung eines 1,1 Kilometer langen Flussabschnittes zwischen dem Merkener Steg, der kleinen Brücke zwischen Merken und Huchem-Stammeln,  und der Einmündung des sogenannten „Langen Grabens“ zu planen. Herzstück des rund 5,5 Millionen Euro teuren Projekts ist der Abbruch des Köttenicher Wehrs. Um das Gefälle auszugleichen, wird das Bett der Rur in diesem Bereich verlegt, der Fluss rund 300 Meter länger, erklärt Antje Goedeking. Aber nicht nur das. Die Rur wird auch deutlich breiter, von bislang 20 auf bis zu 35 Meter, und bekommt auch wieder natürliche Überschwemmungsflächen. Es werden Schotterbänke angelegt, die bei einem normalem Flusspegel freiliegen, aber sicherlich mehr als einmal im Jahr unter Wasser stehen werden, so dass auf ihnen eine  ganz eigene Pflanzenwelt entstehen wird, verdeutlicht die Biologin.  Einzelne Bereiche sollen neu bepflanzt werden, zudem soll gezielt Totholz im Fluss positioniert werden.  So entstehen nicht nur Ruhebereiche, in denen Fische Unterschlupf finden können, das Holz ist zudem Lebensraum für Kleinlebewesen im Wasser.

Ein erster, noch nicht endgültiger Entwurf der Rurnaturierung am Köttenicher Wehr. Foto: WVER

 Und im Zusammenhang mit der Renaturierung wird auch der Einmündungsbereich des  Lendersdorfer Mühlenteichs baulich verändert, damit ruraufwärtsschwimmende Fische, die von der Strömung geleitet werden, nicht in die Wassermühlen der Industriebetriebe geraten und im Fluss bleiben.

Teil der Planung sind auch eine teilweise Verlegung des RuruferRadweges, der Bau neuer Aussichtspunkte, von denen aus Radfahrer und Wanderer in Zukunft das neue Rurbild genießen können, und eine  standortgerechte Aufforstung des angrenzenden Schoeller-Waldes, den der WVER ebenso erworben hat, wie einige angrenzende Wiesenflächen.

Noch befinden sich die Überlegungen des WVER in der Entwurfsphase, aber schon in wenigen Wochen sollen konkrete Pläne beim Kreis Düren zur Genehmigung eingereicht werden. Die erwartet der WVER im Laufe des kommenden Jahres, um dann beim Land NRW die angestrebte 80-prozentige Förderung der Gesamtmaßnahme beantragen zu können. Stand heute soll im Jahr 2021 mit der Renaturierung und dem Abriss des Köttenicher Wehrs begonnen werden.  Danach ist die Rur zwischen Selhausen und dem Wehr bei Merken auf einer Länge von 2,6 Kilometern durchgängig, weitere Maßnahmen werden folgen müssen.