Kreis Düren: Podiumsdiskussion: Energiewende setzt Akzeptanz voraus

Kreis Düren : Podiumsdiskussion: Energiewende setzt Akzeptanz voraus

„Das Ganze läuft mir hier viel zu rund. Die Entwicklung der Energiewende im Kreis Düren wird mir hier zu beschönigend dargestellt.“ So brachte Walter Jordans, Kreisvorsitzender des BUND, sein Gefühl nach den Eröffnungsstatements der Diskutanten auf dem Podium zum Ausdruck.

Das Forum Politik Düren hatte zur Podiumsdiskussion unter dem Titel „Energiewende regional — ohne Kohle nix los?“ in das Dürener St.-Angela-Gymnasium geladen.

Neben Jordans stellten sich als politische Vertreter Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU), sein Gegenkandidat und Landtagsabgeordneter Peter Münstermann (SPD) und der Grüne Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer den Fragen der zahlreich erschienenen Bürger. Außerdem nahmen Professorin Dr. Isabel Kuperjans von der FH Aachen, Standort Jülich, Bernd Ohlemeyer von der Mittelstandsvereinigung, und Ingo Vosen von den Stadtwerke Düren an der Diskussion teil.

Nach einem Impulsvortrag von Simon Trockel von der Energie-Agentur NRW zu den Möglichkeiten der Energiewende auf lokaler Ebene hatten die Teilnehmer auf dem Podium die Möglichkeit, in vierminütigen Statements ihre Position zum Thema darzulegen. Der von Walter Jordans im Anschluss bemängelte Tenor: Es bleibt noch viel zu tun, aber insgesamt ist die Region auf einem guten Weg. Mit der scheinbaren Einigkeit war es jedoch spätestens in der anschließenden Diskussion vorbei.

Wolfgang Spelthahn verwies auf die im Haushalt 2016 festgeschriebenen Gelder zum Aufbau eines Klimamanagements und kündigte die Erarbeitung und Umsetzung eines „Masterplans Energie“ an.

Sein Konkurrent Münstermann wies den Amtsinhaber darauf hin, dass ein Antrag auf die Aufstellung eines solchen Plans bereits 2012 von der SPD-Fraktion in den Kreistag eingebracht und einstimmig beschlossen worden war, jedoch „bis heute nichts passiert“ sei.

Der ehemalige RWE-Betriebsrat drängte außerdem darauf, die Interessen der Arbeitnehmer im Energiesektor stärker in den Fokus zu rücken. Dem schlossen sich teilweise auch Ingo Vosen und Bernd Ohlemeyer an, die sich für Unternehmen und Investoren vor allem Planungssicherheit wünschten.

„Ohne die Akzeptanz der Bevölkerung kann die Energiewende auch auf lokaler Ebene nicht gelingen“, machte Vosen seinen Standpunkt deutlich.

Gleichwohl sei diese voranzutreiben, und zwar nicht nur im Bereich der Energieerzeugung, sondern auch der Energieeffizienz, was auch Ingenieurin Kuperjans betonte.

Zu Peter Münstermanns kürzlicher Forderung nach einem neuen, modernen Kohlekraftwerk am Standort Niederaußem sagte Oliver Krischer: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein neues Kohlekraftwerk noch in irgend einer Weise wirtschaftlich betrieben werden kann.“

Auf Münstermanns Einwand, dass die Entscheidung über die Wirtschaftlichkeit von Anlagen ausschließlich beim Unternehmen liege, äußerte sich Wolfgang Spelthahn ähnlich wie Krischer: „Die Zeit neuer fossiler Kraftwerke ist definitiv vorbei.“ Die Kontrahenten waren sich jedoch einig, dass man RWE nicht aus der Verantwortung, zum Beispiel für Folgeschäden der Kohleförderung, entlassen dürfe.

Auf die Frage eines RWE-Mitarbeiters, wie denn die zukünftige Speicherung regenerativer Energien gelingen solle, nahm FH-Professorin Kuperjans vor allem Politik und Wirtschaft in die Pflicht: „Die Technik ist nicht die größte Hürde der Energiewende, sondern der Mut, unbequeme Entscheidungen zu fällen. In dieser Hinsicht ist der Blick auf Quartalsberichte und Legislaturperioden fehl am Platz.“

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