Langerwehe: Rettungshunde: Helfer mit ausgezeichneter Nase

Langerwehe : Rettungshunde: Helfer mit ausgezeichneter Nase

Ein Leben ohne Hunde ist für Gloria Genreith undenkbar. Die 32-jährige Verwaltungsfachangestellte des Bistums Aachen ist mit Vierbeinern aufgewachsen. Viele Jahre hat sie aktiv Hundesport betrieben, seit 2010 ist sie mit ihrem Hovawart-Rüden Bruce bei der Rettungshundestaffel des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) der Städteregion Aachen aktiv.

„Mir hat beim Hundesport der Sinn gefehlt“, sagt Gloria Genreith. „Und als ich irgendwann einmal die Vorführung einer Rettungshundestaffel gesehen habe, wusste ich, dass das genau das ist, was ich machen will.“

Rettungshunde brauchen ein offenes, freundliches Wesen, müssen Menschen mögen und eine gute Nase sowie einen hohen Spiel- oder Beutetrieb haben. Außerdem sollten sie sehr gehorsam sein. Die Ausbildung von Hund und Mensch dauert rund zwei Jahre. „Die Rettungshundestaffel“, erklärt Genreith, „wird in Notfällen von der Polizei angefordert. Wir suchen vermisste Personen. Das können Kinder sein, aber auch Demenzkranke oder Suizidgefährdete.“ Manchmal, ergänzt die Hundeliebhaberin, würden Menschen nach einem Verkehrsunfall unter Schock weglaufen. „Die müssen wir dann finden.“

In der Regel hat Genreith rund 30 Einsätze mit der Rettungshundestaffel pro Jahr, trainiert wird (fast) jeden Tag. Von ihrem Arbeitgeber hat die Langerweherin die Erlaubnis, bei Einsätzen sofort zum Treffpunkt der Rettungshundestaffel in Eschweiler zu fahren, wenn die Polizei sie anfordert. „Ich muss die Zeit, die ich bei der Arbeit fehle, nacharbeiten. Aber ich bin meinem Arbeitgeber sehr dankbar, dass er mir diese Möglichkeit gibt.“

Das Suchen, ergänzt Genreith, sei für die Tiere schon harte Arbeit. Weil sie sehr häufig über die vermissten Personen nichts wissen würden, müssten die Hunde die Witterung nach jedem menschlichem Geruch aufnehmen. Genreith: „Der Hund sucht in einem Radius von 200 Metern, das heißt, ich kann ihn manchmal gar nicht mehr sehen. Ist die vermisste Person gefunden, muss mein Hund so lange bellen, bis ich da bin. Und das auch, wenn die vermisste Person laut schreit oder versucht, die Hunde wegzujagen.“

Eigentlich sind Hovawarts eher untypische Rettungshunde — aber sie sind Gloria Genreiths absolute Lieblingsrasse. „Der Hovawart ist eher ein Wachhund“, sagt sie. „Vor allem wegen seiner Größe. Aber wenn man früh mit dem Training anfängt, werden sie auch gute Rettungshunde.“ So wie Bruce, der seit mittlerweile acht Jahren mit Gloria Genreith im Einsatz ist. „Bruce wird bald in Rente gehen. Der Einsatz als Rettungshund ist für die Tiere schon anstrengend. Im Schnitt können sie den Dienst zwischen acht und zehn Jahren leisten.“

Erstes Training mit zehn Wochen

Trotzdem will Gloria Genreith in ihrem Ehrenamt weiterhin aktiv bleiben. Seit knapp einem Jahr lebt daher Toni, ein elf Monate alter Hovawart-Welpe, bei ihr und Bruce — und die beiden Hunde sind mittlerweile richtig gute Freunde geworden. Gloria Genreith hat sich sehr genau Tonis Eltern angeschaut — beide waren im Schutzdienst aktiv. „Tonis Mutter hat sechs kleine Rüden zur Welt gebracht. Ich habe mir Toni ausgesucht, weil er der Mutigste von allen war.“ Die 32-Jährige hat überprüft, wie das Hundebaby auf knisternde Folie regiert und, ob es sich traut, durch einen kleinen Tunnel zu laufen. „Rettungshunde dürfen nicht ängstlich sein, zumal ich Toni nicht nur als Flächensuchhund, sondern auch als Trümmersuchhund ausbilden möchte.“

Mit zehn Wochen hatte Toni seinen ersten Trainingstag, wobei gerade am Anfang sehr spielerisch mit den Hunden gearbeitet wird. „Bis jetzt klappt alles sehr gut, und Toni ist mit großer Begeisterung dabei. Ich bin zuversichtlich, dass er ein guter Rettungshund wird.“ Gerade sei der Hund in einer wichtigen Phase. Er ist mitten in der Pubertät. „Jetzt ist es wichtig, dass er den Spaß am Training nicht verliert.“

Da muss Genreith sich aber keine Sorgen machen. „Meine Hunde wollen beide arbeiten, sie wollen gefordert werden.“ Sie sei zuletzt mit den Beiden einige Tage im Urlaub gewesen. „Bloße Spaziergänge waren für Bruce und Toni schnell zu langweilig. Also haben wir sogar im Urlaub ein bisschen trainiert.“