Europa ist auch direkt vor unserer Haustüre : Projekte im Kreis Düren werden mit Fördergeldern aus EU-Programm unterstützt

Europa ist auch direkt vor unserer Haustüre : Projekte im Kreis Düren werden mit Fördergeldern aus EU-Programm unterstützt

Am 26. Mai wird ein neues Europaparlament gewählt – aber ein besonders großes Interesse scheinen die Menschen an der EU-Wahl nicht zu haben. Experten gehen von einer Wahlbeteiligung von unter 50 Prozent.

Dabei ist Europa gar nicht weit weg, ganz im Gegenteil. Auch im Kreis Düren gibt es verschiedene Projekte, die unmittelbar mit der Europäischen Union zu tun haben. Fünf davon wollen wir kurz vorstellen:

Projekt 1: E-Health

Patrik Koch ist IT-Leiter bei der Caritas Trägergesellschaft West. Foto: grafik

„Das deutsche Gesundheitssystem ist stark in Sektoren unterteilt“, erklärt Patrik Koch. Er ist bei der Caritas Trägergesellschaft West (ctw) IT-Leiter. Gerade bei der Kommunikation zwischen den niedergelassenen Ärzten und den Krankenhäusern gebe es größere Hürden, die der Patient natürlich nicht nachvollziehen könne, weiß Koch. Dagegen gehen er und seine Kollegen gerade vor. Europäische Fördergelder werden in Düren und Aachen für die Verbesserung der digitalen Kommunikation im Gesundheitssektor eingesetzt. „I/E-Health NRW“ heißt das Projekt für interdisziplinäre E-Health-Dienste, das in vier Modellregionen gestartet ist.

Das Projekt umfasst ein Gesamtvolumen von 8 Millionen Euro, wovon 4,7 Millionen Euro aus Mitteln des Landes und des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert werden. Der Projektzeitraum begann im September 2016 und endet offiziell im August 2019 – für die hiesige Region wurde allerdings eine Verlängerung um zehn Monate bewirkt, weil umfangreiche Softwareentwicklungen sich verzögert haben. Demnächst wird die neue Software pilotmäßig am St.-Marien-Hospital eingeführt und getestet. Konkret geht es dabei um digitale Fallakten, die vom niedergelassenen Arzt angelegt und von den Ärzten im Krankenhaus abgerufen werden können.

Im Rahmen des Projektes werden nur Akten für bestimmte Patienten angelegt – unter anderem gastroenterologische. Nach einer Darmspiegelung beim niedergelassenen Arzt kann die digitale Fallakte  bei der Weiterbehandlung im Krankenhaus dann den dortigen Spezialisten mit Details zur bisherigen Untersuchungsergebnissen, Allergien oder ähnlichem weiterhelfen.

Projekt 2: ATC

Das Aldenhoven Testing Center, ... Foto: grafik

Das Aldenhoven Testing Center (ATC) als modernes Testzentrum für Mobilität ermöglicht es, Situationen aus dem Realverkehr auf einem abgeschlossenen Gelände nachzubilden. Zum einen können immer wieder die gleichen Bedingungen geschaffen werden, zum anderen wird niemand im öffentlichen Straßenverkehr gefährdet, wenn mobile Prototypen getestet werden. Für das Projekt „Errichtung einer Automobilteststrecke für mobile Anwendungen in Aldenhoven“ hat das Aldenhoven Testing Center von 2011 bis 2014 finanzielle Unterstützung von der Europäischen Union erhalten. Von rund 7,6 Millionen Euro Fördervolumen stammten etwa 60 Prozent aus EU-Mitteln, die restlichen 40 Prozent aus NRW-Mitteln.

Insgesamt wurden rund 10 Millionen Euro in das Projekt investiert. Das Projekt und die finanzielle Unterstützung mit EU-Mitteln waren die entscheidende Grundlage, um das Aldenhoven Testing Center seitdem immer weiter als wichtigen Standort für die Entwicklung von Fahrzeugen und anderen Mobilitätslösungen auszubauen – für die Region und darüber hinaus. „Der anstehende Braunkohle-Strukturwandel gibt der Region und speziell dem Campus Aldenhoven voraussichtlich weitere Möglichkeiten zum Ausbau und der Schaffung weiterer Arbeitsplätze“, sagt Geschäftsführer Micha Lesemann.

