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Prozessauftakt: Pleiten-Dealer steht vor dem Landgericht

Prozessauftakt : Pleiten-Dealer steht vor dem Landgericht

Als eine Häufung von Pleiten, Pech und Pannen will Dawid G. (38) Vieles aus seinem Leben der vergangen zwei Jahre dem Gericht verkaufen. Doch die Große Strafkammer unter Vorsitz von Richter Norbert Gatzke schaute am Mittwoch zum Prozessauftakt genau hin. Über manche Sachen konnte der Vorsitzende nur verständnislos den Kopf schütteln.

Vier Anklagen und ein Strafbefehl lagen auf dem Tisch, zwei davon hatte die Staatsanwaltschaft erst gar nicht im Köcher, weil sie anscheinend zu neu waren. Doch dem aus Polen stammenden Angeklagten werden neben dem Fahren ohne Führer- und gleichermaßen ohne Versicherungsschein sowie Tanken ohne zu bezahlen auch Taten vorgeworfen, die absolut schwer wiegen.

Darunter eine Drogenfahrt mit einem Kumpel in der Nacht des 29. August 2018, die in der Nähe von Wuppertal nach einer Verfolgungsjagd mit der Polizei auf der Wiese neben der Straße endete. Die beiden Insassen flohen vom Unfallort. Der Suchhubschrauber fand letztlich den Angeklagten, sein Kumpel ist den Beamten bis heute unbekannt.

Die Polizisten fanden auf der Mittelkonsole des zerbeulten Autos 250 Gramm der Droge Amphetamin und im Fußraum des Wagens auf der Beifahrerseite ein stattliches Jagdmesser. Entsprechend wurde Dawid G. bewaffnetes unerlaubtes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in größeren Mengen vorgeworden. Der Strafrahmen für Delikte dieser Art beginnt erst bei fünf Jahren Haft.

Doch er sei da so reingeraten, beteuerte der IT-Ingenieur, der in Polen 2005 sein Studium beendet hatte und danach nach Deutschland kam und bei einer Baufirma seines Schwagers in Jülich als technischer Bauleiter begann. Das ging Jahre gut, berichtete der Vater einer achtjährigen Tochter.

Dann aber, nach einem Arbeitsunfall im Jahr 2018, habe der Schwager ihn von einem Tag auf den anderen vor die Türe gesetzt. Von da an ging es bergab, G. verfiel den Drogen, konsumierte immer mehr Amphetamin, nach eigen Angaben täglich konstant mindesten zwei Gramm der weißen Droge.

Nach mehreren Gesprächen mit seinem Verteidiger gestand G. schließlich die Drogenfahrt. Doch er sei „nur“ der Fahrer gewesen, sein Dealer – und zugegebenermaßen auch Freund – habe auf dem Beifahrersitz gesessen und ihn zu einer Drogenübernahme auf einem Parkplatz an der Autobahn nach Wuppertal gelotst. Die beiden Männer hatten aber Pech: Die Polizei war auf einem Sucheinsatz nach einem Spielhallen-Überfall, mit dem sie nichts zu tun hatten. Sie wurden sozusagen zum polizeilichen Beifang, der Kumpel konnte aus dem Auto fliehen, Dawid G. nicht.

Bis zum Prozessauftakt hatte er seinen Kumpel nicht angeschwärzt. Jetzt ging es nicht mehr anders, wenn er nicht eine harte Strafe für ihn kassieren wollte, G. gab die Identität des Mittäters dem Gericht kund. Denn das Messer und die Drogen gehörten dem Kumpel, versicherte der Angeklagte. Er sei lediglich den Wagen gefahren und habe nur knapp zehn Gramm als Lohn kassiert. Der juristische Unterschied: Als Helfer wird man wegen Beihilfe verurteilt, das Strafmaß fällt geringer aus, das Geständnis zählt ebenso strafmildernd.

Zur Last gelegt werden G. zudem eine weitere Unfallfahrt am Tagebau Inden. Auch hier habe er wieder Pech gehabt, er habe völlig unter Drogen gestanden, ein anderer habe den Wagen in den Graben gesetzt, er habe als Beifahrer nur daneben gesessen. Ohne jeden Vorbehalt zugegeben hat G. das mehrfache Verwenden von geklauten Autokennzeichen und den zweimaligen Tankbetrug. Sein Führerschein wurde an anderer Stelle wegen Trunkenheit einkassiert. Bei einer weiteren angeklagten Drogensache hatte der Ingenieur angeblich wieder richtiges Pech. Als er Anfang Dezember 2018 nachts an einer Disco in Düren vorbei ging, habe er an Müllcontainern Amphetamine und Ecstasy gefunden. Die habe er zur Polizei bringen wollen, doch, wieder Pech: Kurz vor der Wache wurde er von einer Streife angehalten – und festgenommen.

Mit all dem sei, so Dawid G., nach der Versöhnung mit seiner Ehefrau jedoch Schluss, das Paar zog im Januar aus Düren weg. Nun muss das Gericht Zeugen hören, ob es sich bei G. wirklich um einen Pleiten- und Pannen-Dealer handelt, der Prozess wird am 29. Juli im Landgericht fortgesetzt.