Nörvenich: Römische Spuren: Heimatforscher finden am Neffelbach Fundstücke

Nörvenich: Römische Spuren: Heimatforscher finden am Neffelbach Fundstücke

Seit über 100 Jahren ist bereits bekannt, dass im Gemeindegebiet Nörvenich eine nicht unbedeutende römische Ansiedlung bestanden haben soll. Dr. August Schoop, Historiker und Heimatforscher aus Düren, hat bereits 1905 das Römerfeld von Nörvenich als das größte römische „Trümmerfeld“ des alten Kreises Düren bezeichnet.

Man munkelte über spektakuläre Funde von Privatleuten, aber auch professionell ausgestatteten Schwarzsuchern, die sogar während der Nacht das kulturelle Erbe systematisch ausplünderten.

Dieser Ort wurde in den einschlägigen Kreisen bundesweit im Internet als Geheimtipp gehandelt. Vor vier Jahren entschloss sich der örtliche Heimat- und Geschichtsverein, diesem Treiben ein Ende zu setzen und Licht in das antike Dunkel zu bringen. Der neu gegründete Arbeitskreis Archäologie startete in Zusammenarbeit mit dem LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland und mit Genehmigung von Eigentümern und Verwaltern des Antoniterhofes die erste Begehung im November 2009.

Seitdem hat der Arbeitskreis Archäologie 17 Suchtermine auf dem 22 Hektar großen Römerfeld organisiert. „Wir hatten dabei Glück, denn von Anfang an haben uns zahlreiche Sondengänger mit teilweise jahrzehntelanger Erfahrung bei der Suche sehr erfolgreich unterstützt“, erläutert Klaus Mühlbauer, Leiter des Arbeitskreises Archäologie.

Das Areal ist seit den achtziger Jahren eingetragenes Bodendenkmal. Grabungen sind strikt untersagt. Die Bergung antiker Gegenstände beschränkt sich demnach ausschließlich auf oberflächennahe Suche.

„Wir haben unser Ziel erreicht. Über 300 Münzen, rund 400 keramische Fundstücke und rund 500 sonstige Metallteile konnten geborgen werden. Wir sind uns sicher, dass Schwarzsucher nun keine großen Erfolge mehr haben werden“, bewertete der Experte für antike Funde, Hans-Dieter Pütz, die gesamte Aktion. Die Funde belegen eine Besiedelung des Areals über einen Zeitraum von rund fünf Jahrhunderten.

Ein wichtiges Ereignis hat im Oktober 2012 stattgefunden. Über eine Woche lang hat das archäologische Institut der Universität zu Köln das römische Areal mit hochmodernen Messgeräten untersucht und festgestellt: Hier befand sich kein römischer Bauernhof (Villa rustica) wie sie in der Zülpicher Börde zahlreich vorkamen, sondern eine wohl bedeutende römische Zivilsiedlung.

Nörvenich existierte also bereits zur Römerzeit, unter welchem Namen auch immer. Das sei noch zu erforschen. Ein Flyer, gestaltet vom Stephan Mros, gibt nähere Auskunft über die Funde und über die Ausstellungen und Vorträge im kommenden Jahr. Er liegt ab sofort in verschiedenen Geschäften in Nörvenich aus.