Vossenack: Pupparium Spectaculum: Sieben Bühnen-Tote bei Abschlussauftritt

Vossenack: Pupparium Spectaculum: Sieben Bühnen-Tote bei Abschlussauftritt

Zum Abschied wollten es die Organisatoren noch einmal richtig krachen lassen. Das 20. und letzte Figurentheaterfestival Pupparium Spectaculum sollte am Wochenende einen unvergesslichen Schlussakkord setzen.

Das ist gelungen: Mit Mord und Totschlag wurde am Samstagabend die „Lange Abschiedsnacht der Puppen” eingeläutet. Sieben Bühnen-Tote sind die irrwitzig-komische Bilanz einer Kasperle-Aufführung in der Aula des Franziskus-Gymnasiums. Der Täter, eine etwa 20 Zentimeter große Handpuppe mit Zipfelmütze, ist nicht auf der Flucht: Er ließ sich stattdessen von den Zuschauern feiern, nahm stehende Ovationen entgegen.

„Ein Skandal!”, denken Sie womöglich. Mord und Totschlag im Puppentheater sind schließlich nicht politisch korrekt! Stimmt. Aber ungemein unterhaltsam.

Der von Frieder Kräuter vom Puppentheater Gugelhupf auf die Bühne gebrachte Kasper ist anders als seine Brüder, die auf Kindergeburtstagen und Verkehrserziehungsvorstellungen im Kindergarten auftreten: Befreit von intellektuellem Ballast und pädagogischen Fesseln schlägt sich der Ur-Kasper im wahrsten Sinne des Wortes durchs Leben.

In der schlichten Hau-drauf-Dramaturgie des ursprünglichen Kasperltheaters - an dem sich Frieder Kräuter unübersehbar orientiert - steckt schließlich ein Urstoff der darstellenden Künste, achwas, des menschlichen Daseins: Sex and Crime. Das Leben in allen Facetten des Figurentheaters zu zeigen: Das genau ist seit 20 Jahren Programm des Pupparium Spectaculums.

Wenn das Marionettentheater De Strippkes Trekker, das Franziskanische Jugendzentrum und die Rheinische Arbeitsgemeinschaft für Puppenspiel im Bezirk Aachen ins Kloster und in die Schule einladen, trifft Besinnliches auf Ruppiges, Charmantes auf Sprödes, Subtiles auf Plattes, Verträumtes auf schmerzlich Realistisches. Die Puppen tanzen? Nein. Das ist zu kurz gegriffen, ja abwertend. Die Puppen erwachen zum Leben, wenn sich der Vorhang hebt. Stets ist auch Magie im Spiel. Ein Zauber, der seit 20 Jahren Groß und Klein in seinen Bann geschlagen hat. So war es auch an diesem Wochenende.

Doch wo anfangen, bei insgesamt 30 Vorstellungen mit 1500 Gästen? Schließlich gibt es das Frühlingsfestival in dieser Form zum letzten Mal. Was also aufgreifen? Was beschreiben? Nichts. Denn jeder Versuch wäre zum Scheitern verurteilt.

Lieber beschreiben, was bleibt: glänzende Augen bei den Zuschauern, Erinnerungen, Freundschaften unter den Puppenspielern. „Wir haben vor 20 Jahren etwas losgetreten, womit wir nicht gerechnet hatten”, sagt Festival-Organisator Bruder Wolfgang Mauritz ofm. Längst ist er so etwas wie Vater einer aus der ganzen Republik zusammengewürfelten Familie. Einmal im Jahr kommt diese in Vossenack zusammen. „Mittlerweile bringen die einstigen Kinder ihre Kinder mit zum Festival”, sagt Bruder Wolfgang.

Das Kloster wird dann zur Herberge für Künstler und Helfer, im Hof entsteht ein Campingplatz. Eine schöne Sache, findet der Franziskaner. Das soll es auch in Zukunft geben: Freundschaften und Familientreffen, bei denen schon einmal bis in die Puppen gefeiert wird. Was in Vossenack hinter der Bühne gespielt wurde, ist nicht weniger intensiv als das Geschehen darauf.

Nur wird sich das Geschehen künftig verlagern. „Wir wagen etwas Neues, wollen den Kloster-Kultur-Keller mehr nutzen”, sagt Bruder Wolfgang. Personell und finanziell sei eine Fortsetzung des Festivals nicht mehr möglich gewesen. Figurentheater wird es aber weiterhin geben. Schließlich bleibt der Kloster-Kultur-Keller die Bühne der Strippkes Trekker, schließlich gibt es die Familie der Puppenspieler.

Nur anders soll es werden. Wie genau? Darüber werde nachgedacht, die Pläne sollen bald vorgestellt werden. „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne”, zitiert Festivalorganisator Bruder Wolfgang den Schriftsteller Hermann Hesse. Irgendwie beruhigend. Mit Magie kennen sich Puppenspieler schließlich aus.

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