Düren: Reflex: 102 Mitarbeiter zittern um Arbeitsplatz

Düren: Reflex: 102 Mitarbeiter zittern um Arbeitsplatz

18 Monate nach der Übernahme durch die Hahnemühle-Gruppe steht die Premium-Papier-Produktion im Werk Reflex an der Veldener Straße erneut vor einer ungewissen Zukunft. Die Geschäftsführung der im Januar 2012 gegründeten „Reflex Premium Papier AG“ hat beim Amtsgericht Aachen die Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet.

102 Mitarbeiter müssen wieder um ihren Arbeitsplatz zittern. Die Hoffnung der Hahnemühle-Geschäftsführer Michael Siekiera und Friedrich Nebel, mit dem Engagement in Düren und den damit verbundenen Zanders-Markenrechten zum führenden Premium-Papier-Hersteller in Europa aufzusteigen, ist nicht in Erfüllung gegangen. Obwohl die Gesellschafter nach eigenen Angaben in siebenstelliger Höhe investierten, habe das Werk nie schwarze Zahlen geschrieben.

Kunden, die während der monatelangen Ungewissheit über die Zukunft des Werks noch zu Zeiten des finnischen Vorbesitzers M-Real abgesprungen waren, seien nicht wieder zurückgekehrt, nennt Ernst Ungermann von der zuständigen Gewerkschaft IGBCE einen der Gründe für die Schieflage. Die Geschäftsführung verweist auf die andauernde Krise auf dem Markt für grafische Papiere, die Preisanpassungen im benötigten Rahmen unmöglich gemacht habe, nennt aber auch Misserfolge bei Ausschreibungsgeschäften.

Dies habe dazu geführt, „dass sich die Situation bei Reflex trotz aller denkbaren Maßnahmen zur Kostensenkung und Erlössteigerung weiter verschärft hat“. Auch die Zugeständnisse der Belegschaft, die nach IGBCE-Angaben schon bei der Übernahme in einer Standortvereinbarung neben kostenloser Mehrarbeit unter anderem auch auf Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichtet hatte, konnten daran nichts ändern. Schon im vergangenen Oktober musste die Geschäftsführung die Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken.

Jetzt sah man sich zur Anmeldung der Insolvenz in Eigenverwaltung gezwungen, „da die liquiden Mittel des Unternehmens weitgehend aufgezehrt sind“. Eine Überschuldung bestehe aber nicht, heißt es weiter. Die Mitarbeiter erhalten in den kommenden drei Monaten Insolvenzgeld von der Agentur für Arbeit. Zeit, die das um den Kölner Rechtsanwalt und Sanierungsexperten Dr. Jörg Gollnick erweiterte Management nutzen will, um das Unternehmen zu sanieren und den Fortbestand zu sichern.

Was das heißt, bringt Ernst Ungermann auf den Punkt: „Das A und O wird es sein, einen neuen Investor zu finden. Das wäre der Glücksfall.“ Gollnick betont, man werde mit dem vorläufigen Sachwalter ausloten, welche Sanierungsmöglichkeiten es gebe. „Wir wollen dabei die Vorteile des Insolvenzverfahrens nutzen“, erklärt Gollnick. Zu Folgen für die Belegschaft wollte er sich am Donnerstag nicht äußern. Dazu sei es noch zu früh.

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