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Huchem-Stammeln: Protest: Angst vor Hochwasser im Gewerbegebiet Rurbenden

Huchem-Stammeln : Protest: Angst vor Hochwasser im Gewerbegebiet Rurbenden

Der Widerstand gegen die Erweiterung des interkommunalen Gewerbegebiets Talbenden/Rurbenden geht nach wie vor ungebrochen weiter.

Dabei geht es längst nicht mehr nur um das Ansinnen des Planungsverbandes Niederzier/Düren, nach mehr als 20-jähriger, vergeblicher Suche nach Investoren auf dem noch rund 20 Hektar großen Areal — der Großteil davon auf Niederzierer Gebiet mit einer rund acht Hektar großen Grünzone entlang der Wohnbebauung in Huchem-Stammeln — künftig auch die bislang ausgeschlossen Speditionen und Logistikbetriebe ansiedeln zu wollen.

Anwohner befürchten, dass sich die Hochwassersituation im Ort mit jeder neuen Bebauung weiter verschärfen wird. Die Vorstellung des nach Bürgerprotesten und mehr als 450 Unterschriften bereits vor dem offiziellen Verfahren zur Bebauungsplanänderung in Auftrag gegebenen Entwässerungsgutachtens im Bürgerhaus Huchem-Stammeln konnte daran nichts ändern. Im Gegenteil.

Stefan Burtscheidt vom gleichnamigen Ingenieurbüro musste sich harsche Kritik gefallen lassen. Weil die bereits jetzt im rechtsgültigen Bebauungsplan verankerte Höchstgrenze der Versiegelung von 70 Prozent bei einer Ansiedlung von Speditionen und Logistikbetrieben nicht erhöht werden soll, machte er deutlich, dass auch nicht mehr Oberflächenwasser in den „Langen Graben“ eingeleitet würde, der quer durch den Ort verläuft und zwischen Huchem-Stammeln und Selhausen in die Rur mündet.

Burtscheidt stellte auch fest, dass aufgrund des 2005 fertiggestellten Entlastungskanals zur Rur in Höhe Bahnhofstraße im weiteren Verlauf überhaupt kein Hochwasser mehr möglich sei. Allein diese Aussage löste einen Sturm der Empörung aus. Anwohner, die auch nach 2005 immer wieder bei Starkregenfällen ihre Keller auspumpen mussten, behaupteten, dass das Abschlagbauwerk überhaupt nicht funktioniere. Bürgermeister Hermann Heuser kündigte daraufhin an, die Funktionsfähigkeit vom Wasserverband Eifel-Rur überprüfen zu lassen.

Kritik der Anwohner hagelte es auch am zusätzlichen Lkw-Verkehr, der mit Speditionen und Logistikbetrieben verbunden ist. Allerdings zeigte der Aachener Gutachter Wolfgang Schluckließ Wege auf, die den Ort sogar noch entlasten würden, obwohl statistisch betrachtet mit jedem Hektar Logistikbetrieb bis zu 100 Lkw-Fahrten am Tag verbunden sein können.

Mehr Verkehr, weniger Belastung

Wenn auf der B 56 in Fahrtrichtung Düren in Höhe Industriestraße eine neue Linksabbiegerspur ins Gewerbegebiet angelegt würde, könnte die bisher vom Schwerlastverkehr arg strapazierte Bahnhofstraße für Lkw gesperrt werden, verbunden mit einer Entlastung auch der Neue Straße. Die will Bürgermeister Hermann Heuser an der Grenze zwischen Wohnhäusern und Gewerbe ohnehin baulich so einengen, dass künftig keine Lkw mehr durchfahren können.

Für die Gemeinde Niederzier ist die Erweiterung des Gewerbegebietes Talbenden/Rurbenden die wahrscheinlich letzte Chance, Betriebe anzusiedeln und Arbeitsplätze vor Ort zu schaffen. Flächen an anderer Stelle würden aus landesplanerischer Sicht sicher nicht mehr genehmigt, erklärte Heuser. Trotz der Proteste und sehr komplizierter Eigentumsverhältnisse will er daher an der Erweiterung festhalten. Das offizielle Verfahren zur Bebauungsplanänderung will der Planungsverband noch vor den Sommerferien einleiten, kündigte Heuser an. Dann haben auch die Bürger noch einmal Gelegenheit, Einwände vorzubringen.

Derweil kündigte Dürens Tiefbauamtsleiter Heiner Wingels an, dass die Stadt noch in diesem Jahr die Straße „Talbenden“ endgültig fertigstellen will. Das gilt auch für die Bürgersteige.