Pflegeombudsfrau im Kreis Düren hilft unbürokratisch

Pflegeombudsfrau : Die Schlichterin von Streits in der Pflege

Die Ombudsstelle für die Pflege im Kreis Düren wird in diesem Jahr erwachsen. 2001 übernahm Rupert Rieder dieses Ehrenamt, seit nunmehr fünf Jahren hat es Christel Schiebler aus Nideggen inne. Als unabhängige, neutrale Schlichterin ist sie Ansprechpartnerin, wann immer es Probleme zwischen Pflegeeinrichtungen und Pflegebedürftigen sowie deren Angehörigen gibt.

Die Themen, die zum Stein des Anstoßes werden, reichen dabei von der Verpflegung in Seniorenheimen, über den Wäsche-Dienst bis zu individuellen Problemen. Schiebler bemüht sich dann, mit den jeweiligen Parteien einen Kompromiss zu finden.

„Ich bin keine Heimaufsicht“, ist ihr wichtig zu betonen. Das Ehrenamt sei zwar genau dort, beim Ordnungsamt des Kreises, angesiedelt, habe aber deutlich weniger Befugnisse. „Die Heimaufsicht kann Entscheidungen herbeiführen, ich vermittele nur“, sagt die 72-Jährige. Ein weiterer Unterschied zur Heimaufsicht ist, dass die Nideggenerin unbürokratisch hilft. „Ich nehme sofort Kontakt auf und vereinbare zeitnah einen Termin.“ Ein erster Kontakt entsteht zum Beschwerdeführer, danach spricht Schiebler auch mit der anderen Seite einzeln. So macht sie sich ein Bild von beiden Blickwinkeln und kann einiges an Zorn und Ärger abfangen, wenn es anschließend zum gemeinsamen Gespräch kommt.

Eins der größten Probleme, bei denen es Schlichtungsbedarf gibt, ist die Wäschepflege. Wenn Kleidungsstücke verfärbt, eingelaufen oder überhaupt nicht zu den Pflegebedürftigen zurückkommen, klingt das für Außenstehende nach einer Kleinigkeit, bedeutet aber für die Bewohner von Pflegeheimen, die teilweise nur ein kleines Taschengeld zur Verfügung haben, ein großes Problem. Nach den Ausgaben für Körperpflege und Medikamente bleibe für viele nicht genug Geld, um oft Wäsche zu ersetzen. „Das belastet einige“, weiß Christel Schiebler. Auch das Essen in den Einrichtungen sorgt nicht selten für Beschwerden. Bei diesen Themen, wie auch bei den unterschiedlichen Einzelfällen, versucht die Ehrenamtlerin zu vermitteln, sodass sich beide Seiten aufeinander zu bewegen und einen Kompromiss finden. Partei ergreift sie dabei nicht, sondern legt Wert darauf, dass sich alle Beteiligten verstanden fühlen.

In etwa 60 Prozent der Fälle sind es Angehörige von Pflegebedürftigen, die Christel Schiebler um Hilfe bitten. Die Bewohner selbst, deren Betreuer oder Bekannte sowie Mitarbeiter der Einrichtungen melden sich etwa gleich oft. Insgesamt werde ihr Schlichtungsangebot aber eher verhalten angenommen, meint Christel Schiebler. Sie hat das Gefühl, dass beispielsweise Angehörige von Pflegebedürftigen eine gewisse Scheu haben, sie anzusprechen, weil sie Angst haben, es könnte sich etwas für den Pflegebedürftigen verschlechtern. Aber ganz im Gegenteil: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es besser wird, weil wir ja an einem Problem arbeiten.“

Wenn es Probleme zwischen Pflegebedürftigen und den Einrichtungen, in denen sie wohnen, gibt, dann hilft Pflegeombudsfrau Christel Schiebler auf der Suche nach einer Lösung. Foto: dpa/Christoph Schmidt

Bei dieser Arbeit hilft Christel Schiebler ihre berufliche Erfahrung als Krankenschwester und Einrichtungsleiterin in der ambulanten Pflege. Nach ihrer beruflichen Laufbahn stieg sie im Babybegrüßungsdienst des Kreises ein und wurde nach ein paar Jahren gefragt, ob nicht auch die Pflegeombudsstelle etwas für sie wäre. Dafür sprach neben ihrer Expertise vor allem eins: „Ich bin selbst pflegende Angehörige. Ich verstehe, was die Leute bewegt und belastet. Das ist eine wertvolle Erfahrung.“ Daher wünscht sie sich im Kreis Düren auch mehr Angebote für Menschen, die ihre Verwandten pflegen, um sich in Gruppen auszutauschen. „Das sind ganz wertvolle Kreise.“

Mehr von Aachener Zeitung