Powervolleys: Letztes Heimspiel vor den Play-offs am Samstag gegen Giesen

Interview mit dem sportlichen Leiter der Powervolleys : „Play-offs sind keine Alibi-Veranstaltung“

Aktuell Tabellenplatz sechs, viele Verletzungen und Krankheiten, viele Wochen ohne Cheftrainer, der auch krankheitsbedingt ausgefallen ist. Für die Powervolleys läuft in dieser Saison nicht wirklich alles rund. Oder doch? Redakteurin Sandra Kinkel hat den sportlichen Leiter von Dürens Volleyball-Bundesligisten, Goswin Caro, gefragt, wie zufrieden er mit der Spielzeit ist und mit welchen Erwartungen er in die Play-offs geht.

Herr Caro, die Powervolleys stehen vor dem letzten Spiel vor den Play-offs auf Tabellenplatz sechs. Sind Sie damit zufrieden?

Goswin Caro: Ja, das bin ich. Unsere Mannschaft hat eine sehr gute Saison gespielt, vor allem, wenn man bedenkt, wie stark die Liga in diesem Jahr ist. Außerdem war unser Team von Verletzungen und Krankheiten extrem gebeutelt. Wenn man das alles zusammennimmt, können wir zufrieden sein. Mannschaft und Trainer haben sehr gut gearbeitet.

Von allen Seiten hört man, dass die Liga aktuell so eng beieinander ist wie selten. Ist das für Düren Fluch oder Segen?

Caro: Ich empfinde das auf jeden Fall als Segen. Zum einen macht es natürlich die Saison viel spannender. Und zum anderen fangen alle in den Play-offs wieder bei Null an. In dieser Saison sind die Play-offs keine Alibi-Veranstaltung, es ist  alles möglich. Das macht es für das Publikum noch einmal viel interessanter.

Woran liegt es, dass die Liga so gut ist?

Caro: In erster Linie daran, dass sehr gute Spieler nach Deutschland gekommen sind. Wir hatten beispielsweise in diesem Jahr auch ein gutes Händchen bei der Zusammenstellung des Teams.

Inwiefern?

Caro: Wir haben zwar viele neue Spieler verpflichtet, aber es gab den von mir sehr oft zitierten „Kit“, der das Team zusammenhält. Viele Spieler kannten sich von früher, hatten in anderen Mannschaften schon zusammengespielt. Außerdem haben wir eine gute Mischung von älteren, erfahrenen Volleyballern und jungen Spielern. Leute wie Tomáš Kocian und Sebastian Gevert haben sich sehr für die Jungen eingesetzt und viel von ihrer Erfahrung weitergegeben. Nur so funktioniert es auch, dass ein Verein seit mehr als 20 Jahren im oberen Bereich der Bundesliga mitspielt. Und das tun wir.

Welche Rolle hat die lange Verletzung von Trainer Stefan Falter gespielt?

Caro: Ich denke, es war vor allem ein Gewöhnungsprozess, der damit einhergegangen ist. Stefan Falter stand im täglichen Austausch mit Co-Trainer Justin Wolff. Auch unsere beiden Mannschaftskapitäne Michael Andrei und Tomáš Kocian hatten regelmäßig Kontakt zu ihm und haben davon der Mannschaft berichtet. Überhaupt ist es so, dass unsere erfahreneren Spieler deutlich mehr Verantwortung übernommen haben. Auch die Verpflichtung von Björn Andrae war in dem Zusammenhang ein Glücksgriff. Er hat enorm viel Ruhe ins Team gebracht. Das war gut. Natürlich wurde unser Trainer aber von allen vermisst.

Goswin Caro ist sportlicher Leiter von Dürens Bundesligist. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Können Sie sagen, wann er wieder zurückkommt?

Caro: Nein. Wir müssen abwarten, bis seine Ärzte grünes Licht geben, dass er wieder arbeiten darf.

Es war in der zurückliegenden Saison auffällig häufig der Fall, dass Düren sicher gewonnen geglaubte Spiele am Ende doch noch verloren hat.

Caro: Ja, da haben Sie Recht. Das war vielleicht das kleine Quentchen, das uns noch gefehlt hat, um wirklich ein ganz großes Team zu sein.

Anders als noch in der vergangenen Saison haben Sie diesmal darauf verzichtet, mit einem Mentaltrainer zusammenzuarbeiten. Warum?

Caro:  Die Notwendigkeit war nicht da, eben weil wir genug ältere Spieler haben, die nicht das Alpha-Tier raushängen lassen, sondern den Jüngeren helfen. Das Mannschaftsgefüge und auch die Stimmung innerhalb des Teams stimmen. Und das war von Anfang der Saison so.

Was kann Düren in dieser Saison noch erreichen?

Caro: Alles, und das sage ich nicht, weil ich sportlicher Leiter der Powervolleys bin, sondern weil ich wirklich davon überzeugt bin. Wir haben in dieser Saison schon alle großen Teams geschlagen. Das Endspiel ist für uns erreichbar. Ich denke, dass in dem Zusammenhang auch wichtig ist, dass Mannschaften wie Berlin, Friedrichshafen und die Alpenvolleys einen Etat haben, der mindestens doppelt so hoch ist wie unserer. Trotzdem können wir mit diesen Teams mithalten.

Wo stehen Sie mit den Planungen für die nächste Saison? Wollen Sie die Mannschaft weitestgehend zusammenhalten?

Caro: Ja, damit bin ich aber schon ein paar Mal angetreten und musste mich dann am Ende eines Besseren belehren lassen – manchmal auch wegen unseres vergleichbar kleinen Etats. Die Gespräche laufen derzeit, und es gibt auch schon positive Ergebnisse, über die ich aber jetzt noch nichts sagen kann.“

Volleyball ist der mit Abstand höchstklassige Sport, der in Düren geboten wird, und gleichzeitig die Veranstaltung, die mit Abstand die meisten Zuschauer anlockt. Wird das genügend gewürdigt?

Caro: Von den Zuschauern schon. Die Fans haben gerade in dieser Saison in Düren Volleyball auf einem sehr hohen Niveau erlebt und wissen das auch zu schätzen. Das zeigen zum Beispiel die konstant hohen Zuschauerzahlen. Sogar beim Heimspiel an Karnevalssamstag war die Arena sehr gut besucht. Wir viele Sponosren, die uns seit Jahren unterstützen. Auch für die neue Saison gibt es schon wieder Zusagen. Dafür sind wir sehr dankbar. Und natürlich arbeiten wir intensiv daran, dass wir auch für die nächste Saison wieder einen guten Etat haben werden.

Zum Schluss noch ein Wort zum Spiel gegen die Helios Grizzlys Giesen am Samstag.

Caro: Wie immer wird die Mannschaft alles geben, und den Zuschauern noch einmal deutlich machen, dass es sich absolut lohnt, zur Volleyball-Bundesliga in die Arena Kreis Düren zu kommen. Außerdem ist rein rechnerisch auch noch Platz fünf vor den Play-offs drin – es wird ganz sicher ein spannender Abend.

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