Projekt 3: „Echy“

... die Nideggener Stadtmauer mit dem Projekt „Echy“ ... Foto: grafik

2018 war Europäisches Kulturjahr. Der Schwerpunkt Deutschlands für das „European Cultural Heritage Year“ (Echy) war „Baukulturelles Erbe“ und in dem Zusammenhang hat das Amt für Denkmalpflege des Landschaftsverbandes Rheinland ein spannendes Projekt für Kinder initiiert. Unter dem Motto „Stadt – Land – Burg“ haben mehr als 400 Schüler aus Nideggen, Schmidt, Embken und Kreuzau die kaum erforschte Geschichte Nideggens lebendig werden lassen. Unter anderem haben sie gelernt, wie die Wasserversorgung der Burg funktionierte, was die Schießscharten über Waffentechnik verraten, welche Bedeutung die Stadttore hatten und wie mittlealterliche Baustellen organisiert waren.

Projekt 4: Foschungszentrum

... und der Campus Jülich der Fachhochschule Aachen mit Projekten zur Energiewende: Die Europäische Union ist nicht weit weg, sondern spielt auch im Kreis Düren, also direkt vor unserer Haustüre, eine wichtige Rolle. Foto: grafik

Viele EU-Förderprogramme richten sich an die Bereiche Forschung, Innovation und Technologie, so dass also nicht verwunderlich ist, dass es am Campus Jülich der Fachhochschule Aachen derzeit gleich elf EU- geförderte Projekte gibt, die sich vor allem mit den Schwerpunkten regenerative Energien, Energiespeicher und intelligente Energieversorungssyteme auseinandersetzen. Eines dieser elf Projekte ist „KRaFT“, was für „kundenorientiert Flexibilisierungspotenziale erschließen“ steht. Ziel des Forschungsprojektes, das insgesamt drei Jahre von der EU gefördert wird und noch bis 2020 geht, ist es, das Energiesystem flexibler zu gestalten. Dabei sollen dezentrale Einspeiser und Speicher helfen.

Die Projektentwickler arbeiten an einem virtuellen Kraftwerk. Ein virtuelles Kraftwerk ist eine Zusammenschaltung von dezentralen Stromerzeugungseinheiten, wie zum Beispiel Photovoltaikanlagen, Wasserkraft und Blockheizkraftwerken zu einem Verbund. Dieser Verbund stellt Elektrizität verlässlich bereit und kann damit angebotsunabhängige Leistung aus Großkraftwerken ersetzen.Die Forscher aus Jülich untersuchen, wie das Marktumfeld sich verändern muss, um virtuellen Kraftwerken optimalen Raum zu bieten.

Projekt 5: Erasmus

Alle vier Europaschulen des Kreises Düren nehmen regelmäßig an „Erasmus“- Projekten teil. An der Europaschule Langerwehe gibt es vier. Foto: grafik

Die vier Europaschulen des Kreises Düren nehmen regelmäßig an Erasmus-Projekten teil, die Jugendliche aus der EU miteinander in Kontakt bringen sollen. Die Europaschule Langerwehe ist in diesem Schuljahr gleich an vier Erasmus-Projekten beteiligt, an denen mehr als 100 Schüler mitarbeiten. Die Projekte heißen „How austainable is my scool?“ (Wie nachhaltig ist meine Schule?), „Sports and Health“ (Sport und Gesundheit), „The Romans“ (Die Römer) und „C.L.E.A.N.“ (zum Thema Umwelt). Neben den Jugendlichen aus Langerwehe nehmen Schüler aus Italien, Spanien, Großbritannien, Rumänien, Polen, Frankeich, der Türkei und den Niederlanden teil.

Auf Englisch beschäftigen sie sich mit Umweltschutz, Gesundheit und den Spuren römischer Geschichte und Kultur in ihren Regionen. Alle Projekte werden von der Europäischen Union gefördert, so dass sowohl den Schülern als auch den teilnehmenden Lehrern keine Kosten entstehen. Finanziert werden mit den Fördermitteln vor allem die Projektbesuche in den jeweiligen Partnerländern, aber auch Ausflüge und Besichtigungen vor Ort und notwendige Materialien.

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