Robert Ciuraj präsentiert 20. Ausstellung Be My Guest

Robert Ciuraj lädt zur Ausstelllung ein : Schrott suchen, Skulpturen finden

Robert Ciuraj ist kein Maler, aber er kommt sich oft so vor: „Bei mir ist es wie bei einem Maler, der vor dem weißen Blatt steht. Es ist ein Suchen und Finden.“ Etwas vereinfacht ausgedrückt sucht Ciuraj Schrott und findet Skulpturen.

Zumindest versucht er, dem Gefundenen eine neue Form zu verleihen – zu betrachten ist das am Sonntag zwischen 11 und 17 Uhr Uhr in seinem Atelier auf der Alten Jülicher Straße 107, wenn er zum 20. Mal zu seiner Ausstellung „Be My Guest“ einlädt und neben eigenen Werken auch die Arbeiten von Theo Kerp präsentiert.

Skulpturen sind die Leidenschaft von Ciuraj, der als Autodidakt seit vielen Jahrzehnten „Dinge schafft, die sonst keiner machen kann“, wie er es selbst formuliert – und damit glücklich ist. Es ist der kreative Prozess, der ihn an seiner Arbeit so reizt: „Ich habe Bilder im Kopf, wie eine Skulptur aussehen könnte, ob sie filigran ist, aufstrebend. Ich versuche dann, mich dieser Form zu nähern.“

Im weitesten Sinne arbeitet Ciuraj mit Müll, also mit Produkten der Industriegesellschaft, die ihren Zweck bereits erfüllt haben. „Dadurch wird man entweder eingeschränkt oder in eine ganz andere Richtung geleitet und kommt zu ganz anderen Ergebnissen“, sagt er. Es muss also nicht immer das Bild im Kopf sein, dem er sich anzunähern versucht, der kreative Prozess kann durchaus auch eine Eigendynamik entwickeln.

Erst Recht, wenn er mit Materialien experimentiert. Zum Beispiel wenn er in einem Container Gazestoff entdeckt. Beim Suchen und Finden von Materialien gehört die Frage ‚Was kann man damit machen?‘ zwangsläufig mit dazu. Im Fall des Gazestoffes hat er durch Übereinanderschichtung einzelner Stoffteile eine Grafik erstellt – das Material hat hier die Form vorgegeben.

Bereits als Schüler hat sich Ciuraj für die Kunst interessiert, ist zu Ausstellungen gefahren, hat Werke von Pollock in München gesehen und sich gedacht ‚Das kann ich auch‘ – und ist bei dem Versuch, nachzuahmen, kläglich gescheitert. Anfang der 1970er Jahre hat sich der Student Ciuraj in der Kölner Kunstszene getummelt und entdeckte sein Interesse für Skulpturen. „Ich hatte kein Geld, um Kunstwerke zu kaufen“, erinnert er sich.

Stattdessen hat er selbst angefangen, mit Materialien zu experimentieren. Erste Holzskulpturen, die er mit Dosenblech benagelt hat, sind so entstanden. „Alleine deswegen haben meine Frau und ich lange Zeit aus Konserven gegessen“, erzählt Ciuraj amüsiert – und ist bis heute froh darüber, dass seine Frau ihn immer unterstützt und „nicht einfach vor die Tür gesetzt“ hat.

Ciuraj hat Behindertensport studiert und 36 Jahre als Lehrer an der Blindenschule in Düren gearbeitet. „Ich habe zwischendurch ernsthaft darüber nachgedacht, den Job hinzuschmeißen“, erzählt er. Nicht, weil er nicht gerne Lehrer war, sondern weil ihn die Arbeit mit unterschiedlichen Materialien und dieser kreative Prozess, Unnützem, Verbrauchtem eine neue Form und damit einen neuen Sinn zu geben, so reizte. „Ich hatte aber eine Familie. Und als Autodidakt in Deutschland mit Kunst sein Geld zu verdienen, ist nahezu unmöglich“, sagt er und blieb seinem Job bis zur Rente treu. Und der Kunst auch.

In seinem Haus und dem Atelier türmen sich seine Arbeiten und zeugen von einem unermüdlichen Arbeitsdrang. Im Mittelpunkt seiner Arbeiten steht die Form, das Material, es geht um Raum, um Kontraste. „Mir geht es nicht um Gesellschaftskritik oder politische Aussagen“, sagt Ciuraj, der einen schnell in eine politische Diskussion verwickeln kann, wenn man ihm begegnet. „Meine Kunst muss keine Aussage haben, aber präsent sein“, erklärt er.

Präsent vor allem in dem Sinne, dass der Betrachter sich seine eigene Meinung bildet. Denn auch wenn Ciuraj sagt, dass er seine Kunst in erster Linie für sich selbst formt und er derjenige ist, der damit zufrieden sein muss, setzt er dennoch auf die Interaktion mit dem Betrachter.

Am Sonntag nun schon zum 20. Mal im Rahmen der Ausstellungsreihe „Be My Guest“, zu der er den Kerpener Künstler Theo Kerp eingeladen hat, der sich unter anderem der gegenstandslosen Malerei verschrieben hat, Grafiken erstellt, zeichnet und fotografiert. „Ich wollte von Anfang an Ausstellungen nicht alleine, sondern mit einem auswärtigen Gast bestreiten“, sagt Robert Ciuraj und hat die „Be My Guest“-Reihe deshalb auch in Form eines Salons angelegt – mit Gastkünstler, Lesungen oder Musik. Gäste sollen sich schließlich wohlfühlen.

Mehr von Aachener Zeitung