Düren: Rockige Klänge im Seniorenheim

Düren: Rockige Klänge im Seniorenheim

„Ich habe früher auch immer gerne musiziert und hatte Zuhause so eine kleine Orgel. Sie hat mir immer Freude bereitet“, erzählt Maria Bartoschek. Heute lebt sie im Hermann-Koch-Seniorenzentrum der Awo — und sie ist Mitglied einer Band, einer Rockband.

Auch Alfred Bongenberg sitzt mit auf der Bühne, wippt das Tamburin im Takt, während neben ihm E-Gitarre und Schlagzeug erklingen.

„Mir gefällt es hier sehr gut, die Pfleger sind nett zu mir. Mit der Musik möchte ich dem Haus etwas zurückgeben“, erzählt der Senior, der schon immer an Musik interessiert war. Besonders gerne mag Bongenberg klassische Musik. Auf der Bühne präsentiert er aber etwas ganz anderes: „Knockin‘ on Heaven‘s Door“ und „I am sailing“ zum Beispiel. Und den übrigen Senioren im Publikum gefällt es. Sie freuen sich, dass jemand Musik für sie macht. Denn neben Maria Bartoschek und Alfred Bongenberg gehören noch Mathilde Weber und fünf Mitarbeiter des Seniorenzentrums zur Band. In Zukunft sollen noch mehr Senioren mit auf der Bühne auftreten — und Mitsingen darf ohnehin jeder.

Offene Türen eingerannt

Die Idee, eine gemischte Band aus Mitarbeitern und Bewohnern zu gründen, hatte Wohnbereichsleiterin Daniela Wenzel. „Rock‘ldies“ nennt sich die Gruppe. Und als wäre die Band nicht vom Erscheinungsbild her schon ungewöhnlich genug, kommt noch ein anderer Faktor hinzu: Keines der Bandmitglieder konnte ein Instrument spielen.

Für das Projekt haben sie Bass, Gitarre, Schlagzeug und Keyboard gelernt. Jenny Obländer ist als Sängerin aktiv. „Ich wollte schon immer Schlagzeug lernen“, erzählt Svenja Bank. Das Band-Projekt gab ihr nun den entscheidenden Impuls. „Wir haben im Team Spaß bei der Sache, unternehmen mit den Bewohnern etwas und bereiten den Zuhörern Freude“, fasst sie die positiven Effekte zusammen. „Für die anderen Bewohner ist es etwas besonderes, wenn Menschen auf der Bühne stehen, die sie kennen“, unterstreicht Daniela Wenzel.

Deswegen hat Daniela Wenzel mit ihrer Idee bei Einrichtungsleiterin Petra Strömer auch offene Türen eingerannt. „Ein Musikprojekt wollte ich schon immer machen. Musik macht Freude, sie ermöglicht es, Gefühle auszudrücken, sie bewegt etwas in den Menschen“, nennt Strömer positive Effekte. Zudem stärke das Projekt die Bindung zwischen Bewohnern und Mitarbeitern. Es gehe aber auch um die Förderung von Kreativität, Mobilität und Selbstständigkeit.

Dank einer finanziellen Förderung konnten Instrumente und Noten angeschafft werden, für die zwei Proben pro Woche bekommen die Mitarbeiter während des Arbeitstages Zeit. „Das Projekt funktioniert aber nur dank des großen Engagements der Mitarbeiter“, lobt die Einrichtungsleiterin.

Die „Rock‘ldies“ haben mit rockigeren Songs angefangen, aber auch schon „99 Luftballons“ und andere Lieder einstudiert. Es gilt, eine Balance zu wahren, damit das Gemeinschaftsprojekt den jungen Mitarbeitern und den Senioren Freude bereitet.

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