Aachen/Vossenack: Partnerin mit HIV infiziert: Bewährungsstrafe

Aachen/Vossenack : Partnerin mit HIV infiziert: Bewährungsstrafe

Vor der 8. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht unter dem Vorsitz von Richter Hans Günter Görgen ist am Montag der 43-jährige Glenn G. aus Aachen verurteilt worden, dem die Infizierung seiner aus Hürtgenwald-Vossenack stammenden Partnerin mit dem HI-Virus angelastet wurde.

Sogar die deutsche Aids-Hilfe aus Berlin hatte sich in den Fall eingeschaltet. Sie wandte sich mit einem ihrer Positionspapiere an die Presse. „Keine Kriminalisierung von Menschen mit HIV“ hieß es in den Forderungen deutlich. Aachener Aktivisten untermauerten am Montag plakativ im Gerichtssaal ihre Meinung auf ihren T-Shirts: „Die Justiz hat im Bett nichts zu suchen!“, stand dort nachdrücklich in schwarzen Lettern. Doch die Justiz hat in die Betten geschaut - und das darf sie auch, wenn dort Straftaten begangen werden.

Das war hier der Fall, wie das Gericht am Montag entschied. Die Strafkammer verurteilte den aus Köln stammenden Autosattler Glenn G. zu einer Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten, weil er seine 41-jährige Partnerin angesteckt hatte. Zur Anklage kam noch der strafrechtliche Vorwurf, mit zwei weiteren Frauen ungeschützten Geschlechtsverkehr vollzogen zu haben. Sie waren am Ende aber nicht positiv. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

„Wir haben den Angeklagten wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt“, wertete die Kammer ihren Urteilsspruch. Sein Verhalten habe jedoch ganz nahe an einem „bedingten Tatvorsatz“ gelegen, was möglicherweise eine schwerere Strafe nach sich gezogen hätte, die Staatsanwaltschaft hatte schließlich vier Jahre und sechs Monate Haft beantragt. Hier wäre eine Bewährung nicht möglich gewesen. G. saß seit einem halben Jahr in Untersuchungshaft.

G. gab im Verfahren an, die Partnerin aus Angst vor einem Beziehungsende im Unklaren darüber gelassen zu haben, dass er HIV-positiv ist, hieran sei 2007 bereits seine Ehe zerbrochen. Die früher lebensbedrohende Virusinfektion war bei ihm nicht ausgebrochen, und seine Werte hatten sich auf einem niedrigen Niveau stabilisiert. Damit beruhigte er sein Gewissen.

Der Aachener Arzt und Aids-Experte Dr. Heribert Knechten bestätigte die Werte von G. Danach sei eine Infektion durch G. prozentual sehr unwahrscheinlich gewesen. Aber offensichtlich: Er hatte seine Partnerin angesteckt, und es war sein Virusstamm, den ein Experte im Blut der Frau nachweisen konnte.

So fand das Gericht trotz der eher milden Strafe deutliche Worte: „Das war grob fahrlässiges Verhalten geprägt von hoher Pflichtvergessenheit und Sorglosigkeit. Das ist hart an der Grenze zum Vorsatz,“ stellte Görgen klar.

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