Prozess am Schöffengericht Düren geplatzt: Anklageschrift lückenhaft

Dürener Schöffengericht : Prozess pausiert nach Akten-Durcheinander

Einen ungewöhnlichen Auftakt hatte der Prozess gegen einen 44 Jahre alten Mann aus Düren, der als Angeklagter vor dem Dürener Schöffengericht steht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm gewerbsmäßigen Diebstahl im großen Stil vor.

Allein die in der Anklageschrift genannte Schadenssumme beträgt etwas mehr als 700.000 Euro. Weil aber in der Anklageschrift Seiten fehlten, wurde der Prozess ausgesetzt.

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, seine berufliche Stellung als Betriebsleiter in einer Internet-Firma, die im wesentlichen Computer und Computerteile vertreibt, genutzt zu haben, um Geräte seines Arbeitgebers zu stehlen, und diese dann auf eigene Rechnung in einem Internet-Shop sowie teilweise auch über einen Mittelsmann verkauft zu haben. Insgesamt listete der Staatsanwalt 179 Fälle auf, die sich zwischen März 2015 und Anfang Januar 2017 ereignet haben sollen.

In den Einzelfällen betrug der entstandene Schaden, so die Ermittlungen, zwischen einigen Hundert Euro und zum Teil über 9000 Euro. Tatorte waren Filialen des Unternehmens in Berlin-Charlottenburg (Schaden: knapp 98.000 Euro), Berlin-Mitte (rund 137.000 Euro), Bremen (etwa 181.000 Euro), Hamburg-Barmbek (circa 151.000 Euro) und Hamburg-City (um die 135.000 Euro). Für den 44-jährigen Dürener sei es aufgrund seiner beruflichen Stellung ein Leichtes gewesen, so heißt es in der Anklageschrift, die Sicherheitssysteme und Alarmanlagen zu umgehen.

Apropos Anklageschrift: Diese wurde in anderer Hinsicht zum „Corpus delicti“, denn während der Vertreter der Anklagebehörde sehr detailliert die Vorwürfe verlas, stellte sich heraus, dass in diesem umfangreichen Schriftsatz ein gewisses „Durcheinander“ herrschte. Um es kurz zu machen: Sowohl in den Akten des Staatsanwaltes als auch in den kopierten Schriftstücken des Verteidigers waren einige Seiten offenbar doppelt, während andere zu fehlen schienen. Richtig prekär wurde die Situation allerdings, als die Vorsitzende Richterin Verena Neft feststellte, dass in ihrer „offiziell unterzeichneten Anklageschrift“ insgesamt neun Tatvorwürfe aus einem Zeitraum mehrerer Wochen fehlten.

Spontan räumte die Juristin ein: „So eine Situation habe ich bisher noch nicht erlebt.“ Diese unvollständige Aktenlage mache eine korrekte und faire Hauptverhandlung in dieser Situation nicht möglich, konstatierte der Verteidiger des Angeklagten und beantragte die Aussetzung des Prozesses. Nach kurzer Beratung des Gerichts wurde diesem Antrag stattgegeben und die Sitzung geschlossen.

Zunächst soll die doch recht erhebliche Panne mit den unvollständig kopierten Seiten der Anklageschrift schnellstens behoben und allen Beteiligten Gelegenheit zur Prüfung und Prozessvorbereitung gegeben werden. Mit einem Neustart dieses Strafprozesses mit voraussichtlich zwei Verhandlungstagen ist dann im kommenden Frühjahr zu rechnen.

(hp)