Projekt „Börde Feuer“ für mehr Akzeptanz für die freiwillige Feuerwehr

Leader-Projekt „Börde Feuer“ : Mehr Akzeptanz für die freiwilligen Helfer

Die Ziele von „Börde-Feuer“ sind schnell erklärt: mehr Akzeptanz für die Freiwillige Feuerwehr in der Bevölkerung, aber auch bei Arbeitgebern von Feuerwehrleuten schaffen, neue Mitglieder gewinnen und Nachwuchs akquirieren. Jetzt wurde das gemeinsame Leader-Projekt der Freiwilligen Feuerwehren von Nörvenich, Vettweiß, Zülpich, Weilerswist und Erftstadt, für das der Kreis Düren die Trägerschaft übernommen hat, der Öffentlichkeit vorgestellt.

Vor mehr als drei Jahren hatte Nörvenichs Bürgermeister Dr. Timo Czech (CDU) Oliver Hartlieb, den Chef der Feuerwehr der Neffeltalgemeinde bei einem zufälligen Treffen im Flur des Rathauses gefragt: „Herr Hartlieb, wäre Leader nichts für die Feuerwehr?“ Natürlich hatte der Nörvenicher Wehrleiter vom Leader-Projekt (siehe Themeninfo) schon gehört, und grundsätzlich stand er möglichen Fördergeldern selbstverständlich sehr positiv gegenüber. „Aber wir haben die große Bürokratie auch gescheut“, bekennt der ehrenamtliche Feuerwehrmann. „Heute sind wir natürlich froh, dass wir den Weg gegangen sind und mit dem Projekt starten können.“

„Börde Feuer“ gehört mit einem Fördervolumen von 108.671 Euro zu den sehr bedeutenden Projekten der Leader-Region Zülpicher Börde. Mit knapp 59.000 Euro beteiligen sich die fünf Kommunen an dem Projekt, so dass insgesamt Projektkosten von rund 168.00 Euro zu Buche schlagen. „Dieses Projekt“, betonte Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU), „hat natürlich in erster Linie regionale Bedeutung. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass es bundesweite Relevanz bekommt und viele Nachahmer findet. Nachwuchssorgen bei der Freiwilligen Feuerwehr sind keine Probleme, die es allein im Kreis Düren gib. Die gibt es überall.“

Die freiwilligen Feuerwehren, sagte Spelthahn, seien eine „großartige Errungenschaft“. „Trotzdem nimmt ihre Akzeptanz immer mehr ab, gleichzeitig steigen die Herausforderungen für die Wehrleute immens. Der Dienst wird immer anspruchsvoller.“ Die Freiwilligen Feuerwehren, ergänzte Wehrleiter Hartlieb, seien eine kommunale Aufgabe. „Das heißt, dass die Gemeinde alle Kosten für Material, Ausstattung, Fahrzeuge und Uniformen übernimmt. Geld für eine gute Öffentlichkeitsarbeit gibt es aber nicht. Das können wir mit dem Leader-Projekt ändern. Für uns ist dieses Programm ein Meilenstein für die Mitgliedergewinnung und eine große Chance, um unsere Anerkennung zu steigern.“

Landrat Wolfgang Spelthahn und die Verantwortlichen der Leader-Region „Zülpicher Börde“ sowie der Feuerwehren stellten das Projekt vor. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Wie viele Mitglieder den Wehren in Nörvenich, Vettweiß, Zülpich, Weilerswist und Erftstadt genau fehlen, kann Hartlieb nicht genau beziffern. Nur so viel: „Um ein Feuerwehrfahrzeug im Notfall innerhalb der vorgeschriebenen Hilfefristen mit neun Feuerwehrkameraden besetzen zu können, müssen wir viel mehr Leute alarmieren, um wirklich sicherzustellen, dass das Fahrzeug auch einsatzbereit ist. Immer mehr Kameraden arbeiten außerhalb. Und es wird grundsätzlich schwieriger, Arbeitgeber davon zu überzeugen, freiwillige Feuerwehrleute für ihren Dienst freizustellen.“

Mit „Börde Feuer“ wird eine Stabstelle „Kommunikation“ errichtet, die als zentraler Servicepartner die Feuerwehren in der Region unterstützt. Hartlieb: „Es soll ein Anhänger angeschafft werden, der all das enthält, womit Löschgruppen ihre Arbeit bei Feuerwehrfesten oder anderen Veranstaltungen präsentieren können.“ Neben umfangreichen Prospektmaterial und einer Musikgruppe soll der Wagen auch ein Rauchdemo-Haus und einen Feuerlöscher enthalten. Darüber hinaus soll es im Rahmen des Projektes Workshops für Arbeitgeber von Wehrleuten gehen, um noch einmal deutlich zu machen, wie wichtig die Unterstützung der freiwilligen Löschgruppen sind. Geflüchtete sollen genauso für den Dienst in der Feuerwehr begeistert werden wie Frauen, für die es in der Gemeinde Nörvenich zuletzt schon spezielle „Ladies Nights“ gab. Außerdem sollen die beteiligten Feuerwehren Hilfe bei der Arbeit mit sozialen Medien bekommen.

Spelthahn: „Natürlich wird die Arbeit unserer Feuerwehren immer wieder gelobt, gerade auch von Politikern. Wir müsssen das, was in Sonntagsreden gewürdigt wird, im Alltag lebendig halten. Wir hoffen, dass uns das mit diesem Projekt gelingt.“ Die interkommunale Zusammenarbeit, die „Börde Feuer“ mit sich bringt, ist für die Feuerwehr übrigens nichts Neues. „Das machen wir längst“, sagt Oliver Hartlieb. „Wir unterstützen uns gegenseitig bei Einsätzen, aber natürlich auch bei der Ausbildung der Kameraden.“

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