Düren: Politische Debatte um Dieselautos hat Folgen für unabhängigen Autohändler

Düren : Politische Debatte um Dieselautos hat Folgen für unabhängigen Autohändler

Kaum ist das Videotelefonat vorbei, muss Nurullah Celik leicht grinsen. Der Autohändler kennt das Spiel. „Die Leute versuchen alles, um ihren Diesel loszuwerden“, sagt er. „Wie jetzt gerade argumentiert jemand, dass er wieder die Marke wechseln will. Ein anderer ist plötzlich nicht mehr mit der Sitzposition zufrieden.“ In Wahrheit aber ginge es um den möglichen Wertverlust.

Die Folgen der bundespolitischen Diesel-Debatte spüren Unternehmer wie Nurullah Celik.

Seit 2000 ist der Dürener selbstständiger freier Autohändler, das heißt, er ist an keinen Hersteller gebunden. Er kauft und verkauft gebrauchte Autos unterschiedlicher Fabrikate je nach Marktlage. 90 Prozent der Pkw bezieht er von lokalen Autohäusern, zehn Prozent von privaten Verkäufern. Seit vergangenem Frühjahr gehen „dramatisch weniger“ Dieselfahrzeuge vom Hof, sagt Celik — der damals beginnende Wahlkampf habe das Kaufverhalten beeinflusst. „2017 war kein gutes Jahr“, erzählt Celik. „Wir haben mit vielen Autos Minus gemacht. Es ging so weit, dass wir ein Auto ohne mit der Wimper zu zucken für 13.000 Euro verkauft haben, obwohl es uns 15.000 Euro gekostet hat.“

Gegen Ende des Jahres habe sich die Lage wieder entspannt, meint Celik, die Preise seien stabil niedrig geblieben. Das, was er an der Euskirchener Straße zum Kauf anbietet, sei für ihn als Selbstständigen quasi auch die Altersvorsorge, betont er. Je länger Autos und gerade Diesel keine Abnehmer finden, desto weniger lukrativ wird Celiks Geschäft.

„Kampf für sich“

Nach einem Monat Standzeit wird ein Gebrauchtwagen zu einem Problem, das hat auch mit dem Verkauf im Internet zu tun. Einschlägige Portale, bei denen Celik seit zehn Jahren inseriert, bewerten Preise zum Beispiel als „sehr gut“. Einen Monat später aber nur noch als „gut“ — dieser Hinweis ist unübersehbar für potenzielle Kunden. „Im Internet ist der Autoverkauf ein Kampf für sich. Es hat zwar einiges einfacher gemacht, aber auch geschadet.“

Was Celik hierzulande nicht verkauft bekommt, geht ins Ausland, zum Beispiel nach Belgien. „Die Belgier sehen das Diesel-Thema nicht so eng, die kaufen auch noch Euro-3-Norm-Autos.“

Es ist die zweite Krise, die Nurullah Celik als Autohändler durchmacht. 2008/09 entwickelte sich die Wirtschafts- auch zu einer Automobilkrise. Damals habe er um seine Existenz gefürchtet. Die heutige Situation nehme zwar nicht jene Dimensionen an, Celik bleibt aber skeptisch. „Wir wissen nicht, wo es hingeht. Die Autohersteller haben die Technologie, um die Probleme in den Griff zu bekommen. Nur: Es zwingt sie keiner dazu. Das ist ein Politikum. Ein einfacher Mensch wie ich kann das nicht verstehen.“ Er hätte vor wenigen Jahren nicht gedacht, dass der Diesel mal „auf der Abschussliste“ stehen würde. Celik ist der Meinung, dass der Bund die E-Mobilität „krampfhaft fördern will, obwohl Deutschland noch nicht so weit ist — kein Land ist das so richtig“.

Ein Machtwort aus Berlin fordert auch Cihanay Cetin. „Die Kunden und wir Händler wollen wissen, wie die Zukunft der Dieselautos aussieht. Wir brauchen bis Mitte oder Ende des Jahres klare Spielregeln“, betont der freie Autohändler, der sein Geschäft seit 2015 an der Veldener Straße betreibt.

Auch Vielfahrer steigen um

Cetin ist spezialisiert auf Neuwagen, die Diesel haben vorrangig die Euro-6-Plakette. Selbst bei dieser neuesten Abgasnorm spüre er die Verunsicherung der Kunden. Gebrauchtwagen würden maximal drei Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen, das sind die Autos, die Cetin bei einem Neuwagenverkauf in Zahlung nimmt. „Wir verkaufen zwar wenige gebrauchte Diesel, aber in den vergangenen Monaten gingen die Verkaufszahlen definitiv spürbar zurück“, sagt Cetin. Große Sorgen bereite ihm die aktuelle Lage trotz kleinerer Verluste ohnehin nicht. Die Debatte hatte für den Neuwagenhändler auch etwas Positives, betont er: „Viele Käufer und selbst Vielfahrer wechseln von Diesel zu Benzin, also verkaufen wir auch weiterhin hin unsere Autos.“