Nideggen: „Ritterkonvent“ präsentiert das Leben im Mittelalter

Nideggen : „Ritterkonvent“ präsentiert das Leben im Mittelalter

Die Altstadt von Nideggen und die sie beherrschende Burg boten zumindest am Samstag vor Pfingsten sehr unterschiedliche Ansichten. Während sich zwischen den Toren der Stadt Oldtimer zu einer Rallye formierten, lagerten vor der Burg Männer, Frauen und Kinder in mittelalterlichen Outfits. Zum dritten Mal hatte der „Deutsche Ritterkonvent“ auf und rund um die Burg seine Zelte aufgeschlagen.

Und wie es aussieht, werden die Freizeitritter in ihrem jeweiligen Habitus als Knechte und Mägde, Bauern, Ritter und Edelleute aller Schichten auch die nächsten Jahre an einem Wochenende in Nideggen den Besuchern zeigen, wie es auf einer mittelalterlichen Burg zugegangen ist. Die Leiterin des Burgenmuseums, Luzia Schlösser, war auch in diesem Jahr wieder begeistert über den Besuch von etwa 50 Angehörigen des Ritterkonvents. „Der Deutsche Ritterkonvent ist ein Garant für eine absolut korrekte und heraldisch einwandfreie Darstellung der Stände des 13. Jahrhunderts“, fasste Schlösser ihr Lob zusammen.

Heinrich spielt mit seiner Tochter Frieda ein mittelalterliches Knöchelspiel. Foto: Bruno Elberfeld

Die Gäste auf der Burg konnten die Begeisterung nachvollziehen. Da saßen ein Mann und eine Frau in Bauerskleidung und zauberten Fußbekleidung aus Wollfäden durch Nadelbinden. Nadelbinden ist eine Technik aus der Bronzezeit bis zur Erfindung des Strickens. Rahel Haas und ihr Partner Dustin Flock beherrschen aber auch die Kunst des Brettchenwebens.

Am Nebentisch sind Heinrich und seine neunjährige Tochter Frieda in ein Knöchelspiel vertieft. Spielsteine aus Schafsknochen gilt es geschickt auf den Handrücken zu balancieren. Neben dem mittelalterlichen Schach auf einem handgefertigten Brett samt Figuren wartet „Alkerke“ auf Spieler. Je 12 Spielsteine aus Knochen werden über ein Brett geschoben. Alkerke ist ein Spielemix aus Mühle und Dame. An einem offenen Feuer brät ein Mann Frikadellen, der Duft ist eine Einladung zum Mitessen.

Neben einem echten Andalusier residieren Bettina und Gert Klein. Sie sind die Chefs und Gründer des Konvents, der Niederlassungen in ganz Deutschland hat. Die Kleidung des Paares ist fürstlich, von edlen Stoffen, besetzt mit ausgefallenen Steinen. Neuerwerb ist eine goldene Herzogskrone. Zwei Schwerter machen neugierig. Eines ist für den täglichen Gebrauch, das andere trägt der Mann aus dem Hochadel nur bei besonders festlichen Anlässen. „Der Deutsche Ritterkonvent demonstriert historische Begebenheiten auf historischem Boden“, erklärt Gert Klein seine Beweggründe.

Der Konvent sehe sich als Bindeglied zwischen Burgenmuseen und Besuchern. Neben den Produkten der Gürtler und Goldschmiede konnte auch die Buchgestaltung im Mittelalter bewundert werden. An allen Tagen gab es eine Modenschau mit Kleidung aus der Zeit des 12. bis 14. Jahrhunderts. Präsentationen von mittelalterlichen Waffen und Rüstzeug begeisterten Groß und Klein im Rahmen ritterlicher Schaukämpfe auf dem Burghof. Der Wunsch eines Besuchers: „Ritterspiele im großen Stil im Rittersaal der Burg wären toll.“