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60 Jahre Tommy Engel: Porträts menschlicher Schwächen, Stärken und Gefühle

60 Jahre Tommy Engel : Porträts menschlicher Schwächen, Stärken und Gefühle

Seit 60 Jahren steht der Kölner Tommy Engel auf der Bühne. Bei seinem Jubiläumskonzert im Haus der Stadt ließ er die vergangenen Jahrzehnte nicht nur musikalisch Revue passieren.

Wie bitte? 60-jähriges Bühnenjubiläum? Ganz recht. Tommy Engel, der schon Songpoet war, lange bevor es diesen Begriff gab, feierte mit seinem Programm „Das Jubiläumskonzert“ sage und schreibe sechs Bühnen-Jahrzehnte. Im Haus der Stadt begeisterte er mit einer grandiosen Mischung von Liedern, die in dieser Zeit von ihm (mit)geschrieben und aufgeführt wurden, neuen Songs und tollen kölschen Covern von Welthits. Engel erwies sich dabei einmal mehr nicht nur als Musiker, sondern auch als Geschichtenerzähler mit Herz, Hirn, Humor und Gewissen.

Schon mit 13 Jahren war er Mitglied einer Band. Er begann 1962 als Schlagzeuger bei den „The Luckies“. Es folgten weitere Engagements in englischsprachigen Gruppen. Der ganz große Erfolg stellte sich dann 1970 mit der Gründung der „Bläck Fööss“ ein, deren Frontmann er bis 1994 blieb.

„Irjendwat mit Black“, so erzählte Tommy Engel im Haus der Stadt, hätten damals ja alle geheißen, „Blackbirds“, „Black Sabbath“ und so weiter. Nur auf die kölsche Umdeutung mit gleichem Wortsound aber völlig anderer Bedeutung – „nackt“ eben – seien er und seine Fööss-Kollegen als einzige gekommen.

Engel erinnert nach einigen anderen Songs wie dem „Rievkooche Walzer“ das Lied „Drink doch ene mit“, das er auch im Haus der Stadt spielte, als Durchbruch. Die Fööss-Lieder vom „Meier’s Kättche“ oder „In unserem Veedel“ sang er mit dem begeistert mitsingenden Dürener Publikum im „Duett“.

Nach der Fööss-Zeit widmete sich Engel in den 1990er Jahren dem Musikprojekt L.S.E. „Mir möten ens jet zesamme mache“, so verriet er dem Publikum, sei ja so ein gern genommener, aber oft leerer Spruch zwischen Musikern. Im Falle von Tommy Engel, Arno Steffens und Rolf Lammers waren sich alle drei jedoch einig, dass aus dem Spruch unbedingt Musik werden sollte. Und so schrieben sie viele großartige Songs, von denen Engel mit seiner Band zum Beispiel jenen spielte, den er als „Überschrift“ für dieses Kapitel seiner Karriere sieht: „Leck ens am Asch“. Überaus befreiend sei das, so ein Credo heraus zu singen.

Nach dem L.S.E. Projekt zog er sich erst einmal zurück. Dass man ihm den „Schwarzen Pitter“ zugeschoben habe in Bezug auf seine Trennung von den Fööss, war nicht spurlos an ihm vorbei gegangen. Als er dann erstmals wieder auftrat, hatte er nicht nur „Pudding in de Been“, sondern mit „Solo“ auch das perfekte Lied, um das gesteigerte Lampenfieber für ihn als Solokünstler zum Ausdruck zu bringen.

Dass Tommy Engel viel lieber Teil einer Band ist – so wie am Donnerstagabend, als er das Lied mit seinen exzellenten Musikerkollegen und -kolleginnen brachte, war ihm deutlich anzumerken. Er wirkte sehr entspannt, gelöst und versorgte seine Gäste mit vielen lustigen Geschichten und einem Gastauftritt des von ihm gespielten „Huusmeister Kaczmarek“, der zu den Klängen von „Music was my first love“ „Schruwe is mi levve“ und dann den bekannten Rap des kölschen Concierge sang.

Immer schon war Engel auch wichtig, zu aktuellen politischen Schieflagen Stellung zu beziehen. Im Haus der Stadt eröffnete er daher mit einer kölschen Version von John Lennons Friedenshymne „Imagine“, um den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu kommentieren. Es sei „nicht so einfach“ in diesen Zeiten ein Konzert zu geben und so wolle er das Thema immer mal wieder einfließen lassen. So auch mit der Interpretation seines neuen Songs „Von jetzt an alles für die Pänz“, das er den Kindern, die vom Ukraine-Krieg betroffen sind, widmete. Das Lied selbst ist ein Appell, sich von den „Pänz“ der „Fridays for Future“-Bewegung wachrütteln zu lassen und endlich ein Ende des „Immer mehr von viel zu viel“ zu finden.

Tommy Engel ist nicht nur ein großartiger Komponist und Sänger, sondern auch einer der besten musikalischen Porträtisten menschlicher Schwächen, Stärken und Gefühle. Daher sind seine Lieder niemals nur eindimensionale Schwarzweiß-Hymnen, sondern immer fein austarierte Betrachtungen und Geschichten, die beim Zuhören berühren. Das stellte er auch in Düren wieder unter Beweis.

Für seinen Auftritt in Düren erhielten Tommy Engel und seine Band lang anhaltenden Applaus und Standing Ovations.