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Aachen/Düren: Polizei einseitige Ermittlung vorgehalten

Aachen/Düren : Polizei einseitige Ermittlung vorgehalten

Im Prozess um die Brandstiftung in einer Dürener Zahnarztpraxis Anfang letzten Jahres hat die Verteidigung der Polizei vorgeworfen, einseitig gegen den angeklagten Dentisten ermittelt zu haben.

Laut Polizeiakten mit Datum des Tattages habe man den Zahnarzt absichtlich nicht sofort über das Geschehen in dem Wohn- und Geschäftshaus informiert - und zwar aus „einsatztaktischen Gründen”. Die Verteidigung liest daraus, dass der Täter für die Polizei gleich fest gestanden haben muss.

Ein am Mittwoch als Zeuge gehörter Kriminalbeamter wollte dies aber so nicht auf sich und seiner Behörde sitzen lassen. „Es wurde in jede Richtung ermittelt”, sagte er.

Nur: Bei den Mitarbeitern der Praxis - auch den ehemaligen - habe man vergebens nach einem Tatmotiv gesucht, wohingegen die mögliche Motivlage beim Zahnarzt eindeutiger gewesen sei: Der sei praktisch auf dem Sprung nach Schweden gewesen, habe sein Wohnhaus kurz zuvor verkauft und nun noch eine Praxis im Nacken gehabt, die so gut wie keinen Gewinn mehr abgeworfen habe.

Am Tatort war später unter anderem ein Grillanzünder vorgefunden worden - und zwar als vollständige Platte. DNA-Spuren des Angeklagten hat man darauf allerdings vergebens gesucht.

Der 59-Jährige Angeklagte hatte vor Gericht für die Tatzeit ein Alibi. Und: Er sei am Samstag vor dem Brand das letzte Mal in seiner Praxis gewesen, um zwei Laborschränkchen abzutransportieren.

Nun soll es einen Zeugen geben, der den Zahnarzt aber noch einmal am Sonntag vor Ort erblickt haben will. Der Brand selbst war in den frühen Montagmorgenstunden gelegt worden.

Wenige Stunden später hatte der Angeklagte bei seiner Versicherung angerufen und das Feuer gemeldet. Forderungen seinerseits seien bislang aber nicht gestellt worden, erklärten seine beiden Verteidiger.

Unklarheit herrscht derzeit noch über den Verbleib eines ominösen fünften Schlüsselsatzes für die Praxis. Der Angeklagte, der seine vier Schlüsselsätze der Polizei ausgehändigt hat, will jenen fünften seinem mittlerweile verstorbenen Seniorvermieter vor Jahren überlassen haben. Laut Gutachten muss der Brandleger sich definitiv mit einem Schlüssel Zugang zum Tatort verschafft haben.

Der Prozess in Aachen wird fortgesetzt.