Merzenich: Restaurierung der Pfarrkirche kostet mindestens 1,1 Millionen Euro

Merzenich: Restaurierung der Pfarrkirche kostet mindestens 1,1 Millionen Euro

Wie lange die Restaurierung der Merzenicher Pfarrkirche St. Laurentius dauern soll — da wollen sich weder Pfarrer Heinz-Dieter Hamachers noch sein Stellvertreter im Vorsitz des Kirchenvorstandes, Peter Dreßen, festlegen.

Eines ist sicher: Mindestens 1,1 Millionen wird es die Kirchengemeinde kosten, ihr Gotteshaus wieder so herzurichten, dass in ihm Menschen ohne Sorgen um ihre Sicherheit beten können. Denn im Altarraum gibt es viele Risse, von unten bis in das höchste Gewölbe.

Bau- und Sicherungsprojekte sind für Seelsorger Hamachers nichts Neues — zumal er die Katholiken des Ortes schon seit fast 37 Jahren betreut (und außerdem seit geraumer Zeit für Morschenich, Golzheim und Girbelsrath zuständig ist). „In den 90er Jahren hatten wir schon mal eine Außensanierung“, erinnert sich der Priester, „und um das Jahr 2000 kam das Thema Innensanierung auf.“

Erste Gespräche mit dem Bistum, dem Bergbautreibenden und den Gremien der Pfarre wurden zeitig geführt. Auch um den Rat von Fachleuten haben sich die Merzenicher zeitig bemüht. Vorerst kein Glück hatten sie mit der Anerkennung der Risse und anderen Verletzungen des Baukörpers als Bergschäden: Der Gutachter habe attestiert, dass das neogotische Gebäude auf einer keilförmigen Scholle stehe und von Bergschäden keine Rede sein könne, erinnert sich der Pfarrer.

So müssen die, die im Kirchenvorstand für St. Laurentius Verantwortung tragen, sehen, wie sie die Kosten stemmen können. „Der Großteil fällt wohl der Pfarre zu“, sagt Heinz-Dieter Hamachers. Ganz ohne Optimismus gehen der Pastor und seine Mitstreiter nicht an das Vorhaben: „Wir hoffen auf Spenden und das Bistum.“

Dass der Gutachter damals geurteilt habe, dass die „Ursachen nicht feststellbar“ seien, erleichtere die Suche nicht gerade. Wobei sich die Gläubigen vor Ort sich schon spendabel zeigen: „Einmal im Monat gibt es eine Kollekte für dieses Vorhaben“, berichtet Peter Dreßen.

Der Gang der Arbeiten, die drei Tage vor Weihnachten im Jahr 2011 mit dem Aufstellen eines Sicherungsgerüstes vor dem Altarraum begonnen haben, nimmt sich auf jeden Fall für die Besucher der Kirche richtiggehend spektakulär aus.

Altar und Tabernakel wurden ins Hauptschiff vorgezogen. Und wenn Pfarrer Hamachers jetzt mit den Gläubigen die Messe feiert, ragt unmittelbar hinter ihm eine große, graue Wand auf. Der Chor, der sonst Ort des liturgischen Geschehens ist, bleibt den Blicken der Betrachter seit einiger Zeit entzogen.

Volks- und Hochaltar sind mit Folien abgeschirmt. Zu beiden Seiten ragen seit dem 19. November 2011 Stahlgerüste bis unters Dach. Die Geräte der Handwerker lärmen durch den Raum, und wie auf jeder guten Baustelle herrscht ein sorgfältiges geordnetes Chaos.

Gerade in diesen Tagen tut sich Entscheidendes auf dieser Baustelle im geweihten Raum. So werden von außen regelrechte Korsettstangen durch das Mauerwerk des Altarraums getrieben, um ihm so mehr Stabilität zu verleihen.

Gleichzeitig sind auf den Gerüsten im Inneren Maurer und Steinmetze unterwegs, um die Risse in der Decke und anderen Bereichen dieses Trakts der 1912 geweihten Kirche wie in der sogenannten „Abstellsakristei“ auszubessern — und zwar möglichst so, dass es jetzt für Generationen hält.

Während dieser Arbeiten haben Vertreter des Denkmalschutzes und Experten für die Restaurierung von Sakralbauten auch noch allerlei Malereien aus der Zeit der Einweihung zu Beginn des 20. Jahrhunderts gefunden. Denn alles in allem ist St. Laurentius zu Merzenich ein richtiges Schatzhaus. Nur sehen können es halt zur Zeit nur ein paar wenige glückliche Auserwählte.

Mehr von Aachener Zeitung