Prozess vor dem Amtsgericht Düren: Rennen auf A4

Zu Geldstrafen verurteilt : Ein verbotenes Rennen auf der A4 vor Gericht

Bei einem Prozess vor dem Dürener Amtsgericht sind vier junge Männer verurteilt worden. Sie hatten sich ein illegales Rennen auf der A4 bei Düren geliefert, bei dem selbst das Polizeiauto nicht mithalten konnte.

In einem Auto, das ein 24-Jähriger aus Düren auf der B56 zwischen Huchem-Stammeln und der Autobahn-Auffahrt Düren nicht nur mit überhöhter Geschwindigkeit, sondern dazu noch rechts überholte, saßen zwei Polizeibeamte. Die absolvierten an diesem Abend im Februar 2019 ihren Dienst als Zivilstreife. Die beiden 33 und 29 Jahre alten Beamten wollten dem schnellen Pkw folgen, konnten nach eigenem Bekunden aber nur noch sehen, wie der Fahrer mit hohem Tempo mal rechts, mal links an weiteren Fahrzeugen vorbeizog. Angesichts der Verkehrslage verzichteten die Beamten auf eine weitere Verfolgung. Sie begründeten dies mit Rücksicht auf ihre eigene Sicherheit sowie das Wohl anderen Verkehrsteilnehmer,

Dem 24-Jährigen blieb trotz dieses Entkommens die „Pechsträhne“ erhalten. Da sein Auto wegen eines ziemlich lauten Motorengeräusches auffällig war, trafen die Beamten das Fahrzeug wenige Minuten später erneut. Der 24-Jährige steuerte einen Parkplatz im Gewerbegebiet Im großen Tal an, wo er offenbar weitere Bekannte mit hoch motorisierten Autos traf. Aus taktischen Gründen, und weil sie nur zu zweit waren, forderten die Zivilbeamten uniformierte Kollegen zur Unterstützung an.

Während sie auf die Verstärkung warteten, setzten sich vier Autos – allesamt vorschriftsmäßig – in Bewegung. Das Zivilfahrzeug fuhr hinterher. Auf der Autobahn A4 in Richtung Aachen, so hieß es jetzt beim Prozess vor dem Dürener Amtsgericht, konnte von vorschriftsmäßiger Fahrweise kaum mehr die Rede sein. In der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft heißt es dazu sinngemäß: Mit mäßiger Geschwindigkeit ging es auf die Schnellstraße und die vier Autos verteilten sich, zunächst eher langsam fahrend, auf die drei Fahrstreifen, um freien Raum zu vorausfahrenden Verkehrsteilnehmern zu schaffen. Als die Bahn vor ihnen einigermaßen frei war, gaben die vier Fahrer, alle im Alter zwischen 22 und 24 Jahren und wohnhaft in Düren beziehungsweise Kreuzau, kräftig Gas.

Das Zivilfahrzeug der Polizei musste bei Tempo 220 km/h aussteigen. Das Quartett raste weiter. An der Ausfahrt Langerwehe fuhren die vier Autofahrer dann ab, um über die Gegenfahrbahn zurück nach Düren zu gelangen. An dem Parkplatz, der auch Treffpunkt der Beteiligten war, gelang es dann den Zivilbeamten, die Fahrer zu kontrollieren. Die jungen Männer wollten dort von einem „unerlaubten Rennen“ nichts wissen, mussten dennoch ihre Führerscheine abgeben. Zwei auffällig technisch veränderte Autos wurden zur Überprüfung beschlagnahmt.

Einer der Verteidiger überraschte das Gericht mit einer Videoaufnahme, die angeblich das vermeintliche Geschehen zeigt. Nachdem die an dem Verfahren beteiligten Juristen die Aufzeichnungen gesehen hatten, blieben Zweifel an der Echtheit dieses beantragten „Beweismittels“, das als solches abgelehnt wurde.

Das Dürener Amtsgericht unter Vorsitz von Richterin Christina Lange verurteilte den Fahrer, der schon auf der B56 als Raser aufgefallen war, zu 90 Tagessätzen á 40 Euro und zu weiteren neun Monaten Fahrverbot. Die drei anderen Angeklagten wurden zu je 70 Tagessätzen, die sich nach den Einkommensverhältnissen richten, verurteilt und müssen zwischen 1750 und 3500 Euro zahlen. Für sie wurde die Führerscheinsperre um weitere sechs Monate verlängert. Die beiden beschlagnahmten Fahrzeuge werden eingezogen.

(hp.)